Luftfahrt

Nach Debakel um Boeing 737 Max hat nun „Dreamliner“ Probleme

Boeing hat nun auch mit Problemen bei seiner 787-10 „Dreamliner“ zu kämpfen.

Boeing hat nun auch mit Problemen bei seiner 787-10 „Dreamliner“ zu kämpfen.

Foto: Mic Smith / dpa

Das Flugverbot für die Flotte der Boeing 737 Max trifft den Flugzeugbauer hart. Jetzt gibt es auch noch Probleme mit dem „Dreamliner“.

Singapur/Addis Abeba. Die schlechten Nachrichten für den US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing reißen nicht ab: Nach zwei Abstürzen innerhalb weniger Monate müssen Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max noch mehrere Wochen am Boden bleiben.

Bei Boeings Langstreckenjet 787 „Dreamliner“ sorgen nun die Triebwerke des britischen Herstellers Rolls-Royce für Probleme. Die Fluggesellschaft Singapore Airlines lässt zwei Maschinen des Typs wegen vorzeitiger Abnutzung der Triebwerksschaufeln vorerst am Boden, wie sie am Dienstag in Singapur mitteilte.

Boeing: Steuerungs-Software wird überarbeitet

Das Unternehmen hatte in Absprache mit Rolls-Royce die Maschinen der Reihe vorsichtshalber genauer untersucht. Die beiden jetzt außer Betrieb genommenen Jets in der Langversion 787-10 sollen nun komplett neue Antriebe erhalten. Rolls-Royce kündigte nach den Neuigkeiten an, den bereits laufenden Austausch der Triebwerksschaufeln an den betroffenen Turbinen vom Typ Trent 1000 bei Airlines in aller Welt zu beschleunigen.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA teilte am Montag indes mit, der US-Flugzeugbauer Boeing benötige Zeit, um die nach den Abstürzen in die Kritik geratene Steuerungs-Software MCAS weiter zu überarbeiten. Die FAA erwarte das endgültige Paket der überarbeiteten Software erst „in den kommenden Wochen“.

Die Software werde danach einer „rigorosen Sicherheitsüberprüfung“ unterzogen. Die FAA werde das Update vor dem Abschluss dieser Überprüfung nicht zur Installation freigeben.

MCAS-System spielte entscheidende Rolle bei Boeing-Absturz

Der US-Flugzeugbauer Boeing hatte das dringend erwartete Software-Update bereits am vergangenen Mittwoch vorgestellt. Der Konzern präsentierte das überarbeitete Programm und weitere zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für den Flugzeugtyp 737 Max vor mehr als 200 Piloten, Technikern und Regulierern in seinem Werk in Renton im US-Bundesstaat Washington. Das Software-Update muss aber von der FAA genehmigt werden, bevor es installiert werden kann.

Boeings MCAS-System spielte laut Unfallermittlern eine entscheidende Rolle beim Absturz einer 737 Max 8 Ende Oktober in Indonesien. Der Bordcomputer soll die Nase des Jets automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Piloten vergeblich versuchten, gegenzusteuern.

Boeing 737 Max: Hinweise auf ähnliche Absturz-Ursachen

Auch beim jüngsten Absturz einer baugleichen Maschine in Äthiopien gilt die Software als eine mögliche Ursache. Boeing-Chef Dennis Muilenburg hatte vor zwei Wochen ein baldiges Update der umstrittenen Software in Aussicht gestellt.

Laut der FAA gibt es Erkenntnisse, die auf Ähnlichkeiten bei den Abstürzen der beiden baugleichen Flugzeuge hinwiesen. Gekoppelt mit Satellitendaten zur Flugbahn nach dem Start der Ethiopian-Airlines-Maschine in Addis Abeba wiesen Untersuchungen am Wrack „einige Ähnlichkeiten“ zum Absturz in Indonesien auf. Behördenchef Daniel Elwell habe beschlossen, „dass eine Gefahr mit Bezug zur Sicherheit bei der kommerziellen Luftfahrt besteht“.

Flugschreiber der Boeing 737 Max wird in Frankreich ausgewertet

Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines sollten die beiden Flugschreiber in Frankreich ausgewertet werden. Zuvor hatte die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, die Flugschreiber sollten noch am Donnerstag bei der französischen Luftsicherheitsbehörde Bureau d’Enquêtes et d’Analyses (BEA) eintreffen.

Die BEA erklärte via Twitter, die äthiopischen Behörden hätten bei der Untersuchung um Unterstützung gebeten. Die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines bestätigte dies.

