Pre-Wedding

Warum asiatische Paare ihre Hochzeit in Paris simulieren

Ein chinesisches Paar posiert noch vor der Hochzeit vor dem Eiffelturm.

Ein chinesisches Paar posiert noch vor der Hochzeit vor dem Eiffelturm.

Foto: REUTERS / PHILIPPE WOJAZER / Reuters

In Paris floriert der Pre-Wedding-Tourismus. Paare aus Asien zelebrieren Fotoshootings in der Stadt der Liebe – ohne dort zu heiraten.

Paris. Paris sonnt sich gerne in seinem Ruf, die Stadt der Liebe zu sein. Nicht nur, aber auch, weil sich dieser Ruf prächtig versilbern lässt. Vergleichsweise neu ist jedoch das einträgliche Geschäft des „Pre-Wedding“-Tourismus. Immer mehr Menschen – vor allem aus Asien – sind bereit, viel Geld für sogenannte Verlobungsshootings auszugeben, um sich kurz vor der Eheschließung in trauter Pose vor den Sehenswürdigkeiten an der Seine fotografieren zu lassen.

Zugegeben: Der Romantik­faktor, den ein Kuss vor dem Eiffelturm oder vor der Glaspyramide des Louvre-Museums bietet, ist schwer zu übertreffen.

Hochzeit von Asiaten in Paris inszeniert - Das muss man wissen:

  • Noch vor der Trauung lichten sich asiatische Paare vor dem Eifelturm in Paris ab
  • Das Geschäft mit dem „Pre-Wedding“-Tourismus boomt derzeit
  • Die Simulation hat viele Vorteile. Vor allem ist sie eins: günstiger

Gerade die Besucher aus Asien simulieren ganze Hochzeiten, obwohl das eigentliche Fest erst später daheim in Japan, Südkorea oder China stattfindet. Das ist immer noch billiger, als tatsächlich in Europa zu heiraten – und die Verwandtschaft einfliegen zu müssen.

Hochzeitsfotos vor der Trauung? Was es mit Pre-Weddings auf sich hat

„Es ist so romantisch hier“, sagt die 25-jährige Xiao aus Peking, die im Brautkleid, mit Blumenbouquet in der Hand und dem Verlobten an ihrer Seite am Seine-Ufer posiert. Dass die Kathedrale Notre-Dame nach dem Brand noch teilweise von Baugerüsten verdeckt ist, stört offenbar nicht weiter.

„Wir werden die Fotos unseren Gästen auf der Hochzeitsfeier zeigen“, sagt sie, während Ausflugsboote entlangschippern und die Touristen dem vorgeblichen Brautpaar applaudieren.

Hochzeitsfotos, die bereits vor der Trauung geschossen werden, haben in Asien – und vor allem in China, wo sich allein jedes Jahr mehr als 10 Millionen Paare das Jawort geben – eine mittlerweile 40-jährige Tradition.

Früher setzten sich die Paare vor Paris- oder Venedig-Kulissen. Doch der wirtschaftliche Aufschwung macht die Chinesen zunehmend reiselustig.

Nach den Amerikanern und Briten stellen sie bereits den drittgrößten Anteil an Paris-Besuchern. Die Reise zu den Originalschauplätzen ist da auch eine Frage des Prestiges. So hat sich in den letzten Jahren die Pre-Wedding-Fotografie zu einem sehr lukrativen Geschäftsmodell entwickelt.

Pre-Wedding-Fotos bringen Frankreich eine Milliarde Euro jährlich

Organisiert werden die Fotoreisen zumeist von spezialisierten Agenturen mit Sitz in Asien. Aber in Paris, wo schon aufgrund der großen Modenschauen an guten Fotografen kein Mangel herrscht, stehen inzwischen Konkurrenten bereit.

Kein Wunder – schließlich profitiert gerade Frankreich ganz besonders von dem neuen Trend. Die renommierte Pariser Tageszeitung „Le Monde“ schätzte das asiatische Umsatzvolumen der Pre-Wedding-Fotografie jüngst auf mehr als eine Milliarde Euro jährlich.

Agenturen wie Kiss me in Paris veranschlagen 350 Euro für ein einstündiges Shooting. Doch Paare aus Asien buchen ihre Pariser Fotosessions gemeinhin als Paket, welches den Fotografen, Leihkleider, eine Stylistin und den Transport während der Aufnahmen umfasst. Kosten: ab 3500 Euro.

Flüge und Unterkunft schlagen dabei getrennt zu Buche. Ein teurer Spaß. Aber Alben mit Pre-Wedding-Fotos sind vor allem in China ein fester Bestandteil sehr aufwendiger Hochzeitsfeiern, die den sozialen Status der Brautpaare und ihrer Eltern aufs Eindrucksvollste herausstellen sollen.

Geheimtipps sind nicht gefragt

Und die Auftraggeber scheinen zufrieden. „Wir waren nervös, von so weit entfernt einen Fotografen gebucht zu haben“, schreibt ein Kiss-me-in-Paris-Kunde namens Gunjang Naran in einer Rezension. „Aber dann war alles wunderbar. Und es war eine nette Geste vom Fotografen, sich während der Aufnahmen um die Handtasche meiner Frau zu kümmern.“

Andere loben, dass es zusätzliche Paris-Tipps gab. Dabei scheinen sich gerade Chinesen für ihre Foto­sessions auf die üblichen Muss-Stationen zu konzentrieren, die sich beinahe an einer Hand abzählen lassen: der Eiffelturm, der Louvre, die Brücke Alex­andre III, Sacré-Cœur und das Schloss Versailles.

Dazu gibt es einen besonders romantischen Geheimtipp, der nicht auf dem Programm der Vorhochzeitstouristen steht. Als Schwur ewiger Treue gilt eine innige Umarmung vor der auf dem Square Jehan Rictus auf Montmartre stehenden „Mauer der Liebenden“.

Von ihr und ihren Steinkacheln, auf denen der Künstler Frederic Baron „Ich liebe dich“ in 300 verschiedenen Sprachen verewigt hat, scheint man in Asien noch nichts gehört zu haben.

Auch in Deutschland lässt man sich seine Hochzeit inzwischen einiges kosten: Heiraten wird mehr und mehr Event – Mit Vollgas in die Ehe.