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DHDL-Investor nennt „Sir Plus“-Gründer gierige Kapitalisten

Erlebten ein Waterloo: „Sir Plus“-Gründer Raphael Fellmer und Martin Schott in der „Höhle der Löwen“.

Erlebten ein Waterloo: „Sir Plus“-Gründer Raphael Fellmer und Martin Schott in der „Höhle der Löwen“.

Foto: TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Das Unternehmen „Sir Plus“ will Lebensmittel vor der Tonne bewahren. Der Auftritt der Gründer bei „Höhle der Löwen“ sorgte für Wirbel.

Berlin. Irgendwann hat Unternehmer Georg Kofler genug. Da platzt ihm der Kragen, da wird er so wütend, dass er den zwei Gründern einmal so richtig die Meinung geigen muss. „Obergierige Kapitalisten“ seien sie, unglaubwürdig und heuchlerisch noch dazu. „Diese moralisierende Attitüde geht mir auf den Geist.“ Am Ende stehen die Gründer Raphael Fellmer und Martin Schott verschüchtert und verschreckt da. Ein Deal kommt nicht mehr zustande – kein Wunder. Sprachlos ziehen die beiden davon.

Dabei waren sie so hoffnungsvoll gestartet. Was kann man auch gegen ein Projekt für mehr Lebensmittelrettung einzuwenden haben? Denn genau das hat „Sir Plus“ zum Ziel.

„Die Höhle der Löwen“: Gründer von „Sir Plus“ wollen Welt verbessern

Gründer Raphael Fellmer setzt sich seit zehn Jahren gegen eine Verschwendung von Lebensmitteln ein, hat eine Food-Sharing-Bewegung aufgebaut und fünf Jahre lang im Geldstreik gelebt – also kein Geld angenommen und nichts ausgegeben. Sein eigener Anspruch: „Wir wollen die Welt verändern und verbessern.“

Mit „Sir Plus“ bringen die beiden bereits weggeworfene, aber noch essbare Lebensmittel wieder zu den Verbrauchern. Nach eigenen Angaben kaufen sie bei Landwirten, Produzenten und Großhändlern überschüssige Lebensmittel ein und geben sie dann an ihre Kunden weiter, unter anderem in diversen so genannten Retter-Märkten. Ihre Vision: Alle Menschen auf der Welt sollen genug Essen bekommen. Grundsätzlich eine gute Sache, fanden auch die Löwen.

Gründer: Kunden von „Sir Plus“ müssen bis 50 Prozent weniger zahlen

Was machte Georg Kofler daran nun so wütend? Raphael Fellmer erklärte, sein Unternehmen würde die vor dem Müll bewahrten Produkte für wenig Geld einkaufen. Die Kunden müssten so 40 bis 50 Prozent weniger zahlen als im Einzelhandel. Im vergangenen Jahr sprang dabei für „Sir Plus“ ein Umsatz von 1,2 Millionen heraus.

Dieser Umsatz entsteht dadurch, dass die Kunden zwar weniger als im Supermarkt, nicht aber den Preis zahlen, den das Unternehmen selbst an die Produzenten zahlt. Der Wunsch des Unternehmens: Noch größer werden, noch mehr verdienen.

Georg Kofler: „Wie die Moralapostel“

Das wiederum brachte Kofler richtig in Rage. „Ihr sagt, ihr wollt Lebensmittel retten. Nee, ihr kauft Lebensmittel ganz billig ein und verkauft sie teurer weiter.“ Weiter warf er ihnen vor: „Ihr sagt: Ich war fünf Jahre im Geldstreik, aber jetzt will ich zum Multimillionär werden.“

Hinzu kam eine aus Sicht aller Löwen übertriebene Unternehmensbewertung: 700.000 Euro für sechs Prozent Firmenanteile. „Ihr tretet hier an wie die Moralapostel, die die Welt retten, und kommt mit einer Bewertung, die euch als obergierige Kapitalisten erscheinen lässt“, sagte Kofler.

