Costa Deliziosa

Kreuzfahrtschiff baut fast Unfall - Staatsanwalt ermittelt

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Die Costa Deliziosa ist in Venedig knapp einem Unfall entgangen. Der Beinahe-Crash des Kreuzfahrtschiffs könnte Konsequenzen haben.

Venedig.. Venedig kommt nicht zur Ruhe. Der Beinahe-Crash des Kreuzfahrtschiffs „Costa Deliziosa“ erzürnt erneut die Gemüter. Die Debatte um Kreuzfahrtschiffe in der Lagunenstadt erreicht damit einen neuen Höhepunkt. Für Ärger sorgt dabei auch die Entscheidung der Behörden, dem Schiff überhaupt eine Einfahrt in den Hafen zu gewähren. Am Sonntagabend war das Wetter in Venedig stürmisch. Riesige Hagelkörner flogen umher.

Kreuzfahrtgegner warfen dem Kapitän, der Reederei und dem Hafenamt Fahrlässigkeit vor. Die italienische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingeleitet. Welche Konsequenzen das haben wird, ist noch unklar. Am Dienstag sorgten geleakte Funksprüche zwischen dem Kapitän und des Hafenamtes für Aufsehen. Kreuzfahrtgegner sind empört – nicht ohne Grund.

Immer mehr Kreuzfahrtschiffe steuerten in Folge der zunehmenden Touristenzahlen die italienische Stadt in den vergangenen Jahren an – das sorgt zunehmend für Probleme: Die Stadt ist inzwischen so voll von Touristen, dass Venedig sogar Geld für Eintritt verlangt.

Im Streit um die Kreuzfahrtschiffe hatte sich bereits Unesco eingeschaltet und drohte damit, die Stadt von der Liste der bedrohten Kulturgüter zu nehmen. Auf höchster politischer Ebene passiert allerdings nichts, was auch Venedigs Bürgermeister moniert. Die Regierung um Innenminister Matteo Salvini sei dafür verantwortlich, dass es bislang noch keine Lösung für den Konflikt gebe.

Kreuzfahrtschiff mit Beinahe-Kollision in Venedig – Das Wichtigste in Kürze:

  • In der Nähe der Biennale kam es in Venedig fast zu einem Unglück mit einem Kreuzfahrtschiff
  • Die 300 Meter lange „Costa Deliziosa“ kollidierte beinahe mit einem Pier
  • Grund für den Unfall war offenbar das stürmische Wetter
  • Ein Video zeigt das dramatische Manöver des Kapitäns
  • Kreuzfahrtschiff-Gegner sind empört – wieder einmal
  • Sie fordern den Bann der Kreuzfahrtschiffe aus der Lagunenstadt
  • Derweil ist eine Funkspruch geleakt worden, durch den neue Vorwürfe laut werden
  • Der jüngste Unfall spitzt einen Streit zu
  • In der Politik schiebt man sich die Verantwortung gegenseitig zu

Das Problem wird deutlich, wenn man auf die Zahlen schaut: Allein 2018 kamen durch 600 Kreuzfahrtschiffe mehr als 1,5 Millionen Touristen in die Stadt. Venedig gehört somit zu den größten Häfen für Kreuzfahrtschiffe in Europa. Jetzt hat der jüngste Beinahe-Unfall des Kreuzfahrtschiffs „Costa Deliziosa“ für große Wut gesorgt.

Wenn man Venezianern in diesen Tagen zuhört, merkt man, dass sie sauer sind. „Verbrecher“, schreiet ein Mann am Pier, als sich das 2800 Passagiere fassende Schiff nähert. So ist es zumindest in Videos zu sehen, die derzeit durchs Netz gehen.

Viele haben kein Verständnis dafür, dass der Hafen trotz Sturms offen geblieben ist – gerade nachdem es in den vergangenen Wochen fast schon einmal zu einem großen Unglück gekommen war. Unterdessen werden neue Vorwürfe laut.

Das sieht auch Venedigs Bürgermeister Luigi Brugaro so, er schiebt die Verantwortung der italienischen Regierung zu. Sie blockiere neue Maßnahmen, sagte er. „Die Wetterbedingungen waren außerordentlich, doch die Regierung muss ihrer Pflicht nachkommen.“

Die Kreuzfahrtgegner von der Organisation „No Grandi Navi Venezia“ (etwa: Keine großen Schiffe in Venedig) erheben neue Vorwürfe gegen die Reederei und den Kapitän des Kreuzfahrtschiffes. So veröffentlichten sie den Funkwechsel zwischen ihm und dem Hafenamt. Auf die Nachfrage, ob das Kreuzfahrtschiff noch einen vierten Schlepper angesichts der schlechten Wetterbedingungen brauche, antwortete der Kommandant des Schiffs drei Mal, dass die Situation unter Kontrolle sei.

