Corona-Krise

Die Krise und die Angst: So werden Sie stärker als zuvor

Ob nun die Angst vor Armut, Freiheitsverlust oder Krankheit, das Coronavirus löst viele ungute Gefühle aus.

Ob nun die Angst vor Armut, Freiheitsverlust oder Krankheit, das Coronavirus löst viele ungute Gefühle aus.

Foto: Noah Wedel via www.imago-images.de / imago images/Noah Wedel

Die Corona-Krise löst viele Gefühle aus. Die Gründe dafür sind individuell. Doch wer lernt, mit der Angst umzugehen, wird erfolgreich.

Berlin. Die Freundin ist aufgebracht, sie halte es schlicht nicht mehr aus. Überall diese Regeln, die Verbote, die Maßnahmen. Die Corona-Krise hat sie voll erfasst. In dieser virusbedingten Krise versuchen Bundesregierung, Länder, Experten mit neuen Regeln und Ratschlägen das Coronavirus in Schach zu halten, am Ende sogar auszumerzen. Die Regeln passen nicht jedem. Im Falle der Freundin löst die Kontaktsperre und die Reisesperre, das Gebot einige Bundesländer ohne Zweitwohnsitz nicht besuchen zu dürfen, hauptsächlich nur ein Gefühl aus: Angst.

Die Freundin fürchtet den Verlust ihrer Freiheit. Alles andere wie die wirtschaftlichen Sorgen vieler anderer oder die pure Existenzangst des Kollegen, seinen Job zu verlieren und dann seine Wohnung nicht mehr abbezahlen zu können, das kratzt sie nicht. Ihr geht es nur um die vielen neuen Auflagen, die sie beschränken. Und tatsächlich gerät sie darüber in Streits.

Sie müsse sich doch jetzt mal zusammennehmen, heißt es von ihrem Gegenüber, sie müsse das aushalten. Doch es fällt ihr sehr schwer, manchmal fühlt sie Panik. Will weglaufen, ausbrechen und in Diskussionen kann sie nicht nachgeben. „Nicht, wenn es um ihre Freiheit geht“, sagt sie.

Alles klare Anzeichen der Angst, die alles in ihr überwältigt. Ein Gefühl, mit dem sie in der Corona-Krise nicht allein ist. Viele Menschen fühlen Angst, haben Sorgen. Und wenn es nur die Angst ist, kein Toilettenpapier mehr zu bekommen.

Angst durch die Corona-Krise: Es gibt drei Arten

Amina Meineker ist Life-Coach. Die Diplom-Ökonomin hat 20 Jahre lang Erfahrung in Strategie und Finanzierung und berät heute Führungskräfte in Transformationsprozessen. Was so viel heißt wie, sie berät Menschen, die vor Herausforderungen und Veränderungen stehen. Und nicht selten dem, was vor ihnen liegt, mit Angst begegnen. In der Corona-Krise kommen ihre Klienten mit existenziellen Sorgen zu ihr. „Wir erleben gerade besonders stark drei Arten der Angst: die Angst vor Infektion, also vor dem Tod, die Angst vor Armut und vor wirtschaftlichem Ruin und die Angst davor, die Freiheit zu verlieren“, erklärt Meineker in einem Telefonat.

Menschen, die zum Beispiel keine Angst vor Tod oder Krankheit haben, haben Angst ihre Jobs zu verlieren. Und die dritte Gruppe, die weder Angst vor Krankheit noch vor wirtschaftlichem Ruin hat, erlebt die Einschränkungen der Freiheit als besonders hart.

Meineker stellt fest, dass diese drei Arten der Angst auch gerade die öffentliche Diskussion zum Umgang mit dem Coronavirus widerspiegeln. Sogar die Aussagen der handelnden Politiker lassen sich in diese drei Gruppen einteilen. Teile der FDP betonen, dass man die Bürger nicht länger in ihrer Freiheit beschränken dürfe. Die FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg sagte, sie wolle „über die Verhältnismäßigkeit von Grundrechtseingriffen“ diskutieren. Armin Laschet, NRW-Ministerpräsident, favorisiert ebenfalls Lockerungen, argumentiert aber mit den wirtschaftlichen Folgen eines längeren Lockdowns und Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, argumentiert aus gesundheitspolitischer Sicht, will, um das Virus einzudämmen, möglichst lange an den Beschränkungen festhalten.

Der Mensch hat zwei Seins-Zustände: den Überlebens- und den Kreativmodus

Um mit sich selbst in Zeiten wie Krisen besser klarzukommen, hilft es zu verstehen, dass der Mensch zwei Ebenen des Seins hat. Amina Meineker beschreibt diese zwei Zustände so: „Die meisten von uns sind sehr häufig im Überlebensmodus, in der Firma, in der Paarbeziehung, jedes Mal, wenn sie Nachrichten schauen. Und dann gibt es den Kreativmodus, wo wirklich Neues entstehen kann.“

Die Angst hat den Menschen früher überleben lassen. „Wir sind die Nachkommen von denen, die nicht immer mutig in den Wald gezogen sind und gegen den Tiger gekämpft haben, sondern die, die besonnen und mit Angst reagiert haben und sich vermehren konnten“, erklärt Meineker. Durch die Evolution sei die Angst in uns verwurzelt, es ist ein Überlebensgefühl.

So extrem reagiert der Körper bei Angst

Der Körper reagiert: Es fließt mehr Blut in die Beine, damit der Mensch bereit ist, zu laufen und zu kämpfen. Leider führt weniger Blut im Gehirn zu einer schlechteren Versorgung mit Sauerstoff und das macht uns eben nicht mehr so schlau. Deswegen ist der Mensch in diesem Zustand leichtgläubiger und hinterfragt nicht mehr so viel, ist weniger tolerant und rational, eigentlich das Gegenteil davon, was Gesellschaften in Krisenzeiten brauchen. Angst macht manipulierbar, Diktaturen funktionieren nach dem Prinzip und Populisten gewinnen so ihre Anhänger.

