Brauchtum

Karneval 2019: Alles Wichtige zur fünften Jahreszeit

Die Schere ist gewetzt.

Die Schere ist gewetzt.

Foto: dpa

Mal heißt es Karneval, mal Fasching oder Fastnacht: Wir zeigen, woher der Brauch kommt, wann gefeiert wird und geben Tipps für Kostüme.

Berlin.  Wenn im Regionalexpress plötzlich Erdbeeren mit Prosecco anstoßen, Cowboys mit Indianern tanzen und Batman tagsüber durch die Straßen schwankt, dürfte klar sein: Der Karneval ist in seiner heißen Phase.

Auch 2019 erwarten die rheinischen Hochburgen wieder Hunderttausende kostümierte Narren, die gemeinsam die fünfte Jahreszeit feiern. Doch wann ist dieses Jahr überhaupt Karneval? Und wie war das noch gleich mit „Helau“ und „Alaaf“?

Wir beantworten wichtige Fragen zum Karneval 2019:

Wann ist Karneval 2019?

Das Kostüm kann noch so ausgefallen sein – wenn man sich zur falschen Zeit in Schale schmeißt, wird man selbst in Köln schief angeschaut. Das sind die Termine, die man sich in jedem Fall merken sollte:

  • Weiberfastnacht: 28. Februar 2019
  • Rosenmontag: 4. März 2019
  • Aschermittwoch: 6. März 2019

Wo kann man an Rosenmontag Umzüge sehen?

Lange war unklar, wo Rosenmontagsumzüge stattfinden können. Denn Sturmtief "Bennet" machte den Narren zu schaffen. In den Hochburgen Köln, Düsseldorf und Mainz kommen Karnevalisten aber auf ihre Kosten. Stürmischer Rosenmontag: So sind Karnevalsumzüge betroffen.

Was ist Weiberfastnacht?

Weiberfastnacht ist der Start des Straßenkarnevals. Sie wird am Donnerstag vor Aschermittwoch gefeiert und auch als Altweiber, Altweiberfasching oder Altweiberfastnacht bezeichnet. Umzüge gibt es in der Regel nicht. Die Karnevalisten feiern kostümiert in Kneipen und auf den Straßen.

An diesem Tag ist es Brauch, dass die Frauen den Männern die Krawatten abschneiden. Außerdem stürmen die sogenannten Möhnen die Rathäuser.

Wo und wann ist Karneval entstanden?

Der Ursprung der Tradition ist nicht gänzlich geklärt. Zwar feierten schon die alten Römer ein Fest zu Ehren des Gottes Saturnus, bei dem Herren und Sklaven die Rollen tauschten, gemeinsam aßen und tranken, doch trotz der Parallelen zum heutigen Karneval bezweifelt die Forschung, dass es sich dabei um eine Vorläufer handelte.

Auch ein Einfluss germanischer oder keltischer Bräuche wird skeptisch gesehen. Bei Frühlingsfesten feierte man damals den Wechsel der Jahreszeiten, indem man sich als Geister, Kobolde oder andere Naturgestalten verkleidete.

Als wahrscheinlicher gilt ein Zusammenhang zum christlichen Glauben: 46 Tage vor Ostern beginnt die Fastenzeit, in der Gläubige bestimmte Formen der Askese und Buße praktizieren. Vor dieser eher kargen Zeit kann beim Karneval noch einmal ausgelassen das Leben genossen werden. Aschermittwoch markiert dann das Ende der Karnevalssession – und den Start der Fastenzeit.

  • 40 Tage ohne – Was die Fastenzeit heute noch bedeutet

Wieso beginnt der Karneval am 11.11. um 11.11 Uhr?

Auch diese Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Ursprünglich galt eigentlich der 6. Januar, also Heilige Drei Könige, als Beginn der Karnevalszeit.

• Das führt zu Erklärung Nummer eins für den 11.11.: Denn dem 6. Januar ging einst eine weitere Fastenzeit voraus, die am 11.11. begann.

Erklärung Nummer zwei: Der 11.11. war für die Bauern das Ende ihres Wirtschaftsjahres. Einerseits wurde die Pacht fällig, andererseits war die Ernte nun endgültig eingefahren, zum Teil schon weiterverarbeitet. Und der Wein war so weit gereift, dass man ihn trinken konnte.

Erklärung Nummer drei: Die Position der Zahl „11“ zwischen den im christlichen Glauben bedeutsamen Zahlen „10“ (Zahl der Gebote) und „12“ (Zahl der Apostel). Die „11“ steht profan in der Mitte, will sich sozusagen keiner der beiden Normen zuordnen lassen. Passend also für den närrischen Zweck.

Woher kommt der Begriff „Karneval“?

Wie sollte es auch anders sein: Sicher weiß man es nicht. Am geläufigsten ist aber die Ableitung vom Lateinischen „carne levare“, was so viel heißt wie „Fleisch wegnehmen“. Eher als Scherz ist die Übersetzung von „carne vale“ anzusehen – „Fleisch, lebe wohl!“.

Bis ins 20. Jahrhundert ging man noch davon aus, dass „Karneval“ auf den lateinischen Ausdruck „carrus navalis“ zurückgehe. Damit wurde ein Schiff auf Rädern bezeichnet – denn bereits die Römer feierten Umzüge durch die Straßen. Diese These gilt inzwischen aber als widerlegt.

