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Fakeshops bei Amazon: So erkennen Verbraucher die Abzocke

Weltkonzern Amazon: Shopping, Filme und Logistik

Amazon startete 1994 als Buchhandel im Internet. Inzwischen bietet der Konzern alles, was sich kaufen und verschicken lässt: Gründer Jeff Bezos beschäftigt viele hunderttausend Menschen und ist der reichste Mann der Welt.

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Auf dem Amazon-Marketplace bieten Betrüger extrem günstige Produkte an, liefern sie jedoch nicht. Worauf Verbraucher achten sollten.

Berlin. Erfahrene Online-Kunden wissen, dass sie sich vor Fakeshops in Acht nehmen müssen. Wer jedoch bei Amazon.de bestellt, wähnt sich häufig in Sicherheit – das jedoch, kann sich als teurer Irrtum erweisen. Denn auch auf dem Amazon-Marketplace tummeln sich immer wieder Betrüger. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was genau sind Fakeshops – und was haben sie mit Amazon zu tun?

Fakeshops werben im Internet mit supergünstigen Preisen, kassieren das Geld von Käufern – und liefern die Ware dann nicht. Dass Gauner es sogar schaffen, mit Fake-Angeboten auf den Amazon-Marketplace zu kommen, ist der Polizei bekannt.

Erst vor wenigen Tagen stießen Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) Niedersachsen auf einen solchen Fall – mit zirka 300.000 angepriesenen Artikeln als Lockmittel. „Diese Art der Fakeshops auf Amazon werden wiederholt festgestellt“, so LKA-Cybercrime-Experte Hans-Joachim Henschel.

Anbieter auf Amazon – Was bedeutet Marketplace?

Amazon verkauft nicht nur selbst an Kunden, sondern erlaubt es auch anderen Händlern, Waren auf der Amazon.de-Webseite anzubieten – was selbst kleinsten Shops die Chance zur Präsentation auf einer bekannten Plattform gibt. Der Internet-Riese ist aber nicht Verkäufer dieser Produkte und nicht Vertragspartner des Bestellers.

Was sagt Amazon zu den Betrügern?

Zu den Fake-Angeboten teilte eine Amazon-Sprecherin auf Anfrage mit, das Unternehmen dulde betrügerische Aktivitäten in keiner Weise. Es handele sich „weiterhin um Einzelfälle. Und wir sind ganz überwiegend schnell und erfolgreich in der Identifikation und Aufarbeitung“. Auf der Amazon-Webseite stehen Infos für Besteller, wie sie sich vor Zahlungsbetrug schützen können.

Wie gehen die Betrüger bei Amazon vor?

Ein Trick ist, eine eigene Fake-Seite auf Amazon.de zu platzieren. Oder die Kriminellen hacken den Account eines seriösen Marketplace-Shops und bieten dort Fake-Produkte an. „Das ist für die Verbraucher noch riskanter, weil sie sich von den guten Bewertungen, die der seriöse Händler zuvor erhalten hat, vielleicht beeindrucken lassen“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Erstmals beobachtet hat der Verbraucherschützer das Fake-Phänomen auf dem Marketplace schon 2013.

Wie kommen die Betrüger an das Geld?

Sie animieren Interessenten auf der manipulierten Verkaufsseite, ihn kurz nach ihrer Bestellung per Mail zu kontaktieren, und zwar an Amazon vorbei. „Anschließend fordert er sein Opfer auf, ihm das Geld zu überweisen, meist auf Konten irgendwo in Europa“, erläutert Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

Bietet Amazon Käufern keinen Schutz?

Amazon gewährt den Marketplace-Bestellern einen Käuferschutz mit sogenannter A-bis-z-Garantie. Das bedeutet, dass der Kunde sein Geld zurückbekommt, wenn er die bestellte Ware nicht innerhalb einer bestimmten Frist erhält oder es sonst Probleme gibt. „Aber dieser Käuferschutz greift nicht, wenn Besteller der Aufforderung der Betrüger folgen und an Amazon vorbei das Geld überweisen“, so Körber.

