Arte-Dokumentation

TV-Film zu Fake News: „Propaganda – Wie man Lügen verkauft“

Typisches Bild staatlich orchestrierter Propaganda: Eine Militärparade in Nordkorea soll die militärische Stärke des stalinistisch regierten Landes bezeugen.

Typisches Bild staatlich orchestrierter Propaganda: Eine Militärparade in Nordkorea soll die militärische Stärke des stalinistisch regierten Landes bezeugen.

Foto: Handout / © Getty Images

Welche Information ist echt, welche nicht? Arte erklärt in „Propaganda – Wie man Lügen verkauft“ die „Kunst“ der Meinungsmanipulation.

Berlin. Wahrheit. Lüge. Fake-News. Im postfaktischen Zeitalter verbreiteten sich populistische Meinungen und Verschwörungstheorien, vor allem aber gefälschte Bilder rasend schnell durch die Sozialen Medien . Kaum jemand kann noch unterscheiden, was echt und was manipuliert ist.

Nie zuvor gab es derart massive und gezielte Versuche, Welt­anschauungen zu beeinflussen, heißt es, egal ob im sozialen, religiösen oder politischen Bereich. Stimmt das? Wenigstens das?

Die Methoden der Manipulation

Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer Larry Weinstein, Spezialist für Künstlerdokumentationen, fühlte sich frustriert von der schieren Masse und Totalität der viralen Manipulationen, mit denen heute Menschen bombardiert werden. Und so machte er sich auf eine Reise durch die westliche Welt, das Phänomen mit Unterstützung namhafter Propagandaexperten zu untersuchen.

Er befragte Historiker, Journalisten, Psychoanalytiker, Philosophen, Archäologen, Priester, was Propaganda für sie bedeutet. Vor allem aber befragte er politische Künstler: Ai Weiwei ebenso wie Jim Fitzpatrick, Schöpfer des ikonenhaften 68er-Plakats von Che Guevara.

„Propaganda – Wie man Lügen verkauft“ – Angriff auf menschliches Denken

Sein neuester Film „Propaganda – Wie man Lügen verkauft“, den Arte Dienstagabend im Rahmen seines Themenschwerpunkts „Propaganda, die Macht der Lüge“ um 20.15 Uhr zeigt, untersucht zunächst die Methoden der Manipulation.

Demnach ist Propaganda mehr als nur planvolle Meinungsmache. Es ist ein gezielter Angriff auf das Denken der Menschen. Propaganda appelliert an unsere Gefühle. Symbolische Bilder und gut erzählte Geschichten im Freund-Feind-Schema unterminieren geschickt unsere Urteilskraft. Wir sollen glauben. Und aufhören, Dinge zu wissen.

Wie erkenne ich Fake News?

Auch Luther war Propagandist

Tatsächlich ist Propaganda auch keine Erfindung der Neuzeit. Seit Menschengedenken werden Lügen und Halbwahrheiten von den Mächtigen und ihren Herausforderern eingesetzt, um die Masse zu beeinflussen. Was anderes waren die ersten Höhlenmalereien, entstanden vor 65.000 Jahren? Schamanen verwendeten die symbolhaften Bilder für religiöse Rituale und um die Menschen, die ihnen folgten, zu beeindrucken.

Auch Martin Luther nutzte im Grunde Propagandamittel, um die Massen gegen die katholische Kirche zu mobilisieren, indem er seine Bibel mit drastischen Zeichnungen bebildern und massenhaft drucken ließ. Die Katholische Kirche wiederum antwortete mit den opulenten Gemälden und Skulpturen des Barock, die die Kirchgänger von der Allmacht und Herrlichkeit Gottes überzeugen sollten.

Kunst hat immense Verführungskraft

Gerade die Kunst verfügt über immense Verführungskraft. Indem der kanadische Filmemacher dann den Blick auf Architektur, Literatur, Musik, Film und neue Medien weitet, zeigt er eindrucksvoll, wie Faschisten, Diktatoren, Terroristen diese Mittel einsetzen.

So gleicht seine herausragende Dokumentation alsbald einem zügigen Parforceritt durch die Kulturgeschichte der Menschheit. Die Fülle an Aspekten und Beispielen, die diese Dokumentation aufbietet, ist überwältigend.

Arte-Doku zu Strategien einer Gehirnwäsche

Alles, was durch bildmächtige Mittel kommuniziert wird, wird zur Propaganda erklärt – und erinnert seinerseits an die Strategien einer geschickten Gehirnwäsche. So transparent und unideologisch, wie sich Larry Weinstein dabei gibt, so konsequent führt er auch die kritischsten Geister vor: Wir lassen uns von Propaganda nicht länger manipulieren, das tun immer nur die anderen? Von wegen!