Den anderen Löwen ging es da nicht viel anders. „Ich verstehe die Bewertung nicht. Das ist so abschreckend. Das heißt, ihr habt gar nicht so ein großes Interesse an einem Löwen“, fand Nils Glagau. Dagmar Wöhrl fehlte bei dem Auftritt der Gründer die Ehrlichkeit. „Wenn Sie gesagt hätten, wir geben einen Teil des Geldes an soziale Projekte ab, dann hätten Sie bestimmt auch einen Investor gefunden.“

„La Ribollita“: Gemüse-Eintopf aus dem Instant-Becher

Ganz anders lief es für Fabian Zbinden aus Bern. Den jungen Schweizer überschütteten die Löwen mit Lob. „Bist‘n geiler Typ, der für eine Sache brennt. Den wünscht sich jeder Investor“, sagte etwa Ralf Dümmel. Bei Georg Kofler klang das ähnlich: „Deine Hingabe finde ich faszinierend. Diese Energie, davon können sich sehr viele Leute eine Scheibe abschneiden.“

Um einen Deal zu bekommen, musste Fabian trotz dieser Komplimente und einer fairen Firmenbewertung (42.000 Euro für 20 Prozent Firmenanteile „und 100 Prozent meiner Energie“) ganz schön zittern. Der gelernte Koch ist nicht nur mit einem Food-Truck unterwegs, sondern verkauft auch Instant-Gerichte in zwei Sorten: veganes Chili und einen Gemüse-Eintopf.

Frisches und saisonales Gemüse

Während Fabian den Löwen jeweils einen Becher zum Probieren gab, erklärte er die Besonderheit seiner Produkte. Sie sind ohne Konservierungsmittel und Zusatzstoffe, glutenfrei und vegan. Er verarbeite nur frisches und saisonales Gemüse. 45 Tage seien die Gerichte haltbar. Die Löwen waren begeistert: „Das schmeckt wirklich nach Gemüse“, stellte Dagmar Wöhrl fest.

Bisher beliefert der 31-Jährige mit seinen etwa acht Euro teuren „La Ribollita“-Produkten aber nur acht Geschäfte in Bern. Im vergangenen Jahr hat er etwa zwei Gerichte pro Tag verkauft. Nun will Fabian mit seinem Unternehmen wachsen.

Eintöpfe in der Hotel-Minibar

„Ribollita-Corners“ mit Kühlschrank und einer Heißwasser-Station schlug er deshalb vor. Skepsis bei Carsten Maschmeyer. „Das ist schwierig, mal eben in den Laden zu gehen und eine Suppe zu löffeln.“ Ähnliches Unbehagen bei Ralf Dümmel: „Das Geschäft ist zum Großwerden mehr als schwer. Ich muss schweren Herzens absagen.“

Als Fabian merkte, dass ihm ein Abgang ohne Deal drohte, versuchte er immer wieder mit neuen Argumenten zu punkten. Das verzweifelte Bemühen des Jungunternehmers bewegte Nils Glagau schließlich doch noch zu einem Angebot. „Ich möchte dich hier nicht so rauslassen. Wenn wir die Köpfe zusammenstecken, vielleicht kriegen wir was hin.“

Hinzu kam ein weiterer Kopf, denn nun hatte auch noch Dagmar Wöhrl Interesse. Ihr Unternehmen habe 32 Hotels und bereits einen Vertrieb, über den die Instant-Gericht verkauft werden könnten. Eintöpfe in Hotel-Minibars, mit einem Wasserkocher daneben – das könne sie sich sehr gut vorstellen. Am Ende bekam Fabian daher mit Glagau und Wöhrl gleich ein Investor-Team zur Seite.

