Corona

Lohnersatz für Eltern: Kabinett beschließt Verlängerung

Viele Eltern sind durch die Gleichzeitigkeit von Homeoffice und Kita-Schließung besonders belastet.

Viele Eltern sind durch die Gleichzeitigkeit von Homeoffice und Kita-Schließung besonders belastet.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Eltern, die wegen geschlossener Kita nicht arbeiten, bekommen vom Staat länger Geld. Das hat das Kabinett zum Lohnersatz beschlossen.

Berlin. Die Schließung von Schulen und Kitas wegen der Corona-Krise ist für Eltern eine Belastungsprobe. Viele versuchen seitdem, zwei Jobs gleichzeitig zu schultern – ihren eigentlichen Beruf im Homeoffice und die Kinderbetreuung. Doch für viele ist das schlicht nicht machbar.

Wer derzeit kein Geld verdient, weil kleine Kinder betreut werden müssen, erhält Lohnersatz vom Staat – und der wird nun verlängert – auf bis zu 20 Wochen statt wie bisher sechs Wochen insgesamt. Die Verlängerung der Lohnersatzleistungen hat das Bundeskabinett Mittwoch auf den Weg gebracht.

Bereits Ende März war die finanzielle Entlastung für Eltern, die nun ausgeweitet wurde, wegen der Corona-Pandemie beschlossen worden. Künftig soll die Verdienstausfallentschädigung pro Elternteil für maximal zehn Wochen gezahlt werden. Alleinerziehende Eltern sollen sogar Anspruch auf bis zu 20 Wochen Entschädigung haben.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuvor der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ von den Plänen berichtet. „Das gibt die nötige Sicherheit in ungewisser Lage“, sagte der Minister. „Berufstätige Eltern tragen derzeit eine große Last. Solange Kindergärten und Schulen nicht wieder verlässlich für alle geöffnet sind, brauchen hier viele unsere besondere Unterstützung.“

Verlängerung von Lohnersatz – SPD machte Druck

Der Lohnersatz beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens, höchstens 2016 Euro im Monat. Der Arbeitgeber zahlt das Geld aus und kann es sich von den Behörden erstatten lassen. Die Entschädigung ist im Infektionsschutzgesetz geregelt.

Die SPD hatte bei dem Thema Druck gemacht. Am Montag hatte sich nach CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer auch CSU-Chef Markus Söder dafür ausgesprochen, die Entschädigungsregelung bei Verdienstausfall auszuweiten. Wie viele Eltern die Leistung insgesamt inzwischen in Anspruch genommen haben, ist bisher unklar. Das Bundessozialministerium wies am Montag darauf hin, dass dies in der Zuständigkeit der Länder liege.

Lindner: Brauchen „schleunigst kluge und mutige Stufenpläne“

Unterdessen mehren sich Rufe nach mehr Tempo bei der Öffnung von Schulen und Kitas. „Wenn vier medizinische Fachgesellschaften dazu aufrufen, Kitas und Schulen vollständig zu öffnen, muss die Politik so schnell wie möglich reagieren“, sagte FDP-Chef Christian Lindner der Deutschen Presse-Agentur. Mehrere Medizinerverbände, darunter der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, hatten sich in einer gemeinsamen Stellungnahme für eine umgehende Komplettöffnung von Kindergärten und Schulen ausgesprochen.

„Nach Ansicht der Fachverbände sind Kinder keine starken Treiber der Pandemie. Daraus müssen wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen“, sagte Lindner. Die Corona-Krise dürfe nicht länger auf dem Rücken von Kindern und Eltern ausgetragen werden. Es brauche „schleunigst kluge und mutige Stufenpläne“, wie Schulen und Kindergärten schneller zurück in den Unterricht geführt werden könnten. Die Länder entscheiden darüber in Eigenregie.

Baerbock mahnt zur Eile: „Dringend an einen Tisch setzen“

Grünen-Chefin Annalena Baerbock sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Alle Akteure auf Bundes- und Länderebene müssen sich jetzt bei einem Spitzentreffen dringend an einen Tisch setzen, um zu handeln.“ Bund und Länder müssten mit Hochdruck daran arbeiten, „dass der eingeschränkte Regelbetrieb aufgenommen wird und alle Kinder wieder in Kitas und Schulen können“.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey sagte der Zeitung: „Wenn sich wirklich bewahrheiten sollte, dass Kinder eine geringere Infektions- und Ansteckungsrate haben, können wir anders über die Rückkehr zum vollständigen Regelbetrieb diskutieren“. Noch gebe es dazu aber „keine gesicherten Erkenntnisse“, fügte sie hinzu.

Wochenlang waren in ganz Deutschland Schulen und Kitas wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Seit Ende April wurde der Schulbetrieb stufenweise wieder aufgenommen. Schüler werden abwechselnd in der Schule und zu Hause unterrichtet und in kleinere Gruppen eingeteilt, um die Abstandsregeln einzuhalten. In den Kitas wird derweil die Notbetreuung weiter ausgeweitet. Wann sie in den Regelbetrieb zurückgehen, entscheiden die Bundesländer selbst, ebenso über das weitere Vorgehen an den Schulen. In Sachsen sind Grundschulen und Kindergärten für alle seit Wochenbeginn wieder geöffnet. Coronavirus: Diese Regeln gelten jetzt in Ihrem Bundesland.

Vorschlag: Lehramtsstudenten sollen in Corona-Krise unterstützen

Die Vorsitzende des Grundschulverbandes, Maresi Lassek, sprach sich dafür aus, während der Corona-Pandemie auch auf die Hilfe von Lehramtsstudenten zurückzugreifen. „Lernen wir in den Schulen vom Gesundheitswesen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch).

„So wie Medizinstudenten in Zeiten von Corona in den Krankenhäusern aushelfen, müssen wir auch die Lehramtsstudierenden in die Schulen holen.“ Die Studenten könnten „wertvolle praktische Erfahrungen sammeln“, sagte sie. „Und in den Schulen wären mehr Menschen, die sich um die Betreuung von kleinen Lerngruppen kümmern können.“

(dpa/cho)