Impfungen

Anstieg der Masern-Fälle lässt EU gegen Impfgegner vorgehen

Eine Impfung wird in einer Arztpraxis vorbereitet. (Symbolbild)

Eine Impfung wird in einer Arztpraxis vorbereitet. (Symbolbild)

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

2017 gab es dreimal so viele Masern-Fälle wie im Vorjahr. Nun wollen EU-Länder entschlossener gegen Lügen von Impfgegnern vorgehen.

Brüssel.  Gesundheitspolitiker der EU-Staaten haben angesichts alarmierender Zahlen bei den Masern-Infektionen ein entschlosseneres Vorgehen gegen Falschnachrichten von Impfgegnern angekündigt.

Die EU berichtet, dass sich 2017 in den EU-Staaten 14.000 Menschen mit Masern angesteckt hätten – eine Steigerung von 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Todesfälle von Masern-Erkrankten stieg in den vergangenen zwei Jahren auf 57 an.

Bei einem Treffen der EU-Sozialminister war die Rede von einem „beispiellosen Masern-Ausbruch“. Dieser mache es nötig, Aufklärung und Informationen voranzutreiben, sagte die Gastgeberin des Treffens, Österreichs Sozialministerin Beate Hartinger-Klein.

Negativ-Trend hält auch in Deutschland an

Auch in Deutschland ist dieser Negativ-Trend zu beobachten: Während es 2016 laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts 325 Masern-Infektionen in der Bundesrepublik gab, waren es 2017 fast dreimal so viele: 929. Im ersten Halbjahr 2018 habe es bereits 287 Infektionen gegeben.

Zwar sei die Impfbereitschaft in der Bundesrepublik generell hoch, sagte die deutsche Botschafterin Susanne Szech-Koundouros bei dem EU-Treffen. „Dennoch sind Impflücken vorhanden.“

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung moniert „gefährliches Unwissen“

Schon im Sommer warnte die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Gespräch mit unserer Redaktion vor Masern seien „keine Kinderkrankheit, die man einfach mal zum Wohle des Immunsystems überstehen muss“, warnte die frühere Kinderärztin Heidrun Thaiss im Interview.

Thaiss warnte: „Kinder, die Masern hatten, können als dramatische Spätfolge an einer Gehirnentzündung erkranken, und zwar nicht behandelbar und irreversibel.“ In seltenen Fällen könnten Masern auch tödlich verlaufen. „Ich verstehe nicht, wie man einem Kind diese Impfung vorenthalten kann“, sagte sie.

Die EU-Kommission legte im April einen 20-Punkte-Plan zur Steigerung der Impfraten in Europa vor. Zentraler Ansatzpunkt ist eine bessere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten.

Damals sagte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis: „Ich bin bestürzt darüber, dass Kinder sterben, weil das Impfangebot schlecht angenommen wird, weil Impfskepsis herrscht oder weil es an Impfstoffen fehlt“, sagte Andriukaitis, der selbst ausgebildeter Arzt ist.

EU-Gesundheitskommissar nennt Masern-Tote in Europa „absolut inakzeptabel“

Als Gründe für die gestiegene Impfskepsis wurden in der Diskussion unter anderem Falschnachrichten und gezielte Desinformationskampagnen von Impfgegnern genannt, die sich im Internet unkontrolliert verbreiteten.

Die Sozialminister sprachen sich in Brüssel letztlich dafür aus, elektronische Informationssysteme zu verbessern und medizinisches Personal intensiver zu schulen.

Auch die EU-Kommission begrüßte die Empfehlungen. Es breche ihm das Herz, dass weniger Menschen Impfungen vertrauten, sagte Vytenis Andriukaitis. „Es ist absolut inakzeptabel, dass heutzutage Kinder in Europa an Masern sterben.“

(dpa/ba)

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