„MIAMIA“: Zwei Männer und eine Nagelfeile

Davor Petrovic will es mit herkömmlichen Nagelfeilen aufnehmen. Der Diplom-Ingenieur für Physikalische Technik hat eine Feile aus einem Metallgitter entwickelt. Während handelsübliche Feilen wie ein Schmiergelpapier arbeiteten, funktioniere das Metallgitter wie ein Hobel. „Durch das Schmiergeln entstehen Risse im Nagel. Der Hobel aber schneidet den Nagel. Darunter bleibt es glatt.“

Besonders die Damen – Judith Williams und Dagmar Wöhrl – waren skeptisch: Kann das funktionieren? Also durften die Löwen selbst ran an ihre Nägel. Williams stellte die ersten Mängel fest. „Ich will ja auch an der Seite feilen, dann bin ich aber am Plastik.“ Der gebürtige Kroate gab zu, noch ganz am Anfang zu stehen. Seine Feile müsse weiterentwickelt und erprobt werden. Eventuell könnte damit sogar Hornhaut entfernt werden. Das zumindest hätte seine Schwester festgestellt.

Während einige Löwen zu viele Schwachstellen und zu viel „Ungewissheit“ sahen, wollte sich Judith Williams auf das Produkt einlassen. Schließlich ist sie für Kosmetikprodukte bekannt. Eigentlich die perfekte Investorin. Aber da war ja noch Ralf Dümmel, der ebenfalls 90.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile zahlen wollte. Petrovics Wahl fiel auf Dümmel. Den hatte er sich schon immer als Investor gewünscht.

„Medibino“: Ein Kissen für Neugeborene

Nicole Klingen hat ihr Baby nach der Geburt viel auf den Rücken gelegt. Dadurch sei es zu Verformungen des Kindskopfes gekommen. Mit der Ärztin Susanne Kluba hat sie deshalb „Medibino“ entwickelt: eine Lagerungshilfe für Neugeborene. Das ringförmige Kissen soll zu einer Druckentlastung führen und so die Verformungsgefahr verringern. Es ist bereits als Medizinprodukt zugelassen.

Aber sollte man ein Kind denn überhaupt auf den Rücken legen? Susanne Kluba betonte, dass es diverse Studien gebe, die Empfehlungen zur Rückenlage aussprechen würden. Dagmar Wöhrl wollte das nicht glauben: „So habe ich das nicht gelernt.“

Sie habe zu dem Thema habilitiert und sich zehn Jahre mit dem Thema beschäftigt, versuchte sich Kluba zu verteidigen. Doch sie konnte wieder und wieder entsprechende Studien anführen, die Skepsis überwiegte bei den Löwen. „Diese Wissenschaft überzeugt mich nicht“, sagte Nils Glagau. Rückenlage – ja oder nein? Zwei Seiten standen sich am Ende gegenüber. Ein in dieser Situation unlösbares Problem.

„deineStudienfinanzierung“: Bafög-Antrag soll leichter werden

15 Prozent, 17,5 Prozent oder doch 20 Prozent - David, Alexander und Basti hatten mit ihrer Idee schnell zwei Unterstützer auf ihrer Seite, verhandelten jedoch hart um die Firmenanteile. Die drei jungen Männer haben mit „deineStudienfinanzierung“ eine App geschaffen, die Studierenden einen leichteren Zugang zu einer Studienförderung verschaffen will.

Einen Bafög-Antrag zu stellen sei aufwändig und schrecke deshalb viele Studierende ab, argumentierten die Gründer. Es handele sich um ein „veraltetes undurchsichtiges System“. Für 29,90 Euro unterstützt die App bei der Wahl der Finanzierung und der Eingabe nötiger Daten. Frank Thelen und Georg Kofler wollten als Investoren einsteigen. „Ich kann euch garantieren, dass wir schnell wachsen werden“, betonte Thelen.

Die Gründer wollten 500.000 Euro für 12,5 Prozent der Anteile. Thelen aber forderte für sein Engagement gleich 20 Prozent, Kofler ging auf 15 Prozent. Schnell war klar: Die Gründer wollten Frank Thelen. Allerdings nicht zu den geforderten 20 Prozent. Den Deal gab es nach mehreren Beratungen schließlich bei 17,5 Prozent.