Profitgier

Maischberger mit Hirschhausen: Kostet Geldgier Kinderleben?

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Geht es in Krankenhäusern nur noch ums Geld? Werden sogar Leben aufs Spiel gesetzt? Sandra Maischbergers Talk sorgte für Kontroversen.

Berlin. 215 Ärzte fordern in der aktuellen „Stern“-Ausgabe in einem dramatischen Appell: Rettet die Medizin! 16 Jahre ist es her, dass in Deutschland die „Fallpauschale“ in Krankenhäusern eingeführt wurde. Seitdem würden Patienten unsichtbare Preisschilder auf der Stirn tragen. „Ärzte klagen an: Sind Krankenhäuser gefährlich für Patienten?“ war vor diesem Hintergrund das Thema im Talk von Sandra Maischberger.

In der Debatte ging es vor allem um die Frage, ob in deutschen Krankenhäusern zu viel und häufig ohne medizinischen Nutzen operiert wird – widersprechen wollte niemand. Umstritten war hingegen, ob es hier um einige schwarze Schafe geht oder ob das Gesundheitssystem im Ganzen kranke.

„Maischberger“ zur Gefahr Krankenhaus – die Gäste am Mittwochabend:

  • Eckart von Hirschhausen, Arzt und Moderator
  • Maike Manz, ehemalige Chefärztin
  • Jana Langer, Krankenschwester
  • Karin Maag (CDU), gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion
  • Bernhard Albrecht, „Stern“-Wissenschaftsredakteur
  • Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft

„Stern“-Redakteur Bernhard Albrecht sprach von einer „toxischen Mischung“ im Gesundheitssystem. Die ursprüngliche Idee, Patienten anhand der Fallpauschale in rund 1250 Kategorien einzusortieren, um die Behandlungen effizienter zu machen, sei zwar richtig gewesen. In Kombination mit dem riesigen wirtschaftlichen Druck leide hingegen das Patientenwohl. Für viele ist die Gesundheitsversorgung eine Frage des Wohnortes und des Einkommens.

Operationen, „ohne einen wissenschaftlichen Beleg“

„Ärzte verdienen nicht an Gesunden und Toten“, stellte von Hirschhausen fest. Um Geld zu machen, werde viel zu häufig operiert. „Wir machen jeden Tag in Deutschland Operationen, ohne einen wissenschaftlichen Beleg zu haben, ob das hilft.“ Beispiel Knie-OPs: Die Zahl der Implantate ist von 129.000 im Jahr 2005 auf 192.000 im Jahr 2017 gestiegen. Alles nur, um mehr Geld zu verdienen?

Gerald Gaß widersprach dem Vorwurf der weit verbreiteten Systematik „Das ist kein flächendeckendes Thema“, sagte er. Der Gewinn erhöhe sich für Krankenhäuser nicht zwingend durch teure Operationen. Überhaupt: Jedes Jahr machen die Krankenhäuser in Deutschland Verluste.

OP Ist Krankenhausessen wirklich so schlecht wie sein Ruf?

Gynäkologin kündigte – wirtschaftlicher Druck zu hoch

Die Gynäkologin Maike Manz allerdings kündigte sogar ihren Job als Chefärztin im Krankenhaus, weil der wirtschaftliche Druck zu groß war. Besonders der Personalmangel habe dafür gesorgt, dass sie ihre Arbeit nicht mehr gewissenhaft ausführen konnte. „Ich habe die Pflicht, das Wohl der Patienten im Blick zu haben, nicht die betriebswirtschaftliche Seite“, begründete Manz.

Die Krankenschwester Jana Langer sprang ihr bei. Sie wurde vor zwei Jahren durch einen Brandbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekannt. „Jeder Aufenthalt kann momentan zur tödlichen Falle werden“, beklagte sie damals. Heute hält sie fest: „Nichts hat sich geändert.“

Die größte Aufregung – tötet Profitgier Kinder?

Von Hirschhausen berichtete von den Folgen der Fallpauschale für Kinderstationen: Sie bekommen für Frühchen mehr Geld, je früher sie geholt werden. Moderatorin Sandra Maischberger fragte entgeistert, ob also wirklich in Deutschland bewusst Leben aufs Spiel gesetzt werde.

„Wir opfern dadurch 500 Kinder pro Jahr dadurch, weil sie lukrativer sind.“, legte von Hirschhausen nach. Gerald Gaß widersprach vehement: „Dafür haben Sie kein Beleg! Das ist übrigens ein Straftatbestand, wenn Sie von Fällen wissen, müssen Sie das anzeigen!“

Probleme des Geusndheitswesen: Patienten müssen immer länger auf Termine warten

Die erstaunlichste Erkenntnis

CDU-Politikern Karin Maag verteidigte den Wettbewerb im Gesundheitsbereich. „Es ist gut und richtig, dass im Krankenhaus auch wirtschaftlich gedacht wird“, sagte Maag. Allerdings stellt auch sie fest, dass es zu viele Operationen gibt. Ihre verblüffende Lösung: „Wir brauchen weniger Krankenhäuser.“ Gerald Gaß sprang ihr bei, es brauche mehr spezialisierte Zentren und weniger „Vollversorger“. Zuletzt hatte eine Studie besagt, dass jede zweite Klinik überflüssig ist.

Der größte gemeinsame Nenner

Noch schlimmer sieht es beim Pflegepersonal aus, waren sich die Teilnehmer einig. Ein Streitpunkt war allerdings das von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eingebrachte Gesetz zu den Personaluntergrenzen von Pflegekräften.

Ob die gesetzliche Untergrenze für eine bessere Pflege sorgt, ist umstritten. Gaß sagte, dass 96 Prozent der Krankenhäuser die Grenze einhalten. „Stern“-Redakteur Albrecht warf den Krankenhäusern vor, sie würden bei den Zahlen tricksen. „Die sind kreativ“, erklärte Albrecht.

Letztlich brachte es die ehemalige Chefärztin Manz auf den Punkt: „Wir alle wünschen uns, dass sich Ärzte und Pflegekräfte wie in Krankenhausserien Zeit für ihre Patienten nehmen“, sagt Manz. Da gab es nur stilles Nicken in der Runde. Spahn plant derzeit auch eine Reform der Notfallversorgung.

Die Sendung ist in der ARD-Mediathek zu sehen.