Dabei sei der Umgang mit der Angst, mit der bedrohten Komfortzone, etwas sehr Wichtiges. Denn durch die Globalisierung und Digitalisierung sei der Mensch heute, insbesondere Führungskräfte, häufig mit Veränderungen konfrontiert, die erst einmal Angst auslösen. „Dieser Effekt ist in der Corona-Zeit noch mal extremer geworden. Es gibt keine Komfortzonen mehr, die bleiben“, so Meineker.

In ihrer Praxis arbeitet sie mit ihren Klienten daran, die Angst zu überwinden. Alles, was entspannt, hilft dabei. Meditation, Sport, über die Ängste sprechen und erkennen, was eigentlich die Angst auslöst. Der Betroffene geht „den Schritt zurück“, erkennt sich selbst besser und kann Lösungen finden. Lernt sogar in künftigen Situationen besser damit umzugehen. „Denn je besser ich meine Emotionen regulieren kann, je mehr Macht ich darüber habe, wie ich mich fühle, denke und handle, desto besser lebe ich.“ So lasse sich Angst in ein Erfolgsprinzip umwandeln.

Die positiven Effekte der Angst entdecken und in Erfolg verwandeln

Denn Angst kann die Widerstandsfähigkeit steigern, verschafft ein höheres Verständnis von sich selbst. Je mehr man darüber nachdenke, desto höher die viel beschworene Resilienz, der Umgang mit der eigenen Angst, bringe den Unterschied. Während der Corona-Krise gibt Amina Meineker täglich unter dem Motto „Herzenskraft statt Angst“ kostenlose Live-Meditationen, mehr Informationen gibt es dazu auf ihrer Webseite www.lifepassion.com.

Nicola Sieverling, Autorin des aktuellen Buches „Plan B“ hat sich zwei Mal beruflich neu erfunden. Sie arbeitete als Redakteurin bei einer Tageszeitung in Hamburg, ihre Unzufriedenheit im Job wurde immer größer.

Schicksalsschlag: Warum es manche Menschen härter trifft

Sie machte sich nach einer Auszeit von knapp einem Jahr als PR-Beraterin selbstständig. Ihr Unternehmen lief erfolgreich, sie hatte zwei Angestellte. Doch nach ein paar Jahren wurde sie schwer krank, sie nahm es als Zeichen, ihr Leben verändern zu müssen und den Stress radikal abzubauen. Nicola Sieverling zog zur Entschleunigung von der Großstadt aufs Land und erhielt einen Buchauftrag.

Sie hat für ihr Buch mit vielen Experten gesprochen und immer ging es um die Frage, wie ein beruflicher Neustart gelingt. Am Beispiel von Jobwechslern, Start-up-Gründern, Aussteigern und ihrer eigenen Erfahrung beschreibt sie die unterschiedlichen Strategien, die Bedeutung von Werten und Glaubenssätzen – und die Geldfalle als Blockade. Immer geht es auch um die Ängste, die Träume ersticken können.

Mit diesen Tricks tauscht man die Angst gegen positive Ziele ein

„Angst bremst aus und macht uns klein. Dann stehen wir als Maus vor dem Tor und wundern uns, dass es sich nicht öffnet. Ich empfehle dann Mut und Vertrauen als Gegenspieler der Angst“, sagt Nicola Sieverling. Wenn man die Angst fühlt, körperlich oft im Bauch, und die positiven Gedanken stecken bleiben, man nicht weiter kommt, dann fange sie an, mit der Angst zu sprechen. Das ist ihre Methode. „Danke, dass du da bist, aber ich brauche dich gerade nicht.“ Die Autorin definiert ihre Angst als Teil ihres Körpersystems und stellt sie bildlich in die Ecke. Auch sie hat bemerkt, dass viele Menschen in der Corona-Krise in der Angstschleife stecken. Dabei sei es jetzt so wichtig, gerade jetzt die Kraft der positiven Gedanken zu nutzen.

Ihr Mittel mit der Angst umzugehen, seien große Visionen, mit denen die Grenzen im Kopf gesprengt werden können. Das funktioniert mit dem Prinzip „So tun als ob“.

Groß denken und groß träumen wirkt als Katalysator für unser Handeln. Eine befreiende Technik gerade für Menschen, die nicht wissen, wie ihre Zukunft beruflich aussehen könnte und die von Zweifel, Unsicherheiten und Ängsten geplagt sind. Visionen wirken dann wie Affirmationen, eine Art Verstärker, um mit diesen Bildern im Kopf und den daraus entstehenden positiven Gefühlen eine neue Realität zu schaffen.

Ihr Trick: „Jeden Tag stelle ich mir bei geschlossenen Augen maximal eine Minute lang vor, wie mein Wunschzustand im Job aussieht. Ich kreiere in meinem Kopf alle Details, Farben, Menschen, Gerüche, Geräusche. Ich schwelge in positiven Gedanken. Das bewirkt, dass diese Vision immer mehr ein Stück Wirklichkeit wird, die mich über jedes Angsttal hebt.“ Nur so festige sich der Glaube daran, sein Ziel auch zu erreichen. „Man sollte sich selbst sagen: Ich glaube fest an mich. Ich verdiene nur Gutes und alles, was sein soll, kommt zu mir. Es passiert so, wie ich es Kraft meiner positiven Gedanken möchte.“ Nur so kommen Menschen ins Handeln, überwinden ihre Ängste und öffnen sich für neue Türen.

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