Was ist der Unterschied zwischen Karneval, Fasching und Fastnacht?

Was gefeiert wird, hat vor allem mit der Region zu tun. Während der Karneval vor allem im Rheinland zelebriert wird, heißt es in Bayern, Sachsen und Österreich überwiegend Fasching. Fastnacht wiederum feiert man vor allem in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, in Baden, Württemberg und in Franken.

Was die Begriffe aber gemeinsam haben: Sie deuten alle darauf hin, dass die Fastenzeit bevorsteht. Und auch beim Feiern gibt es Parallelen.

So gibt es in jeder Region inzwischen große Umzüge – auch wenn sie im Süden Deutschlands noch keine ganz so lange Tradition haben. Der erste große Rosenmontagsumzug fand 1823 in Köln statt.

Während sich die Narren im Rheinland in Karnevalsvereinen organisieren, gibt es in Süddeutschland Narrenzünfte. Noch ein Unterschied: Beim Fasching und Karneval sieht man bunt gemischte Kostüme, bei der Fastnacht tragen viele Umzugsteilnehmer ein sogenanntes Häs, zu dem eine hölzerne Maske gehört.

Wo ruft man „Alaaf“ und wo „Helau“?

„Alaaf“ und „Helau“ sind die bekanntesten Narrenrufe – und trennen vor allem die Karnevalshochburgen Köln und Düsseldorf voneinander. „Alaaf“ soll auf den Ausdruck „all af“ zurückgehen, Kölsch für „alles ab“. In der Verbindung „Kölle Alaaf“ dann zu verstehen als „alles steht unter Köln“.

Eine andere Herleitung vermutet den Ursprung im alemannischen „a Laaf’n“, was „eine Maske“ bedeutet. Der Begriff könnte über Rheinschifffahrt seinen Weg bis Köln gefunden haben.

Gerufen wird „Alaaf“ aber längst nicht nur dort. Auch in Bonn, Leverkusen oder Aachen schmettern ihn die Jecken.

Die Narren, die weiter rheinabwärts wohnen, etwa in Düsseldorf, Duisburg oder Krefeld, setzen seit Jahrhunderten auf „Helau“. Erklärungen seiner Herkunft reichen von einem früheren Hirtenruf über eine Ableitung des christlichen „Halleluja“ bis zu einem Konflikt – na klar – mit Köln.

Mainzer Kaufleute sollen im 13. Jahrhundert gegen die Pflicht protestiert haben, in Köln drei Tage lang mit ihrem Schiff Halt zu machen, um ihre Ware zum Festpreis anzubieten. Den Ruf „Alaaf“ – hier im Sinne von „alles ab(laden)“ gebraucht – setzte ein Kaufmann der Legende nach ein „Ik will he lau fahrn!“ entgegen – „Ich will hier langfahren!“.

Weitere Narrenrufe sind etwa „Awaaf“ in Bayreuth, das französisch angehauchte „Alleh hopp“ im Saarland oder „Ahoi“ in Norddeutschland.

Welche Kostüme liegen an Karneval 2019 im Trend?

Die Kostüm-Palette hat sich in den letzten Jahren vor allem um Essbares erweitert. Gefühlt jede zweite Närrin war plötzlich eine Ananas. 2019 scheinen eher Kalorien als Vitamine im Fokus zu stehen. Cupcakes, Popcorn, Zuckerwatte – nimmt man Instagram als Gradmesser, wird es süß auf Deutschlands Straßen.

Auch Kostümhändler Deiters preist Outfits mit Donuts, Gummibärchen und Schokoriegeln als Trend-Kostüm an. Außerdem angeblich weit vorne: Clowns in schwarz-weiß-rot-Optik, Matrosen, Spielkarten und Zirkusdompteure.

Deiters: Trendkostüme Teil 1

Auch beliebte Netflix-Serien wie „Stranger Things“ oder „Haus des Geldes“ dürften sich im Karneval wiederfinden. Vor allem die Bankräuber-Outfits aus der spanischen Erfolgsserie „Haus des Geldes“ sind leicht nachzuahmen: roter Overall, Dalí-Maske, fertig. Nur die Schusswaffe sollte man sich lieber sparen.

Welche Karneval-Vokabeln muss ich kennen?

Auch das hängt natürlich von der Region ab. Im Rheinland sollte man sich unter anderem auf diese Begriffe gefasst machen:

  • Bützchen: ein Küsschen mit geschlossenen Lippen
  • Dreigestirn: besteht aus Prinz, Bauer und Jungfrau, den offiziellen Regenten des Narrenvolks
  • Hoppeditz: wird in Düsseldorf am 11.11. zum Leben erweckt und hält aus einem Senftopf heraus die Eröffnungsrede zur neuen Session, wird am Aschermittwoch eingeäschert
  • Kamelle: die Leckereien, die von den Umzugswagen herabregnen
  • Nubbel: die Kölner Antwort auf den Hoppeditz, wird am Karnevalsdienstag verbrannt, um die Jecken von ihren Sünden zu befreien
  • Strüßjer: kleine Blumensträuße, die beim Umzug geworfen werden – im Austausch für ein Bützchen
  • Zoch: gemeint ist natürlich der Rosenmontagsumzug

(cho)