Kernkraftwerk

Video zeigt spektakulären Einsturz von AKW-Kühlturm

AKW-Kühlturm ist Geschichte

Der Kühlturm des stillgelegten Atomkraftwerks in Mühlheim-Kärlich wurde am Freitag kontrolliert zum Einsturz gebracht.

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Seit Jahren lag die Anlage still, nun wurde der Kühlturm des AKW Mülheim-Kärlich zum Einsturz gebracht. Ein Video zeigt den Abriss.

Mülheim-Kärlich. Zuerst brechen die Stützen weg, dann fällt der Betonriese mit einem lauten Grollen spektakulär in sich zusammen: Der einst über 160 und zuletzt noch rund 80 Meter hohe Kühlturm des früheren Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich in Rheinland-Pfalz ist am Freitag wie geplant zum Einsturz gebracht worden.

Zuvor hatten zwei ferngesteuerte Bagger – einer mit einem Meißel und einer mit einer Zange – mehrere von insgesamt 72 Stützen am unteren Ende des Turms weggerissen.

In den Tagen zuvor hatten ihn Experten bereits gezielt geschwächt, indem sie Schlitze in den Beton sägten. Ein Video zeigt, wie der Turm spektakulär einstürzt.

Kühlturm vom Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich: Sprengung zu gefährlich

Mit dem Kühlturm, der früher sogar den Kölner Dom überragte, verschwindet das augenfälligste Bauwerk des im Jahr 1988 nach nur 13 Monaten Laufzeit stillgelegten 1300-Megawatt-Reaktors am Rhein nördlich von Koblenz.

Die obere Turmhälfte hatte seit Sommer 2018 ein eigens dafür konstruierter Abrissbagger mit einer Zange samt Zacken regelrecht „abgeknabbert“. Er arbeitete sich langsam auf der Mauerkrone des Turms entlang.

Im unteren Teil des Turmes konnte er nicht weiterarbeiten, da die Neigung zu groß wurde. Eine Sprengung des Turmrests war nach RWE-Angaben unter anderem wegen der Nähe zum noch stehenden Reaktorgebäude nicht infrage gekommen.

Rückbau des Atomkraftwerks kostet rund eine Milliarde Euro

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) war am Freitag nach Mülheim-Kärlich gekommen und beobachtete den Einsturz. Die Anti-Atomkraft-Initiative „Ausgestrahlt“ mahnte, der Turm sei zwar verschwunden, der Rückbau dauere aber noch lange.

Und der sei trotz der kurzen Laufzeit des Werkes teuer. „Eigentlich hätte man den Kühlturm als Mahnmal für den teuren Irrweg der Atomenergie-Nutzung stehen lassen sollen.“

RWE baut das Kraftwerk seit 2004 zurück, insgesamt wird das rund eine Milliarde Euro kosten und wohl noch ein ganzes Jahrzehnt dauern. Verantwortlich für die nach August 1987 nur kurze 13-monatige Laufzeit war eine Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts, die die Abschaltung zur Folge hatte.

Grob gesagt ging es um die Gefahr einer unterirdischen Verwerfungslinie – einer Bruchstelle im Gestein –, die nicht ausreichend berücksichtigt worden war. Offiziell hieß es in der Begründung: Eine Teilgenehmigung des Kraftwerks ist wegen eines Verfahrensfehlers nicht rechtskräftig.

Mehrere AKW werden zurzeit in Deutschland zurückgebaut

Es folgte ein langer Rechtsstreit, der im Jahr 2000 mit dem Beschluss der rot-grünen Bundesregierung zum Ausstieg aus der Kernenergie hinfällig wurde. Auch an anderen Orten in Deutschland werden AKWs zurückgebaut.

Beispiele sind Neckarwestheim bei Heilbronn, Isar I in Essenbach nahe Landshut, das AKW Unterweser nahe Bremerhaven, das im niedersächsischen Stade oder die einst ebenfalls von RWE betriebenen AKWs in Lingen im Emsland sowie im südhessischen Biblis. Bereits bis zur grünen Wiese zurückgebaut sind etwa die Kraftwerke Großwelzheim und Kahl in Unterfranken.

Auch in anderen Ländern werden Atomkraftwerke abgeschaltet und zurückgebaut. In Frankreich soll das umstrittene AKW Fessenheim ab 2020 vom Netz gehen. (mbr/dpa)