Suchaktion

Emiliano Sala: Fans sollen sich über Tod belustigt haben

Trauer um Emiliano Sala: Fans gedenken dem verstorbenen Fußballer am Sonntag vor dem Spiel seines Ex-Klubs FC Nantes gegen die AS Saint-Etienne.

Trauer um Emiliano Sala: Fans gedenken dem verstorbenen Fußballer am Sonntag vor dem Spiel seines Ex-Klubs FC Nantes gegen die AS Saint-Etienne.

Foto: STEPHANE MAHE / REUTERS

Die Familie trauert um ihren Sohn, den argentinischen Fußballer Sala. Zwei Southampton-Fans erlauben sich derweil Geschmackloses.

Berlin.  Der Todesfall des Fußballprofis Emiliano Sala hat am Sonntag noch mal große Anteilnahme bei seinen Anhängern ausgelöst. Vor dem Spiel seines Ex-Klubs FC Nantes gegen die AS Saint-Etienne legten Hunderte Fans Blumen, Trikots und Bilder vor dem Stadion nieder.

Zu Ehren des jungen Argentiniers trugen die Profis beider Teams beim Aufwärmen Shirts mit dem Foto des 28-Jährigen. Außerdem gab es vor dem Anpfiff eine Schweigeminute.

Die Leiche des Fußballers war erst in dieser Woche identifiziert worden, nachdem Sala und ein weiterer Mann, der Pilot David Ibbotson, in einem Kleinflugzeug über dem Ärmelkanal abgestürzt waren.

Nach einer Untersuchung der Gerichtsmedizin im südenglischen Portland gebe es keine Zweifel mehr, teilte die englische Polizei am Donnerstagabend mit. Salas Angehörige seien informiert worden. Nach wie vor nicht gefunden werden konnte David Ibbotson.

Der Flugzeug-Absturz von Emiliano Sala – das Wichtigste in Kürze:

  • Der Fußballer Sala war am 21. Januar abgestürzt
  • In einer Sprachnachricht teilte er seinen Eltern mit, dass sein Flugzeug abstürzt
  • Tagelang suchten die Behörden nach dem Wrack, gaben dann jedoch auf
  • Die Eltern beorderten einen privaten Suchdienst
  • Dieser entdeckte das Wrack im Ärmelkanal
  • Emiliano Salas Leiche wurde geborgen und identifiziert

Fans wurden gesperrt, weil sie sich über Tod belustigt haben sollen

Derweil sind zwei Fans des englischen Vereins FC Southampton festgenommen und als Zuschauer gesperrt worden, weil sie sich über den Tod des Argentiniers belustigt hatten. Die Fans ahmten beim Spiel gegen Cardiff City, dem Verein, zu dem Sala gewechselt war, mit ausgestreckten Armen ein Flugzeug nach und wurden deshalb von der Polizei befragt.

„Southampton kann bestätigen, dass zwei Fans von der Polizei verhaftet wurden“, hieß es in der Mitteilung. Der Klub von Teammanager Ralph Hasenhüttl habe eine kompromisslose Haltung und kündigte an, die Fans zu sperren. „So ein Verhalten hat keinen Platz in unserem Spiel und wird nicht toleriert“, teilte der Verein in einem Statement mit.

Privater Sucher entdeckte das Wrack

Die offizielle Suche nach dem Fußballprofi war bereits nach vier Tagen eingestellt worden. Im Internet hatte die Familie Salas unter dem Hashtag #nodejendebuscar („Hört nicht auf zu suchen“) darum gebeten, die Suche fortzusetzen und sammelte Spenden.

Von den Spenden wurde der private Sucher David Mearns finanziert, der schließlich mithilfe von Sonargeräten das Wrack in rund 63 Metern Tiefe nördlich der Kanalinsel Guernsey am Sonntag entdeckte. Auf den Videoaufnahmen eines ferngesteuerten Roboters war bereits zu diesem Zeitpunkt eine Leiche zu sehen.

„Wir hatten erwartet, ein Trümmerfeld zu finden“, sagte der US-Amerikaner dem „Telegraph“. Tatsächlich sei das Wrack aber weitestgehend intakt. Die britische Behörde AAIB bestätigte den Fund. „Sie haben die Registrierungsnummer gesehen“, teilte Mearns mit.

Flugzeug mit Sala war am 21. Januar abgestürzt

Die Familie Salas wollte daraufhin verzweifelt, dass das Flugzeug geborgen werde. Aufgrund der miserablen Wetterbedingungen wurde der Plan, das Wrack vom Grund des Ärmelkanals zu bergen, allerdings vorerst eingestellt.

Nun ließ die Familie mitteilen, dass sie nach der schmerzhaften Ungewissheit nun endlich um ihren Sohn und Bruder trauern könne. „Zu sehen, wie jeder alles Mögliche versucht hat, um uns bei der Suche zu unterstützen, war eine wertvolle Hilfe für uns.“ Die Familie sprach von „der schmerzhaftesten Zeit unseres Lebens. Wir wollen uns bei allen für den Zuspruch und die Unterstützung bedanken.“

Sprachnachricht aus dem Flugzeug geschickt

Sala, der bisher für den französischen Erstligisten FC Nantes spielte, war für eine Klub-Rekordablöse von rund 17 Millionen Euro vom englischen Erstligisten Cardiff City verpflichtet worden. Auf der Reise zu seinem neuen Arbeitgeber stürzte der 28-Jährige am Abend des 21. Januar ab. Nach dem Absturz wurde in allen englischen Fußballstadien dem verschollenen Fußballprofi gedacht. Auch in Frankreich wurden Schweigeminuten abgehalten.

Sala hatte aus dem Flugzeug noch eine Sprachnachricht geschickt. „Ich bin hier oben im Flugzeug, das anscheinend gleich in seine Einzelteile zerfällt, und bin auf dem Weg nach Cardiff“, sagte er darin.

„Wenn ihr in eineinhalb Stunden keine Neuigkeiten von mir hört: Ich weiß gar nicht, ob die überhaupt jemanden schicken, um nach mir zu suchen, weil sie mich sowieso nicht finden werden. Dann wisst ihr schon Bescheid. Papa, ich habe solche Angst“, sagte Sala.

(dpa/ses/tki/aba)

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