Astronomie

Schwarzes Loch in der Milchstraße wird offenbar gefräßiger

Diese Grafik der Universität von Kalifornien in Los Angeles veranschaulicht den Weg eines Sterns am Rande des Ereignishorizonts eines schwarzen Loches.

Diese Grafik der Universität von Kalifornien in Los Angeles veranschaulicht den Weg eines Sterns am Rande des Ereignishorizonts eines schwarzen Loches.

Foto: Nicolle Fuller / dpa

Das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße verhält sich normalerweise eher ruhig. Jetzt aber haben Forscher Ungewöhnliches gemessen.

Los Angeles. Astronomen wundern sich über Vorgänge inmitten unseres Sonnensystems: Das gigantische Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße leuchtet so hell wie noch nie, seitdem es beobachtet wird. Die Forscher schlussfolgern: Das Schwarze Loch ist gefräßiger denn je.

„Wir haben in den 24 Jahren, die wir das supermassereiche Schwarze Loch untersuchen, nichts Vergleichbares gesehen“, berichtete Andrea Ghez von der Universität von Kalifornien in Los Angeles in einer Mitteilung. Die Forscher stellen ihre Beobachtungen im Fachblatt „The Astrophysical Journal Letters“ vor. Über die Ursache des plötzlichen Ausbruchs rätseln sie noch.

Wie die meisten Galaxien besitzt auch die Milchstraße ein extrem massereiches Schwarzes Loch in ihrem Zentrum. Es vereint die Masse von rund vier Millionen Sonnen. Schwarze Löcher selbst sind zwar nicht sichtbar, aber wenn Materie in ihren Schwerkraftstrudel fällt, erhitzt sie sich und leuchtet hell auf, bevor sie für immer hinter dem sogenannten Ereignishorizont verschwindet. Manche supermassereichen Schwarzen Löcher erzeugen auf diese Weise mehr Strahlung als die gesamte Galaxie, in der sie sitzen.

Schwarzes Loch in der Milchstraße ist normalerweise „auf Diät“

Das Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße verhält sich normalerweise allerdings weniger spektakulär. „Es ist normalerweise ein ziemlich ruhiges, schwächliches Schwarzes Loch auf Diät“, erläuterte Ghez. Die Forscher hatten rund 13.000 Messungen aus 133 Nächten seit 2003 analysiert. Am 13. Mai 2019 strahlte das Schwarze Loch plötzlich doppelt so hell wie auf den hellsten der übrigen Aufnahmen.

„Die große Frage lautet, ob das Schwarze Loch in eine neue Phase eintritt“, betonte Ghez’ Kollege Mark Morris. Das könne etwa bedeuten, dass die Menge an interstellarem Gas, die in das Schwarze Loch strudele, für eine längere Zeit zunehme.

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Andere Erklärmöglichkeiten sind beispielsweise große Asteroiden, die in das Schwarze Loch gezogen wurden, oder einzelne Klumpen aus interstellarem Gas, die das plötzliche Feuerwerk verursacht haben könnten. Eine weitere mögliche Ursache könnte der Stern S0-2 sein, der das zentrale Schwarze Loch auf einer Bahn umkreist, die ihn sehr nah an den Ereignishorizont führt. Er könnte bei seiner jüngsten größten Annäherung im Sommer 2018 Gas in Richtung des Schwarzen Lochs geschleudert haben, das jetzt in das Massemonster fällt.

Schwarzes Loch ist keine Gefahr für die Erde

Ähnlich könnte es sich auch mit dem Himmelsobjekt mit der Bezeichnung G2 verhalten, bei dem es sich vermutlich um einen Doppelstern handele. Es kam 2014 dem Schwarzen Loch nahe und könnte dabei seine äußere Hülle verloren haben, argumentieren die Astronomen.

Welche Ursache für den plötzlichen Ausbruch des Schwarzen Lochs verantwortlich ist, werden erst weitere Beobachtungen zeigen können. Gefahr für die Erde bestehe nicht, betonen die Wissenschaftler. Das Massemonster im Zentrum der Milchstraße sei 26.000 Lichtjahre von der Erde entfernt, und die Strahlung müsste mindestens zehn Milliarden Mal so stark sein wie beobachtet, um für das Leben auf der Erde eine Rolle zu spielen.

(dpa/ba)