Notrufgeräte

Hilfe auf Knopfdruck: Worauf man beim Hausnotruf achten muss

Eine Gutachterin vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), spricht mit einer pflegebedürftigen Frau.

Eine Gutachterin vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), spricht mit einer pflegebedürftigen Frau.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Immer mehr Menschen benötigen Notrufgeräte. Die Zahl der Anbieter wächst an. Alle wichtigen Fragen und Antworten zu Hausnotrufen.

Berlin.  2019 könnte die Million erreicht werden: Schon jetzt verlassen sich über 900.000 Haushalte in Deutschland auf den Service eines Hausnotrufdienstes. Das Herzstück ist das Notrufgerät: ein Armband oder eine Kette mit Alarmknopf.

Wird er gedrückt, sendet er ein Signal an die Basisstation, die automatisch eine telefonische Verbindung mit der jeweiligen Notrufzentrale herstellt. Die Zentrale informiert dann die Angehörigen oder den Pflegedienst – oder sorgt dafür, dass medizinische Hilfe losgeschickt wird.

Anschlusskosten und Monatsgebühren werden oft übernommen

Das Basispaket, das alle nötigen Grundleistungen enthält, kostet um die 25 Euro monatlich. Hinzu kommen einmalige Anschlusskosten und Monatsgebühren für Extras wie die Verwahrung eines Zweitschlüssels für Haus- oder Wohnungstür.

Der Markt für Hausnotrufe wächst – nicht zuletzt, weil die Krankenkassen bei Pflegefällen, insbesondere bei alleinstehenden Pflegebedürftigen, in der Regel die monatlichen Kosten übernehmen.

Damit nimmt auch die Zahl der Anbieter zu: Zu den gemeinnützigen Anbietern wie Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter, Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Malteser und Volkssolidarität sind einige private Betreiber mit bundesweitem Angebot hinzugekommen: Neben Vitakt sind das Libify, Sonotel und Zembro, die zum Teil ein leicht abgewandeltes Geschäftsmodell haben.

Zahl der Anbieter nimmt zu

Zum Angebot von Libify gehört beispielsweise auch ein Mobilteil, sodass der Notruf auch unterwegs von Pflegebedürftigen ausgelöst werden kann.

Und auch das Angebot von Zembro ist mobilfunk-basiert: Das Armband kommt ohne den Umweg über eine Basisstation aus und funkt über seine integrierte SIM-Karte direkt die Notrufzentrale an oder schickt über die dazugehörige App einen Alarm an die Smartphones der Angehörigen.

So weit das Prinzip. Aber wie sieht es im Alltag aus, wenn es im Notfall auf jede Sekunde ankommt? Sind die Anbieter wirklich dafür gerüstet? Schließlich müssen ja drei Komponenten zusammen funktionieren: das Notrufgerät, die Notrufzentrale und die Technik der Telefonanbieter. Kann man sich darauf verlassen?

„Diese Frage kann man für die Hausnotrufdienste mit Ja beantworten“, sagt Katrin Andruschow von der Stiftung Warentest, die 2018 für einen umfangreichen Vergleichstest der Notrufanbieter verantwortlich war.

Das wichtigste Ergebnis des Vergleichs, bei dem sich Tester mit unterschiedlichen Notfall-Szenarien an die Notrufzentralen wandten: „Allen unseren Probanden wäre im Notfall geholfen worden.“

Empfang in allen Räumen ist wichtig

Damit das klappt, wenn es wirklich gebraucht wird, sollten Kunden bei der Inbetriebnahme genau prüfen, ob es in manchen Räumen Probleme mit dem Empfang gibt. Dazu gehört auf jeden Fall ein Funktionstest.

Wenn sich von manchen Standorten aus keine Verbindung herstellen lässt oder der Mitarbeiter der Notrufzentrale nicht mehr zu hören ist, sollte der Anbieter bemüht sein, eine Lösung zu finden – manchmal kann ein Notrufgerät nötig sein, das sich per Mobilfunk mit der Zentrale verbindet.

Das erste Kriterium für die Entscheidung ist daher auch: Wie gut sind die Beratung im Vorfeld und die Unterstützung bei der Installation zu Hause?

Notrufzentralen testen

Das zweite Kriterium: Wie gut arbeiten die Notrufzentralen? Man sollte keine Scheu davor haben, das selbst regelmäßig zu testen, raten Verbraucherschützer. „Darauf sind die Notrufzentralen auch eingerichtet“, erklärt Katrin Andruschow: „Für einen selbst hat das auch den Vorteil, dass man dann auch den Ablauf kennt.“

In der Untersuchung von Stiftung Warentest zeigten sich zwei Probleme: Die Sprachqualität war in manchen Fällen schlecht, und nicht immer machten die Mitarbeiter klar, wie es weitergeht. Unmissverständlich über das weitere Vorgehen zu informieren, hält Andruschow für zwingend erforderlich.

Denn die Mitarbeiter in den Notrufzentralen müssen entscheiden, ob es reicht, einen Angehörigen zu verständigen oder ob ein medizinischer Notfall vorliegt.

Medizinische Daten bei der Notrufzentrale aktuell halten

Laut Anbieter sind alle Mitarbeiter für ihre Aufgabe geschult, man kann aber nicht davon ausgehen, dass alle eine pflegerische oder medizinische Ausbildung, etwa als Rettungsassistent, haben. Umso wichtiger sei es, dass die Daten, die man bei der Notrufzentrale hinterlegt, aktuell sind, gerade was Vorerkrankungen betrifft.

Dabei sind, wie Andruschow sagt, echte medizinische Notfälle die Ausnahme: „Nach unseren Recherchen betrifft das nur zwei bis vier Prozent aller Notrufe. Der Großteil sind pflegerische Notfälle. Insgesamt erfordern überhaupt nur 20 bis 30 Prozent der Anrufe, dass jemand kommt.“

Insgesamt schnitten bei der Untersuchung der Stiftung Warentest die großen Wohlfahrtsverbände wie ASB und DRK am besten ab. Dass als Gesamturteil, aber auch bei den Besten, nur ein „befriedigend“ herauskam, lag daran, dass in den Verträgen Klauseln auftauchten, die die Kunden benachteiligten.

Auf saubere Vertragsbedingungen bestehen

Generell räumten sich viele Anbieter einen deutlich zu großzügigen Haftungsausschluss ein, etwa bei Personenschäden durch einfache Fahrlässigkeit der Mitarbeiter oder Missverständnisse.

Dazu stellt Katrin Andruschow klar: „Diese Klauseln halten wir für unzulässig. Trifft den Anbieter eine noch so geringe Schuld an gesundheitlichen Schäden seiner Kunden, dann muss er haften.“ Das dritte Kriterium sind also saubere Vertragsbedingungen.

Es bleibt dem Kunden also nichts anderes übrig, als das Kleingedruckte zu lesen und nachzufragen. Zudem sollte man mindestens zwei Angebote zum Vergleich einholen.

Alle Testergebnisse kostenpflichtig abrufbar unter www.test.de