Kalifornien

Fast 80 Tote nach Waldbränden – Donald Trump reiste an

Die Such- und Rettungsteams des Santa Clara County Sheriffs setzen die Suche nach vermissten Opfern des Camp-Fire in Magalia, Kalifornien, fort.

Die Such- und Rettungsteams des Santa Clara County Sheriffs setzen die Suche nach vermissten Opfern des Camp-Fire in Magalia, Kalifornien, fort.

Foto: Joel Angel Juarez / dpa

US-Präsident Trump besuchte das Brandgebiet in Kalifornien. Er zeigte sich entsetzt – und blieb bei seiner Meinung zum Klimawandel.

Los Angeles.  Zehn Tage nach Ausbruch der schlimmsten Brände in der Geschichte Kaliforniens reißen die Hiobsbotschaften nicht ab. Durch das „Camp“-Fire in der Region um die alte Goldgräber-Siedlung Paradise im Norden des US-Bundesstaates sind nach laufend aktualisierten Behörden-Angaben bisher fast 80 Menschen gestorben.

Die Zahl der Vermissten ist auf mehr als 1000 hochgeschnellt. Fast 60 000 Hektar Land fielen den Flammen zum Opfer, die laut Feuerwehr erst zu etwa 55 Prozent eingedämmt sind.

Mehr als 12.500 Häuser in der 27.000 Einwohner zählenden Stadt sind komplett zerstört. Qualmende Mauerreste, riesige Schuttberge, verkohlte Autos - mit Drohnen-Kameras aufgenommene Bilder erinnern an ein Kriegsgebiet. Es ist das verheerendste Feuer in der Geschichte Kaliforniens.

Donald Trump: Niemand hätte an so etwas gedacht

Davon konnte sich gestern auch Präsident Donald Trump überzeugen. Bei einer Stippvisite bei Katastrophenhelfern und Betroffenen im Unglücksgebiet erneuerte der US-Präsident in Begleitung von Kongress-Abgeordneten seine aus Sicht von Fachleuten unhaltbare Auffassung, dass vor allem mangelnde Forstverwaltung für das verheerende Ausmaß der Brände verantwortlich sei.

Bei seinem Besuch zeigte Trump sich erschüttert vom Ausmaß der Verwüstungen. „Das ist sehr traurig mit anzusehen“, sagte er. Per Twitter schrieb er später: „Unglaublich, mit unseren großen Helden heute in Kalifornien zu sein.“

„Niemand hätte gedacht, dass so etwas je geschehen könnte“, sagte er vor Journalisten inmitten verkohlter Trümmer. Wie viele Menschen ums Leben gekommen seien, könne noch niemand sagen. „Jetzt wollen wir uns um die kümmern, die schwer verletzt wurden“, ergänzte der Präsident.

Als Trump am Samstag gefragt wurde, ob das Ausmaß der Zerstörung etwas an seiner Haltung zum Klimawandel geändert habe, verneinte er dies. „Nein. Ich habe dazu eine feste Meinung. Ich will ein gutes Klima und wir werden das haben und wir werden sichere Wälder haben.“ Der Präsident hatte die Existenz eines von Menschen verursachten Klimawandels in der Vergangenheit immer wieder angezweifelt.

Menschen verbrennen wegen enormer Hitze vollständig

Unter den 5000 eingesetzten Feuerwehrleuten, die rund um die Uhr im Einsatz sind, befinden sich mehrere Spezialtrupps. Sie durchkämmen in Spezialanzügen mit Suchhunden die Ruinenlandschaft auf der Suche nach den Leichen von Anwohnern, die sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten.

Weil das Feuer extrem heiß gewesen sei, werde man von vielen Opfern „wahrscheinlich keine Überreste mehr finden“, sagte Kory Honea, der Sheriff des zuständigen Landkreises Butte. Angehörige von Anwohnern stellten DNA-Material zur Verfügung, um die Identifizierung zu erleichtern.

Zehntausende in Notunterkünften

Mehr als 50.000 Menschen im Umkreis mussten evakuiert werden. Hunderte campieren in nahe gelegenen Gemeinden in ihren Autos auf den Parkplätzen großer Supermärkte. Hilfsorganisationen und private Spender bringen im Stundentakt Nahrung, Trinkwasser und Kleidung zu den Betroffenen, die mitunter nicht mehr als die Kleidung am Leib besitzen. Darunter sind viele Rentner, die in der idyllisch gelegenen Gegend ihren Lebensabend verbringen wollten.

„Mein Wohnwagen ist weg. Meine Stadt ist weg. Meine Tiere sind verbrannt. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, sagte stellvertretend für viele Sue Hudson einem lokalen Radiosender. Die 72-Jährige hofft auf „schnelle und unbürokratische Hilfe durch die Regierung“ und fordert die Politik auf, „ihre unwürdigen Hahnenkämpfe einzustellen“.

