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A8: Gaffer sollen Rettungskräfte nach Unfall gestört haben

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Auf der A8 bei Pforzheim ist es zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen. Im Nachgang sollen Gaffer negativ aufgefallen sein, hieß es.

Berlin/Pforzheim.  Bei einem tödlichen Auffahrunfall auf der A8 bei Pforzheim ist ein Lkw-Fahrer ums Leben gekommen. Bei dem Unfall, bei dem zwei Lkw aufeinanderprallten, starb der 59-Jährige. Dabei sollen nach Darstellung der Polizei auch Gaffer negativ aufgefallen sein – das Deutsche Rote Kreuz (DRK) dementiert das jedoch.

Nach Polizeiinformationen fuhr der 59-Jährige am Mittwochvormittag mit seinem Lkw zwischen Pforzheim-Süd und Pforzheim-Ost auf einen anderen Lkw an einem Stauende auf. Der Fahrer starb noch an der Unfallstelle.

Der Fahrer des Lkw, auf den der 59-Jährige geprallt war, konnte sich selbst aus seinem Fahrzeug befreien und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Die A8 wurde komplett gesperrt, auch ein Rettungshubschrauber kam zum Einsatz.

Gaffer fielen negativ auf

Während die Rettungskräfte mit der Bergung beschäftigt waren, wollten Gaffer die Gelegenheit nutzen, um einen Blick auf die Unfallstelle zu erhaschen. Laut der ersten Polizeimeldung hatte es geheißen, Schaulustige hätten womöglich versucht, einen Rettungswagen zu öffnen, um Verletzte zu fotografieren.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Pforzheim-Enzkreis stellte am Donnerstag jedoch klar: dies sei nicht geschehen.

Tatsächlich seien mehrere Gaffer negativ aufgefallen. An dem Rettungswagen hätten sich die Schaulustigen jedoch nicht zu schaffen gemacht. Möglicherweise sei es während des Rettungseinsatzes zu einem Missverständnis gekommen. Das DRK war nach eigenen Angaben an dem Unfalleinsatz beteiligt.

Polizei bleibt bei ihrer Darstellung

Die Polizei bleibt jedoch bei ihrer Darstellung, nach der Gaffer die Tür eines Rettungswagens geöffnet hätten „um den Verletzten aus der Nähe zu betrachten und möglicherweise auch fotografieren zu können“.

Wie ein Sprecher der Polizei in Karlsruhe am Donnerstagmorgen sagte, hatte eine Rettungsassistentin an der Unfallstelle einem Beamten von diesem Vorfall berichtet. Da die Rettungskräfte „alle Hände voll zu tun hatten“, sei es nicht gelungen, die Personen vor Ort festzustellen, hieß es.

Die Polizei will den genauen Vorgang nun aufklären. Beamte hatten gegen Gaffer Platzverweise ausgesprochen, als diese durch die Unfallstelle liefen, um Fotos und Videos zu machen.

Bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe drohen

Sollten die Schaulustigen ausfindig gemacht werden, könnten sie dennoch ernste Konsequenzen erwarten. Bis zu 1000 Euro stehen im Bußgeldkatalog auf das „Gaffen“ als Ordnungswidrigkeit. Wer Fotos oder Filme von einem Unfall macht, bei denen die Unfallopfer ihr Einverständnis nicht erklären, begeht eine Straftat.

Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe können die Folge sein. Tatsächlich wird gegen Gaffer aber meist ein geringeres Strafmaß ausgesprochen. Unterlassene Hilfeleistung kann eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr nach sich ziehen.

Gaffer sorgen für Schlagzeilen

• Immer wieder sorgen Schaulustige bei Unfällen für Schlagzeilen: Im Oktober hatten Gaffer einen sterbenden Mann gefilmt. Die Polizei ging anschließend gegen mehrere Personen vor und erstelle Anzeigen.

• Im vergangenen Jahr hatten zudem Gaffer auf der A5 für Aufsehen gesorgt. Bis zu 50 Personen waren über die Leitplanke geklettert, um den Unfall aus nächster Nähe begutachten zu können.

(tki/ac/dpa)

Hinweis der Redaktion: Auf Grundlage der ersten Polizeimeldung und gleichlautenden Berichten lokaler Medien hat es auch in diesem Artikel zunächst eindeutig geheißen, dass Gaffer die Tür des Rettungswagen geöffnet hätten. Nach der Klarstellung des DRK haben wir den Artikel dementsprechend überarbeitet.