Luftfahrtbehörde rechnet mit mehrmonatigem Flugverbot für Boeing 737 Max

Nach den EU-Staaten und zahlreichen anderen Ländern erließen auch die USA ein Startverbot für Maschinen der Boeing 737 Max. Alle diese Maschinen müssten mit sofortiger Wirkung am Boden bleiben, hatte US-Präsident Donald Trump in Washington gesagt. Der US-Luftfahrtkonzern Boeing empfahl als Vorsichtsmaßnahme ein vorübergehendes Startverbot für alle 371 Flugzeuge der Baureihe 737 Max weltweit.

Die US-Luftfahrtbehörde stellte sich schon zu diesem Zeitpunkt auf eine längere Stilllegung der Maschinen des Typs Boeing 737 Max ein. Der amtierende Behördenchef Daniel Elwell rechne mit einer Wiederaufnahme der Flüge „innerhalb von ein paar Monaten“, sagte er vor Journalisten, wie unter anderem das „Wall Street Journal“ berichtete.US-Regierung überprüft nach Boeing-Absturz Flugaufsicht FAA

Die FAA war zuvor zunehmend unter Druck geraten. Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien hatten Luftfahrtbehörden in Europa, Australien und weiten Teilen Asiens Flugverbote für alle baugleichen Maschinen verhängt. Wenige Stunden vor den USA hatte dann auch Kanada ein Start-, Lande- und Überflugverbot erlassen.

Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hatte zuvor den gesamten europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max gesperrt. Das Verbot gelte als „Vorsichtsmaßnahme“ für die Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9, erklärte die EASA.

Norwegian fordert Schadenersatz wegen Boeing 737 Max

Die skandinavische Fluglinie Norwegian rechnete wegen des Flugverbots mit hohen Verlusten. Diese wolle das Unternehmen auf den Hersteller umlegen. Norwegian forderte Schadensersatz von Boeing. Die Norweger haben 18 der betroffenen MAX-Jets in ihrer Flotte und sind damit von allen europäischen Fluglinien am stärksten betroffen. Norwegian fliegt auch ab und zu deutsche Flughäfen an.

Sperrungen nach Boeing-Absturz

US-Politiker kritisierten FAA

Die Entscheidung der FAA, den Betrieb der Maschinen zunächst nicht zu verbieten, hatte bei einigen amerikanischen Politikern für Kritik gesorgt. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hatte getwittert, dass er dafür sei, die Boeings 737 Max 8 am Boden zu lassen, bis die Ergebnisse des jüngsten Unglücks vorlägen.

Dieser Forderung hatten sich sein Parteikollege Ted Cruz sowie die einflussreichen demokratischen Senatoren Elizabeth Warren, Richard Blumenthal und Dianne Feinstein angeschlossen.

Die Gewerkschaft APFA, die die über 27.000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, hatte die größte US-Fluggesellschaft zu einem Startverbot der betroffenen Maschinen aufgefordert. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU), in der unter anderem die Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, hatte ein Startverbot verlangt.

Boeing-Chef Dennis Muilenberg telefonierte US-Medien zufolge mit US-Präsident Donald Trump. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf zwei mit dem Gespräch vertraute Personen, Muilenberg habe bei Trump dafür geworben, kein Startverbot für baugleiche Maschinen in den USA zu verhängen. Auch der Sender CNN vermeldete das Telefonat, ohne allerdings über Inhalte zu berichten.

Verkehrsminister Scheuer: „Sicherheit geht vor“

In Deutschland bleibe das Verbot solange bestehen, wie die Unfälle nicht vollständig ausgewertet und Zweifel ausgeräumt seien, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer im Sender n-tv. „Sicherheit geht vor.“ Scheuer wollte „keine Vorhersagen“ machen, wie lange dieses Verbot gelte. „Alle Zweifel müssen ausgeräumt sein.“

Laut einer Mitteilung der Deutschen Flugsicherung gilt das Flugverbot für Maschinen vom Typ Boeing 737 Max 8 und Max 9 im deutschen Luftraum zunächst für drei Monate.

• Kommentar: Boeing 737 Max 8: Nach Abstürzen fliegt die Angst wieder mit

Experten der FAA sind an der Unglücksstelle

Am 10. März 2019 war eine Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines in Äthiopien abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben. Beide Flüge waren bei gutem Wetter kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen.

Bei dem Flugzeugabsturz starben auch fünf Deutsche. Ein Grieche überlebte, weil er den Flug der Ethiopian Airlines verpasste.

Meistverkauftes Verkehrsflugzeug der Welt

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Die Überarbeitung der Software erfolgte Boeings Mitteilung zufolge im Zuge des im Oktober in Indonesien abgestürzten Lion-Air-Flugs 610 und werde in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen installiert.

Das Vertrauen großer Player in Boeing bleibt offenbar bestehen. Trotz Abstürzen bleibt die Boeing 737 Max weiter eine Option für Lufthansa. Zumindest gab der Chef das an. (jb/tki/les/dpa)