So lief der Wortwechsel im Wortlaut:

  • „Benötigen sie einen vierten Schlepper?
  • „Nein, es ist alles unter Kontrolle“.
  • „Kapitän, können sie bestätigen, dass sie keinen vierten Schlepper brauchen?
  • „Ja, das bestätige ich.“

Nachdem die MSC Opera vor einigen Wochen von nur zwei Schleppern in den Hafen gezogen wurde, hätten sich die Verantwortlichen dazu entschieden, Kreuzfahrtschiffe immer mit mindestens drei Schleppern in den Hafen von Venedig zu ziehen. „Ohne diese Vorsichtsmaßnahme wäre das gestern in einer Tragödie geendet“, schreiben die Kreuzfahrtgegner weiter auf Facebook.

Nachricht vom 8. Juli 2019: Venedig ist nur knapp einem weiteren Unfall mit einem Kreuzfahrtschiff entkommen. Das Schiff „Costa Deliziosa“ fuhr am Sonntag bei einem heftigen Unwetter gefährlich nahe an die Anlegestelle Giardini unweit des Markusplatzes. Das fast 300 Meter lange Schiff, das über 2800 Gäste an Bord nehmen kann, verfehlte nur knapp eine Jacht und weitere Boote, wie auf Videos zu sehen ist.

Wasserbusse schaukelten wild auf den Wellen im Kanal, während der Kreuzer bei extrem schlechter Sicht schräg durchs Wasser fährt und laut tutet. Ein Schlepper zieht das Schiff noch rechtzeitig vom Pier in der Nähe der Gärten der Kunst-Biennale weg.

Warum durfte das Kreuzfahrtschiff „Costa Deliziosa“ bei Sturm in den Hafen von Venedig einfahren? Gegner von Kreuzfahrtschiffen reagierten entsetzt. Sie fordern, die riesigen Kolosse endgültig aus Venedig zu verbannen. „Verbrecher“ und „sie gehören alle ins Gefängnis“, hört man Augenzeugen auf Videos rufen, als sich die „Deliziosa“ dem Pier nähert.

„Solange es keine Toten gibt, passiert nichts in Venedig“, twitterte die deutsche Schriftstellerin Petra Reski, die in Venedig lebt. Es sei sowieso schon „Wahnsinn“, die Kreuzer in die Lagune fahren zu lassen - bei schlechtem Wetter sei es jedoch „kriminell“, erklärte das Anti-Kreuzfahrtschiff Komitee No Grandi Navi.

MSC Opera krachte gegen Ausflugsboot

Erst Anfang Juni war ein Kreuzfahrtschiff der MSC Cruises in der italienischen Lagunenstadt beim Anlegen außer Kontrolle geraten und in ein Boot voller Reisegäste gekracht. Vier Menschen wurden verletzt. Die Kreuzfahrtgesellschaft machte damals ein „technisches Problem“ verantwortlich. Der Streit über die großen Kreuzer tobt seit Jahren.

Auch wenn es dieses Mal glimpflicher ausging, erneuern die Kreuzfahrtgegner ihre Forderung nach einem Bann der Schiffe aus der Lagunenstadt. Die Stadt leidet seit Jahren unter den immer stärker zunehmenden Touristenzahlen. Die „Costa Deliziosa“ fuhr am Sonntag bei einem Unwetter gefährlich nahe am Pier in Giardini vorbei, wo das Kunstfestival Biennale stattfindet.

Zwar sind sich alle politischen Akteure einig, dass die Schiffe nicht mehr im Kanal von Giudecca nahe am historischen Zentrum fahren sollen. Wo sie jedoch sonst lang fahren sollen - darüber wird gestritten.

Schwere Vorwürfe gegen Hafenamt und Reederei

Die Kreuzfahrtgegner richten schwere Vorwürfe gegen die Reederei und die Behörden, die die Durchfahrt auch bei schlechtem Wetter erlaubt hatten. „Es ist schon verrückt, den Übergang der großen Schiffe unter normalen Bedingungen zu ermöglichen“, heißt es weiter in dem hundertfach gelikten Facebook-Beitrag. Die Organisation zeigt kein Verständnis dafür, die Hafendurchfahrt bei solch stürmischem Wetter zu erlauben.

Es sei unverständlich, warum die Behörden den Hafen zu jedem Preis offengehalten hätten, „auf Kosten der Sicherheit?“ Und weiter: „Venedig kann die ständige Gefahr, die Umweltverschmutzung, die durch diese schwimmenden Monster verursacht wird, nicht mehr ertragen!

