Schauspieler

„Blochin“-Star Jürgen Vogel „muss nichts mehr beweisen“

Jürgen Vogel spielt im ZDF den undurchsichtigen Berliner Kommissar Blochin.

Jürgen Vogel spielt im ZDF den undurchsichtigen Berliner Kommissar Blochin.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Jürgen Vogel ist ein Typ mit Ecken und Kanten – auch in seinen Filmrollen. Uns hat er gesagt, was ihn an diesen Figuren fasziniert.

Berlin. Er zählt zu den größten deutschen Filmstars: Jürgen Vogel, der auf anspruchsvolle Kinorollen mit Ecken und Kanten spezialisiert ist. Der 51-Jährige mit dem unverwechselbaren Gesicht ist aber auch regelmäßig im Fernsehen zu sehen. In der ambitionierten Krimiserie „Blochin – Die Lebenden und die Toten“ spielt er den undurchsichtigen Berliner Kommissar Blochin, der einen Mord aufklären muss und dabei von seiner dunklen Vergangenheit als Drogendealer eingeholt wird. Das ZDF wiederholt zunächst ab 30. Juli die komplette Serie und zeigt dann am 5. August den neuen Film „Blochin – Das letzte Kapitel“, mit dem die düstere Saga abgeschlossen wird.

Herr Vogel, in „Blochin“ spielen Sie einen ziemlich kaputten Typen. Was fasziniert Sie an solchen Figuren?

Jürgen Vogel: Dass das oft Grenzgänger sind. Mich fasziniert, dass diese Figuren oft in einem Leben befangen sind, das ich selber nicht kenne – und da werde ich gerne mitgenommen, einfach aus reiner Neugierde. Film schafft ja die Möglichkeit, eine Welt zu sehen, die du vorher nicht kanntest, und das gilt eben nicht nur für den Zuschauer, sondern auch für den Schauspieler.

Haben Sie den Eindruck, dass solche Rollen Sie verändern?

Vogel: Auf jeden Fall, es kann das Bild, das du von Menschen hattest, komplett ändern. Einfach weil man Einblicke bekommt, die man zuvor nicht hatte. Davon abgesehen muss eine Hauptfigur ja kein unbefleckter Held sein, sondern darf Macken und Fehler haben. Genau das macht sie ja oft so sympathisch, dass du mit ihr mitleidest – und das ist bei Blochin auch so, denke ich.

Solche Rollen haben Ihnen auch das Image des coolen Typen eingebracht. Ist es schwer, diesem Bild immer gerecht zu werden?

Vogel: Nö, ich spüre keinerlei Druck, irgendwas beweisen zu müssen. Ich mache schon das, was ich gerne mache und wovon ich überzeugt bin. Und zum Image des coolen Typen nur so viel: Auch ich habe Macken und bin manchmal sehr einfältig und langweilig (lacht). Oder anders ausgedrückt: Ich bin sehr normal.

Was für Macken haben Sie denn?

Vogel: Na, zum Beispiel, dass ich ein Hausmeister-Typ bin.

Das müssen Sie erklären.

Vogel: Ich bin einer der ordentlich ist, gerne putzt, ein ganz guter Hausmann, würde ich sagen. Ich bin außerdem immer pünktlich und gut vorbereitet, was man vielleicht auch nicht unbedingt erwarten würde.

Also doch kein cooler Typ?

Vogel: Das müssen andere beurteilen. Mir geht das jedenfalls nicht über die Lippen. (lacht)

Werden Sie häufig angequatscht, wenn Sie unterwegs sind?

Vogel: Ja, schon, und das freut mich auch ungemein. Besonders, weil das Leute aus allen Generationen sind. Junge Leute haben mich in „Die Welle“ oder „Emil und die Detektive“ gesehen, schon etwas ältere erinnern sich vielleicht an „Kleine Haie“, das ist schon toll. Oft kommen auch in der Fußgängerzone oder an der Bushaltestelle Leute auf mich zu, die mich noch aus ganz alten Krimis kennen oder von den Wiederholungen, die nachts irgendwann im ZDF oder so laufen. Das finde ich auch ganz schön. Wenn mir so eine alte Omi sagt, dass sie mich als Bösewicht gut fand, geht mir das Herz auf, ganz ehrlich.

Wären Sie gerne wieder jünger?

Vogel: Nö, jünger war ich ja schon. Aber im Ernst: Das würde mir echt Bauchschmerzen bereiten, das fände ich zu anstrengend. Ich kann Dinge jetzt auch ganz anders genießen als früher, das ist schon ein geiles Gefühl.

Für jemand, der die 50 bereits hinter sich hat, sind Sie in sehr guter Form. Wie machen Sie das?

Vogel: Viel Sport und gesund leben. Ich betreibe seit Jahren Jiu Jitsu, gehe aber auch viel laufen und mache mein eigenes Fitnessprogramm, völlig ohne Gewichte übrigens.

Blochin weiß nicht, wer er ist. Wissen Sie hundertprozentig, wer Jürgen Vogel ist?

Vogel: Nee, ich finde immer wieder neue Seiten an mir. Meine Neugierde und meine Energie, die mich antreiben, bringen mich auch immer wieder dazu, etwas Neues zu entdecken. Ich bekomme manchmal einen regelrechten Energieschub, und der bringt mich dann wohin, wo ich echt nicht gedacht habe, dass ich da lande. Dann denke ich: Schau mal, jetzt gucke ich mir das mal an, ist ja auch ganz interessant. Klar, dass ich mit meiner energetischen Art anderen manchmal auf die Nerven gehe (lacht).

Haben Sie viele Kumpels?

Vogel: Nö, nicht viele, aber ein paar schon. Ein kleiner, aber feiner Kreis, der über die Jahre gewachsen ist. Der Regisseur von „Blochin“, Matthias Glasner, zählt zum Beispiel dazu.

Lässt man sich von einem engen Freund bei den Dreharbeiten denn überhaupt was sagen?

Vogel: Unbedingt, zwischen uns gibt es ein großes Urvertrauen, das die Zusammenarbeit ungemein erleichtert. Wir haben es über die Jahre geschafft, eine ganz gute Streitkultur zu entwickeln. Das war auch schon anders, wir haben ja schon einige Sachen zusammen gemacht und sind beide ganz schön sture Stänkerfritzen. Aber mittlerweile läuft das gut, und wir können es hinnehmen, wenn es der andere auch mal nicht so gut findet, was man macht. Dazu kommt, dass ich großen Respekt vor dem Beruf des Regisseurs habe.