Fällt Bestellern der Trick nicht auf?

Das kommt auf deren Sorgfalt an. Ein aktuelles Beispiel der Verbraucherzentrale: Betrüger stellten Fake-Angebote für Strandkörbe auf Marketplace-Seiten. Ein Kunde bestellte – und die Bestellbestätigung, die er von den Kriminellen per Mail erhielt, glich den Original-Nachrichten von Amazon im Aufbau und den Farben fast hundertprozentig. „Der Absender warb in der Mail mit dem Amazon-Käuferschutz, gab jedoch eine spanische Bankverbindung an, nur dadurch fiel der Betrugsversuch zum Glück rechtzeitig auf“, so Körber.

Was können Kunden tun?

Die Kommunikation und Bezahlung sollten über den Portalanbieter Amazon erfolgen, rät Kriminalhauptkommissar Henschel vom LKA. „Wichtig ist, den Buchungsweg bei Amazon nicht zu verlassen und die Bestellung über die Plattform zu bezahlen, nur dann besteht Anspruch auf den Käuferschutz“, sagt auch Körber. Verbraucherschützer Tryba empfiehlt, nicht auf Vorkasse zu bezahlen. „Eine sichere Bezahlweise, möglichst auf Rechnung, ist das beste Mittel gegen Fakeshops“, so Tryba.

Und wenn die Fakes auf eigentlich seriösen Seiten stehen?

Das ist tückisch, weil hier Hacker am Werke sind und die seriösen Verkäufer dies nicht gleich bemerken. Ein mögliches Erkennungsmerkmal: Laut LKA bieten die Betrüger in der Regel zwischen 200.000 und 500.000 Produkte „aus diversen Kategorien“ auf den gehackten Shop-Seiten an – und zwar oft andere, als der seriöse Händler normalerweise vertreibt, also beispielsweise Kameras oder Fahrräder anstelle von Kleidung. „Innerhalb kürzester Zeit werden massenhaft Artikel von den Tätern angeboten“, erläutern die LKA-Internetspezialisten. Ihr Rat: Shops genau überprüfen.

Wie gehen die Hacker vor?

Sie verschaffen sich die Zugangsdaten für die Marketplace-Konten seriöser Anbieter. Ein Mittel dazu: Phishing-Mails. Nach Beobachtung der Polizei schreiben die Täter die Händler an, etwa mit der Bitte, sich zu einer Kunden-Bewertung zu äußern und hierfür dem Link in der Mail zu folgen – der aber nicht zu Amazon führt. Dort gelangten die Betrüger dann an die Zugangsdaten zum Verkäufer-Konto und stellten die Fake-Angebote auf der Webseite ein. Das Problem der geneppten Händler: Sie bekommen die Beschwerden von Kunden ab, die auf bestellte Fake-Ware warten.

Was ist zu tun, wenn ich ein Fake-Angebot entdecke?

Dann sollte dies dem Amazon-Kundendienst mitgeteilt werden, „damit schnell gehandelt wird“, so das LKA. Nach Angaben der Amazon-Sprecherin ergreife das Unternehmen umgehend Maßnahmen zum Schutz der Kunden, falls Vertragspartner gegen die Teilnahme-Bestimmungen verstoßen. „Diese beinhalten natürlich auch die etwaige Schließung von Verkaufspartner-Konten.“

Und wenn ich bereits Opfer geworden bin?

Die Polizei rät, Anzeige bei der örtlichen Polizeidienststelle zu erstatten. Außerdem sollte die eigene Bank oder der Zahlungsdienstleister informiert werden, um den Geldtransfer ins Ausland möglicherweise noch zu stoppen - mit allerdings geringen Erfolgschancen, es von dort zurückzubekommen. Dazu die LKA-Experten: „Das Geld wird an die Täter oder Mittelsmänner überwiesen und ist somit weg.“

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