Die Kreuzfahrt-Gegner befürchten, dass es beim nächsten Unfall heftiger ausgehen wird. „Diese Monster müssen jetzt aus der Lagune raus“, fordern sie. Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli leitete eine Untersuchung ein.

Der Kapitän konnte zwar ein größeres Unglück jedoch vermeiden. Bereits vor einem Monat, als die MSC Opera in Venedig mit einem Ausflugsboot kollidierte, protestierten Kreuzfahrtgegner gegen die riesigen „Monster“, wie sie die Schiffe bezeichneten. „Jetzt reicht es“, schreiben die Protestler von Comitato Nograndinavi. Auch interessant: 18 Monate altes Kind fällt von Kreuzfahrtschiff und stirbt.

Sie richten schwere Vorwürfe gegen die Reederei und den Behörden, die die Durchfahrt auch bei schlechtem Wetter erlaubt hatten. „Es ist schon verrückt, den Übergang der großen Schiffe unter normalen Bedingungen zu ermöglichen“, heißt es weiter in dem hundertfach gelikten Facebook-Beitrag. Die Organisation zeigt kein Verständnis dafür, die Hafendurchfahrt bei solch stürmischem Wetter zu erlauben.

Es sei unverständlich, warum die Behörden den Hafen zu jedem Preis offengehalten hätten, „auf Kosten der Sicherheit?“ Und weiter: „Venedig kann die ständige Gefahr, die Umweltverschmutzung, die durch diese schwimmenden Monster verursacht wird, nicht mehr ertragen!

Die Kreuzfahrt-Gegner befürchten, dass es beim nächsten Unfall heftiger ausgehen wird. „Diese Monster müssen jetzt aus der Lagune raus“, fordern sie. Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli leitete eine Untersuchung ein.

Video zeigt gefährliches Manöver in Venedig

Ein Video der Zeitung „La Repubblica“ zeigt das gefährliche Manöver der „Costa Deliziosa“. Im Hintergrund ist zu hören, wie ein Mann aufgebracht immer wieder ruft: „Das sind alles Verbrecher!“ Im Vordergrund filmt ein Zeuge den Vorfall mit seinem Smartphone, während der Wind heftig tobt.

Eine Google-Maps-Karte zeigt, wo es etwa zu dem Beinahe-Unfall des Kreuzfahrtschiffes kam.

Erste Meldung von 7.08 Uhr:

Das fast 300 Meter lange Schiff, das über 2800 Gäste an Bord nehmen kann, verfehlte nur knapp eine Jacht und weitere Boote, wie italienische Medien berichteten. Laut dem TV-Sender Rai habe die „Costa Deliziosa“ den Hafen mithilfe von Schleppern verlassen wollen, dann aber wohl aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse Schwierigkeiten gehabt, den Kurs zu halten.

„Costa Deliziosa“: Panik bei Passagieren der Fähren

Der Kapitän habe schließlich ein Notsignal abgesetzt, während die Schlepper sich weiter abmühten, das Kreuzfahrtschiff gerade zu halten. Unter den Passagieren der kleinen Fähren sei Panik ausgebrochen – und auch die Beobachter am Ufer hätten es mit der Angst zu tun bekommen.

Kreuzfahrtschiff „Costa Deliziosa“- Gefährliches Manöver

Kreuzfahrtschiff: Kollision in Venedig löst Proteste aus

Erst Anfang Juni war ein Kreuzfahrtschiff der MSC Cruises in der italienischen Lagunenstadt beim Anlegen plötzlich außer Kontrolle geraten und in ein Boot voller Reisegäste gekracht. Vier Menschen wurden verletzt.

Die Kreuzfahrtgesellschaft machte ein „technisches Problem“ für den Unfall verantwortlich. Dass die gigantischen Schiffe durch die Lagune der Weltkulturerbestadt fahren, ist höchst umstritten. Nach dem Unfall der MSC Opera nahmen die Proteste gegen Kreuzfahrtschiffe wieder zu. Überhaupt sind die Touristenmassen ein Problem – weshalb Venedig Eintrittsgeld beschlossen hat

Auch andernorts wehren sich die Menschen zusehends: Wie Mallorca immer stärker gegen Kreuzfahrtschiffe kämpft.

Für Schlagzeilen sorgten zuletzt zudem immer wieder Stürze von Schiffen: So waren in der vergangenen Woche zwei Menschen in die Ostsee gestürzt. Eine Deutsche fiel zudem von einem Kreuzfahrtschiff und starb nach ihrer Rettung.

(dpa/cho)