Feuer bisher nur zu einem Drittel eingedämmt

Die Brände sind auch Hunderte Kilometer entfernt zu spüren. Sie verpesten mittlerweile auch die Luft von San Francisco. Die Gesundheitsbehörden der Stadt riefen aufgrund der „sehr ungesunden Luftqualität“ die höchste Warnstufe aus.

Im kleinen Ort Paradise nördlich von Sacramento blieben nur qualmende Ruinen übrig. Hunderte von Helfern in weißen Schutzanzügen und speziell ausgebildete Spürhunde suchten in den Trümmern weiter nach möglichen sterblichen Überresten.

Nahe Malibu, wo das „Woolsey“-Feuer wütet, waren bislang zwei Leichen entdeckt worden. Beide Feuer waren bislang nur zu je etwa einem Drittel eingedämmt.

Der Chef der Katastrophenschutzbehörde FEMA, Brock Long, sagte, der Wiederaufbau und die vorübergehende Versorgung der Menschen dort seien eine enorme Herausforderung. Die Helfer müssten sich dort zunächst vorsichtig durch die Trümmer arbeiten, um nach Toten zu suchen. Danach müssten die Trümmer weggeschafft werden. Die komplette Infrastruktur der Stadt müsse wieder aufgebaut werden.

„Das wird ein sehr langer und sehr frustrierender Prozess für die Menschen in Paradise“, so Long. Der Wiederaufbau werde Jahre dauern.

Haus von Thomas Gottschalk brannte ab

Das sogenannte „Woolsey Fire“ nordwestlich von Los Angeles richtete viel Zerstörung an – unter anderem in dem Küsten-Ort Malibu, in dem viele Prominente leben. Dort wurden bislang mehrere Hundert Häuser zerstört. Nach offiziellen Angaben sind 57.000 Gebäude vom Feuer bedroht.

Auch das Anwesen von Thomas Gottschalk (68) und seiner Frau Thea in Malibu brannte ab. Seine Villa sei zerstört, sagte Gottschalk.

Einer der schlimmsten Brände in der Geschichte Kaliforniens

Die Feuerkatastrophe zählt schon jetzt zu den schlimmsten Flächenbränden in der Geschichte Kaliforniens. Das Ausmaß der Zerstörung sei kaum zu beschreiben, sagte die Bürgermeisterin von Paradise, Jody Jones dem US-Sender CNN. Auch ihr Haus sei abgebrannt, ebenso hätten alle Mitglieder des Stadtrats ihre Häuser verloren, teilte Jones mit. Ihnen stehe „harte Arbeit“ bevor, den Ort wieder aufzubauen.

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown sagte: „Es sieht aus wie ein Kriegsgebiet.“ Er zeichnete ein düsteres Bild für den dürregeplagten Westküstenstaat und beruft sich auf den gängigen Forschungsstand, der den Klimawandel mit steigenden Temperaturen für schlimmere Dürren, heftigere Waldbrände und andere Wetterextreme verantwortlich machen. „Dies ist nicht die neue Normalität, es ist die neue Abnormität“, sagte Brown.

Die Kalifornier sollten sich auf eine „lange und potenziell tödliche“ Feuersaison einstellen. Es werde schlimmer, als es sich die Bevölkerung jemals habe vorstellen können.

Hunderttausende Menschen flüchteten

Fast 150.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, viele übernachteten in ihren Autos. Schulen schlossen, Freizeitaktivitäten und Sportveranstaltungen wurden abgesagt. Stromleitungen wurden gekappt.

Die Feuerwehr in Kalifornien berichtete alleine für das Ventura County nördlich von Los Angeles von 18 Quadratkilometern verbrannter Fläche. Das entspricht rund 2574 Fußballfeldern. Eine Karte zeigt die Ausbreitung des Feuers in diesem Gebiet, in dem auch der Ort Thousand Oaks liegt, in dem es am 7. November zu einem Amoklauf mit 13 Toten kam .

Die Autobahn 101, eine der wichtigsten Verkehradern in Kalifornien, war wegen des sogenannten Woolsey Feuers schon am Freitag auf weiten Teilen in beiden Richtungen gesperrt worden.

Der Verband der Feuerwehrleute in Kalifornien (CPF) feuerte zurück. Trump habe eine „uninformierte politische Drohung gegen die unschuldigen Opfer dieser verheerenden Feuer“ ausgesprochen, sagte Verbandschef Brian Rice. Dies sei auch ein „schmählicher“ Angriff auf die Feuerwehrleute, die ihr Leben riskieren würden.

Hier können sich Reisende informieren

Urlauber in Kalifornien können sich bei mehreren Stellen über die derzeit wütenden Waldbrände informieren:

(diha/W.B./dpa)

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