Religion

Rosch Haschana – So feiern Juden weltweit ihr Neujahrsfest

Das Blasen des Schofar (Widderhorn) gilt als Höhepunkt des jüdischen Neujahrsfestes Rosch Haschana.

Foto: imago stock&people

Das Blasen des Schofar (Widderhorn) gilt als Höhepunkt des jüdischen Neujahrsfestes Rosch Haschana.

Für gläubige Juden ist es einer der höchsten Feiertage: Sonntagabend beginnt das Neujahrsfest. Honig spielt dabei eine wichtige Rolle.

Berlin.  Juden sprechen von einem „Tag der Erinnerung“ oder auch vom „Tag des Posaunenschalls“. Gemeint ist das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana, das Juden weltweit ab Montag begehen. Nach jüdischer Zeitrechnung beginnt mit dem Fest das Jahr 5779.

Das Fest, das an den Bund zwischen Gott und dem Volk Israel erinnern soll, wird an zwei Tagen gefeiert, auch in Israel, wo bei den übrigen Festen der zweite Tag entfällt. Dies verdeutlicht die Wichtigkeit des Neujahrsfestes für die Juden.

Es folgen zehn Tage der Einkehr

Das Neujahrsfest markiert den Beginn der „ehrfurchtsvollen Tage“, die erst mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur zehn Tage später enden. Gemeinsam bilden Rosch Haschana und Jom Kippur die wichtigsten Feiertage der jüdischen Religion. An Rosch Haschana, was wörtlich übersetzt soviel heißt wie „Haupt des Jahres“, begehen die Juden den Anfang der Schöpfung durch Gott.

Die Gläubigen sollen Bilanz ziehen über ihr moralisches und religiöses Verhalten und sich zu guten Taten im neuen Jahr verpflichten. An das Fest schließen sich zehn Tage der Einkehr und Buße an, die an Jom Kippur enden.

In der Synagoge herrscht Weiß vor

Rosch Haschana beginnt, wie alle hohen jüdischen Festtage, bereits am Vorabend. Die Menschen kommen in der festlich geschmückten Synagoge zusammen, um zu beten. Dort herrscht an diesem Tag meist die Farbe weiß vor – um die Erhabenheit des Tages zu betonen.

Als Höhepunkt des Neujahrsfestes gilt traditionell das Blasen des Schofar, eines Widderhorns, das die Gläubigen an ihre moralischen Pflichten erinnern soll.

Honig für ein süßes, neues Jahr

Während der häuslichen Feier mit der Familie wird der Segen über Wein und Brot gesprochen. Das Brot wird dabei in Honig getaucht. Auch Apfelstücke werden als Symbol der Hoffnung auf ein gutes, süßes Jahr in Honig getaucht gegessen.

Die Brote für das Neujahrsfest sind nicht – wie sonst eigentlich üblich – länglich und „geflochten“, sondern man verwendet rund gewickelte Weißbrote. Damit soll der Jahreskreislauf symbolisiert werden. In den Nächten zünden die Frauen Kerzen an, wie es an allen jüdischen Feiertagen Brauch ist.

Christliche Kirchen gratulieren zu Rosch Haschana

Die beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland gratulierten am Dienstag den Juden zum Neujahrsfest. Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, schrieb am Freitag in Bonn an den Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sowie an alle jüdischen Mitbürger: „Jahresübergänge laden dazu ein, innezuhalten, zurückzuschauen und Bilanz zu ziehen.“ Viele Entwicklungen der vergangenen Monate seien besorgniserregend. Dazu zähle auch die Zunahme antisemitischer Äußerungen und Ausschreitungen.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, bedankte sich in einem am Samstag veröffentlichten Schreiben an Josef Schuster für das gute Verhältnis zum Judentum in Deutschland, das der Gesellschaft wichtige Impulse gebe.

Zugleich äußerte sich Bedford-Strohm besorgt über die gesellschaftliche Entwicklung: „Aktuell nehmen wir mit großer Sorge die Debatten zur Zunahme von Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft wahr“, betonte er und bekräftigte die Haltung der Kirche: „Christlicher Glaube und Judenfeindschaft schließen einander aus. Antisemitismus ist Gotteslästerung.“

Außenminister Heiko Maas (SPD) wünschte allen Juden „glücklich und besinnliche Festtage“:

Steinmeier nennt jüdische Präsent in Deuthschland „ein Geschenk“

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sendete der jüdischen Gemeinde in Deutschland eine Grußbotschaft. „Die vielfältige Präsenz von jüdischer Gemeinschaft und jüdischem Leben in unserem Land ist ein Geschenk, für das ich froh und dankbar bin“, heißt es darin. Aber auch Steinmeier sei besorgt wegen der Hetze und antisemitischen Parolen „auf Straßen und Plätzen, in Klassenzimmern oder Chatrooms.

„Dem Antisemitismus – dem lauten oder leisen, offenen oder versteckten, alten oder neuen – dürfen wir in dieser bundesdeutschen Demokratie keinen Millimeter Raum geben. Nur wenn Juden in Deutschland vollkommen zu Hause sind, ist diese Bundesrepublik vollkommen bei sich“, schreibt Steinmeier.

(mit dpa)

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