Corona

Wie der Familienalltag in Zeiten der Krise funktioniert

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag

Panik, Mundschutz-Bunkern, Desinfektions-Bäder und Klopapier-Horten sind nicht die Alltagsretter im Kampf gegen Coronaviren. Diese 6 Maßnahmen sind viel effizienter.

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Nachdem Schulen und Kitas geschlossen wurden, müssen Kinder zu Hause beschäftigt werden. Mit diesen Tipps gelingt der neue Alltag.

Berlin. Alle sind aufgerufen, sich zu Hause zu isolieren – sofern möglich. Zudem haben Schulen und Kitas geschlossen. Bei den wenigsten greift die Notbetreuung. Die meisten Kinder müssen somit zu Hause beschäftigt werden. Keine einfache Zeit für Eltern und Kinder.

Wichtig sei in den nächsten Wochen des Ausnahmezustands die Grundhaltung der Eltern, betont Tassilo Peters. Der Sozialpädagoge und Trainer für Gewaltfreie Kommunikation (GfK) erklärt: „Wenn Eltern daraus eine Katastrophe machen wollen, werden sie Wege dafür finden. Und sie werden die Verantwortung auf Lehrer und Politiker schieben.“

Diese Sicht sei jedoch wenig hilfreich, so Peters. „Der Einzige, der jetzt dafür verantwortlich ist, dass man diese Situation als Familie gemeinsam meistert, das ist man selber.“ Für alle Eltern, die diese Eigenverantwortung anerkennen, gebe es Strategien, die Mehrfachbelastungen und auch die Konflikte zu meistern. Lesen Sie hier: Wie erkläre ich meinem Kind die Corona-Krise.

Eltern sollten dem Alltag unbedingt eine Struktur geben. Da sind sich die Experten einig. „Gleichzeitig sollte man aber bei größeren Kindern auf keinen Fall versuchen, den Schultag zu simulieren“, sagt Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die selbst jahrelang als Lehrerin und in der Lehrerfortbildung gearbeitet hat. „Das ist einfach eine völlig andere Situation.“ Das gelte insbesondere für Jugendliche.

Zu Hause wegen Corona: Feste Zeiten für Schulaufgaben und Lernen

„Eigentlich kommt die Schule deren Biorhythmus nicht entgegen. Da ist es besser, man lässt sie erst mal länger schlafen als sonst“, sagt Hoffmann. Sie rät dennoch zu festen Zeiten für Schulaufgaben und Lernen. Das bereitgestellte Material sollten die Kinder aus ihrer Sicht aber selbstständig bearbeiten. „Gemeinsames Hausaufgabenmachen, birgt nur unnötiges Konfliktpotenzial“, meint die GEW-Vertreterin. Hintergrund: Ein Psychologe gibt Tipps, wie sie mit Ängsten und Extremsituationen umgehen.

Um Kinder zusätzlich zu fördern und zu beschäftigen, seien Lernspiele eine tolle Sache, die Kinder selber oder mit etwas Hilfe basteln können. Das können selbst gemachte Memorys sein mit Rechenaufgaben oder Vokabeln. Bei Grundschulkindern ließen sich diese mit Bildern aus Werbeprospekten bekleben.

Kinderbetreuung zu Hause: Brettspiele und Bücher übersetzen

Ältere Kinder könnten sich Projekte überlegen, die sie interessieren, dazu im Internet recherchieren, Experimente machen und am Ende einen Aufsatz dazu schreiben. Auch Lieblingsbücher zu übersetzen oder selbst Geschichten zu schreiben, fänden viele Kinder laut Hoffmann toll. „Selbst bei Brettspielen lernt man: Regeln einhalten, sich konzentrieren, Rücksicht nehmen, zählen, später strategisch zu denken“, so die Expertin. „Wichtig ist es, das Lernen mit Spaß zu verbinden, weil Kinder so viel motivierter und aufnahmefähiger sind.“ Hilfreich sei für Kinder auch ein Lerntagebuch Corona-Isolation: So wird das Wohnzimmer zum Fitnessstudio

Kontakte via Telefon und Skype aufrecht erhalten

Björn Köhler, Hoffmanns GEW-Vorstandskollege, rät Eltern von Kindergartenkindern unter anderem, die Spielsachen interessant zu halten. „Dafür kann man einfach einen Teil der Spielsachen wegpacken und dann sukzessive austauschen, so hat das Kind Abwechslung“, so der Sozialarbeiter. Wenn die Kinder ihre Freunde aus dem Kindergarten oder der Schule vermissen, rät Köhler in der aktuellen Situation neue Wege zu gehen.

„Hier kann man auch mal vereinbaren, dass es ein Skype-Telefonat oder einen WhatsApp-Call gibt.“ GfK-Trainer Peters ergänzt, dass auf diesem Wege nicht nur mit Freunden, sondern auch beispielsweise mit den Großeltern ein toller Austausch möglich sei. „Man kann auch via Telefon vorlesen, gemeinsam Geschichten erfinden und diese per Sprachnachricht aufnehmen“, so Peters.

Die Nöte von Eltern in Corona-Zeiten

Tipps für Eltern: Prioritäten setzen und ab und zu abschalten

Auch ein Parkour durch die Wohnung sei eine tolle Sache, oder eine Tobeecke. „So bekommen Kinder die für sie wichtige Bewegung und Eltern könne einige Zeit eigene Dinge erledigen“, erklärt Peters und mahnt: „Lasst die Kinder dabei aber bitte laut sein und nutzt einfach Ohrstöpsel.“ So könne man sich selbst konzentrieren und sei wegen der Lautstärke weniger gestresst. Gleichzeitig seien die Kinder entspannter, da sie sich nicht regulieren müssten.

Eltern müssten sich von dem Gedanken frei machen, dass die Kinder immer bespaßt werden müssen, so der Familiencoach. „Ich finde es total wichtig, dass Kinder Zeit haben, um Langeweile zu erleben, weil aus Langeweile wieder Kreativität entstehen kann“, so Peters. „Aber es ist wichtig, dass die Kinder merken, dass sie gesehen werden und wir für sie da sind.“ Indem sie in den Familienalltag eingebunden werden und Dinge wie Essen kochen oder Aufräumen mit Freude und gemeinsam erledigt würden, sei das ganz einfach möglich.

Corona Krisenalltag gemeinsam meistern

Um Konflikte zu minimieren, betont er zudem, wie wichtig es sei, dass jedes Familienmitglied auf seine Kosten kommt. „Es hilft, jeden Tag Revue passieren zu lassen und zu schauen, welche Bedürfnisse haben alle Beteiligten – die Kinder und die Erwachsenen“, so Peters. „Es gilt jetzt Prioritäten zu setzen. Wir selbst müssen Klarheit darüber haben, zu welchem Preis wir bereit sind zu arbeiten.“ Sei man bereit, zu einem Preis zu arbeiten, wo man aus Überlastung heraus die eigenen Kinder anschreie, möglicherweise sogar handgreiflich werde? Für ihn sei das für niemanden zumutbar.

Zeitgleich sei aber auch klar, dass es zu Familienkonflikten komme. „Alle Eltern müssen sich auf das Scheitern vorbereiten. Und zwar, indem sie anerkennen, dass sie mal nicht so liebevoll mit dem Kind umgehen werden, wie sie es gerne würden“, erklärt der GfK-Experte. „Und dafür sind ausschließlich sie selbst verantwortlich, niemals das Kind.“ Nach einem Konflikt gemeinsam zu tanzen, zu lachen oder zu singen, helfe außerdem, mit neuer Energie den Krisenalltag gemeinsam zu meistern.