Frauengold-Kolumne

Der Thermomix und ich: Eine nicht ganz einfache Beziehung

Sehen klasse aus, diese Vintage-Haushaltsgeräte. Noch besser ist es, wenn wenn nur ein Gerät – wie der Thermomix und die Discounter-Plagiate alles kann – und dann auch noch vollautomatisch.

Sehen klasse aus, diese Vintage-Haushaltsgeräte. Noch besser ist es, wenn wenn nur ein Gerät – wie der Thermomix und die Discounter-Plagiate alles kann – und dann auch noch vollautomatisch.

Foto: GraphicaArtis / Getty Images

Habe ich jemals behauptet, ich brauche keinen Thermomix und keinen Haushaltsroboter, weil ich alles besser kann? Was für ein Unsinn.

Berlin. Wir Journalisten schauen ja in letzter Zeit gerne nach, was unsere Leser im Netz anklicken; wofür sie womöglich Geld bezahlen. Und, siehe da: Es steht gar nicht unbedingt der Sport, also Fußball, oben auf der Liste.

Und auch nicht immer das Neueste von Heidi Klum, Helene Fischer oder den Royals. Eines der beliebtesten Themen im Netz ist: der Thermomix. Dieses Alleskönner-Küchengerät, dessen Firmennamen ich hier jetzt aus Wettbewerbsgründen nicht nenne.

Ich habe nie verstanden, was an dem Gerät so toll sein soll. Wer kochen kann, so meine Devise, der kann immer schnell und gesund etwas Leckeres auf den Tisch bringen. Ich erinnere mich noch, wie eine Kollegin mir schon vor Jahren zuraunte, der Thermomix habe ihr Leben verändert. Ich wunderte mich: Wie albern, wie inkompetent manche doch seien.

Der Thermomix - nur für Leute, die nicht kochen können?

„Echt“, sagte ich damals zu ihr. Und dass ich gerne koche, schnell auf dem Heimweg einkaufe und dann Ruckzuck Gemüse, Nudeln, Salat oder was auch immer auf dem Tisch stehe. Ein tolles Curry, ein Steak, veganen Eintopf – alles kein Problem. Ich sagte auch, dass ich Kochbücher liebe und gern was Neues austüftele. Und dass ich in der Küche den Hut aufhabe. „Kann sonst keiner.“

Das Problem dabei: Ich bin oft nicht zu Hause, wenn Essen auf den Tisch kommen sollte. Am frühen Abend herrscht in Redaktionen schließlich Hochbetrieb – auch am Wochenende. Das jüngste Kind, das noch zu Hause wohnt, mault daher oft: „Ich will nicht immer nur Brote“. Und auch nicht immer zum Vietnamesen um die Ecke. Der Mann erwidert stets: „Ich kann nicht kochen“. Und nun erklärte das Teenager-Kind neulich, da gebe es doch dieses Gerät, das alles kann. „Einfach nur reinwerfen“, sagte es. So machten es die Influencer in ihren Koch-Videos auf YouTube auch.

Eintopf, Salat, Panna Cotta in 45 Minuten: „Das kann ich auch“

Ich winkte ab. Der Mann schaute interessiert und meldete uns beim Vorführ-Kochkurs an. Wir haben dann wirklich Zutaten reingeworfen, nach einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Es kam ein Eintopf (gesund, schnell, lecker“) dabei raus, ein Salat aus Brokkoli, Apfel, Karotte, selbst gebackenes Baguette und Schoko-Pannacotta. Die Küche blieb sauber. Alles war nach 45 Minuten fertig.

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„Das kann ich auch“, sagte der Mann hinterher. Das hatte er noch nie gesagt, wenn es ums Kochen ging. Das Kind war schier begeistert. Ich zuckte die Schultern. „Macht, was ihr wollt“, sagte ich. Und nun haben wir das Gerät. Ich finde es immer noch irgendwie spießig. Aber wir haben uns alle die App runtergeladen. Und jeder von uns kocht jetzt, sobald Zeit ist.

Ein Küchengerät hält mir den Rücken frei

Es ist tatsächlich so: Ein Küchengerät hält mir den Rücken frei. Es raspelt, gart, dampft für mich. Es sucht nach Rezepten. Es ist immer einsatzbereit. Und ich muss mich noch nicht einmal mit meinen Liebsten auseinandersetzen, warum immer nur ich kochen soll.

Ok, um es mal auf den Punkt zu bringen: Her mit den Haushaltsgeräten. Ich brauche noch diverse Roboter. Den zum Saugen , den zum Fensterputzen. Und den für das Rundum-Sorglos-Paket, damit ich nie wieder vergesse, Rechnungen zu bezahlen, Elternabende zu besuchen, Rauchmelder-Batterien auszutauschen oder Behörden aufzusuchen.

Was bleibt: Ecken saugen und nachwürzen

Was dann noch bleibt: ab und zu die Ecken saugen. Den Lehrer doch mal anrufen. Die Kreditkarten-Abrechnung checken. Wie beim Thermomix: nur noch nachwürzen, einen Klecks Sahne dazugeben und was zu viel ist, mit einer Runde durch den Stadtpark abtrainieren. Zeit gibt es ja jetzt genug.