Gesundheit

Babys ohne Hände: Fehlbildungen in Frankreich seit Jahren

In drei Regionen Frankreichs werden seit Jahren Kinder mit körperlichen Missbildungen geboren. Nun soll endlich der Grund gefunden werden.

In drei Regionen Frankreichs werden seit Jahren Kinder mit körperlichen Missbildungen geboren. Nun soll endlich der Grund gefunden werden.

Foto: Frédéric Cirou / imago/PhotoAlto

In Frankreich werden seit Jahren Kinder ohne Arme und Hände geboren. Einen Grund kennt niemand. Gibt es Parallelen zu Deutschland?

Paris.  Nun sorgen Fälle von Babys mit fehlgebildeten Händen auch in Deutschland für Aufregung. In Frankreich ist das seit Jahren bekannt - und ein grausames Mysterium. Im vergangenen Jahr kündigte Gesundheitsministerin Agnes Buzyn endlich Aufklärung an: In drei ländlichen Gebieten Frankreichs werden seit Jahren Babys ohne Arme und Hände geboren. Gerade wurde neue Fälle gemeldet, die Buzyn zu ihrer Ankündigung veranlassten.

„Ich will es wissen. Ich denke, ganz Frankreich will es wissen“, sagte sie dem TV-Sender BFM. „Es könnte ein Umweltfaktor sein. Vielleicht liegt es daran, was diese Frauen gegessen, getrunken oder eingeatmet haben.“

Erste Ergebnisse sollten bis Anfang des Jahres, ein vollständiger Bericht bis Juni vorliegen. Auch in Deutschland gibt es jetzt Schlagzeilen über Fälle: Betroffene Eltern haben unserer Redaktion vom Schicksal erzählt: Babys ohne Hände: „Ich liebe ihn, als ob er gesund wäre“

Die Gesundheitsbehörde und die Behörde für Hygiene, Ernährung und Umwelt sollen dabei gemeinsam die Gründe finden – seit 2000 waren rund zwei Dutzend Kinder betroffen.

Babys ohne Hände: Fehlbildungen sorgen für Wirbel

Eine separate Untersuchung wurde auch nach Berichten eingeleitet, wonach Kälber und möglicherweise auch Hühner ohne Gliedmaßen in den gleichen drei stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten geboren wurden, sagte ein Behördenvertreter.

Betroffen sind das Departement Ain im Osten des Landes sowie Gebiete in der Bretagne und in der Region Loire-Atlantique im Westen. Eine erste Untersuchung Anfang Oktober hatte ergeben, dass die Häufigkeit von Fehlbildungen der Gliedmaßen in den betroffenen Regionen nicht größer war als anderswo im Land.

Nachdem aber nun neue Fälle bekannt wurden, ist die Untersuchung auf das ganze Land ausgeweitet worden.

Bevölkerung ist in Sorge

Die Gesundheitsbehörde hatte kürzlich elf zusätzliche Fälle aus den Jahren 2000 bis 2014 in Ain ausgemacht, nachdem dort zuvor bereits sieben Fehlbildungen bei Neugeborenen zwischen 2009 und 2014 gemeldet worden waren.

Zudem sind vier Fälle in der Bretagne-Region Morbihan zwischen 2011 und 2013 und drei Fälle in der benachbarten Region Loire-Atlantique 2007 und 2008 bekannt. Die Berichte haben in der Öffentlichkeit die Furcht geschürt, dass eine Art Giftstoff in Lebensmitteln, Wasser oder Luft verantwortlich sein könnte. Auch interessant: Babys ohne Hände: „Ich liebe ihn, als ob er gesund wäre“.

Ministerin Buzyn sprach von einer komplizierten Untersuchung: „Wir müssen die Geschichte der Familien in Fällen untersuchen, die manchmal zehn Jahre oder länger zurückliegen.“ (rtr/ses)