Schauspielerin

Saskia Vester: „Als Oma bin ich die totale Fehlbesetzung“

Foto: Falke / T&T

Saskia Vester ist der Star des Wohlfühl-Fernsehens. Im Interview erklärt die Schauspielerin aber, warum sie keine Bilderbuch-Oma ist.

BERLIN.  Auf ein Genre festlegen sollen sich andere. Saskia Vester ist die große Allrounderin der deutschen Schauspielszene. Die Saarbrückerin spielte in „Solo für Klarinette“ an der Seite von Götz George, in sechs „Tatort“-Episoden und besonders häufig im Gefühlsfernsehen von Uta Danella bis Rosamunde Pilcher.

Weit mehr als 100 Rollen weist ihre Vita auf. Am Sonntag, dem 18. November, ist sie wieder in der ZDF-Herzkino-Reihe „Marie fängt Feuer“ zu sehen. Im Interview spricht die Wahl-Münchnerin und Hobby-Gärtnerin darüber, wie der Tod ihres Vaters sie aus der Bahn warf, und über ihren bevorstehenden 60. Geburtstag.

Sie sind in den beiden neuen ZDF-Filmen „Marie fängt Feuer“ und am 28. Dezember im neuen ARD-Film „Das Kindermädchen: Mission Südafrika“ zu sehen. Hatten Sie für Ihre zwei Kinder früher eigentlich eine Nanny?

Saskia Vester: Ja, wir hatten eine ganze Weile auch Au-pair-Mädchen. Anders wäre das auch gar nicht gegangen, denn ich war beruflich oft unterwegs und mein Mann hat auch gearbeitet. Und einer musste für die Kinderbetreuung ja vor Ort sein. Da meine Eltern damals selber auch noch gearbeitet haben, gab es auch keine Großeltern, auf die wir hätten zurückgreifen können.

Sie und Ihr langjähriger Ehemann, der Produzent Robbie Flörke, sind ja auch schon Großeltern geworden, richtig?

Vester: Ja, ein Mädchen namens Fenja. Sie lebt bei meinem Sohn in Kopenhagen.

Aber können Sie Ihr Enkelkind bei der Entfernung denn überhaupt sehen?

Vester: Wir sehen uns viermal im Jahr. Entweder fahren wir zu meinem Sohn nach Dänemark, oder er kommt mit seiner kleinen Familie zu uns. Und ansonsten sehen wir unser Enkelkind ja täglich via Skype, das geht schon. Wir haben natürlich keinen Alltag mit unserer kleinen Fenja, was zwar ein bisschen schade ist, aber mein Sohn und seine Familie sind glücklich, und das allein zählt für mich.

Durch Ihren Beruf sind Sie ja sowieso kaum zu Hause und wären keine Bilderbuch-Oma.

Vester: Allerdings, als Oma bin ich wirklich die totale Fehlbesetzung, was das betrifft. Ich kann meinem Sohn und seiner Familie ja auch nichts abnehmen. Aber sie wissen, dass sie geliebt werden und immer eine Stütze in uns haben, und das allein tut einer jungen Familie schon gut. Immerhin sind die beiden ja noch Studenten.

Sie sind mittlerweile 59. Denken Sie schon daran, dass der 60. Geburtstag nicht mehr weit ist?

Vester: Ich sehe das total entspannt, weil ich überhaupt kein Verhältnis zu meinem Alter habe. Ich finde es sogar total absurd, dass ich 59 bin. Das kriege ich überhaupt nicht in meinen Kopf hinein. So fühle ich mich auch nicht. Das ist einfach eine Zahl, die mir genauso wenig bedeutet wie die 60. Älterwerden ist ja keine Krankheit, sondern die natürlichste Sache der Welt. Und das ist auch gut so. Schließlich werden wir hoffentlich alle älter, das ist doch normal. Warum sollte ich mir darüber also einen Kopf machen?

Machen Ihnen mit zunehmendem Alter eigentlich auch die Gedanken an die Endlichkeit des eigenen Lebens Sorgen?

Vester: Nein, das macht mir heute überhaupt keinen Kummer mehr. Vor 15 Jahren, als mein Vater gestorben ist, hatte ich ganz stark damit zu tun, weil sein Tod ein absoluter Tiefschlag für mich war. Ich bin damals erst mal gar nicht mit dem Verlust fertiggeworden. Auch nicht mit dem Bewusstsein, dass das Sterben wirklich zum Leben gehört und wir alle sterben. Das hat mich komplett aus der Bahn geworfen. Ich habe wirklich ein Jahr lang schwer zu knabbern gehabt an der Tatsache, dass man tatsächlich stirbt. Das ist brutal und deprimierend. Aber ich bin da durchgegangen, habe es verarbeitet, und seitdem habe ich irgendwie damit meinen Frieden gemacht.

Und wie haben Sie das geschafft?

Vester: Es war natürlich sehr hilfreich, dass ich Kinder hatte und wusste, dass sie irgendwann auch wieder Kinder bekommen würden und dass das Leben weitergeht. Mit diesem Wissen kann ich tatsächlich dann irgendwann sagen: Okay, ich kann in Ruhe abdanken. Deswegen ist das für mich jetzt überhaupt kein Thema mehr.

Sie haben jetzt aber nicht das Gefühl, dass Sie jeden Tag genießen müssten, als wenn es der letzte wäre, wie es so oft propagiert wird?

Vester: Nein, um Gottes willen. Bloß nicht! Das wäre ja wie zu viel Kuchen essen. Davon wird einem auch bloß schlecht.

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