Lungenkrankheit

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Coronavirus

40.000 Corona-Tote: "Gräber" am Copacabana-Strand in Rio

Mit der symbolischen Aushebung von hundert "Gräbern" am Strand von Copacabana protestieren Aktivisten gegen den Umgang der brasilianischen Regierung mit der Corona-Pandemie. Am Strandabschnitt direkt vor dem berühmten Hotel "Copacabana Palace" schaufelten sie Reihen von rechteckigen Löchern. Darauf steckten sie schwarze Kreuze mit kleinen brasilianischen Fahnen.

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Das Coronavirus hat sich auf die ganze Welt ausgebreitet und schon Hunderttausende getötet. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Berlin. 

  • Die Coronavirus-Pandemie begann Ende 2019 in China und hat sich schnell über die ganze Welt verbreitet
  • Weltweit haben sich in knapp sechs Monaten mehr als 7,5 Millionen Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert, mehr als 420.000 starben an der von dem Virus verursachten Atemwegserkrankung Covid-19
  • Während die ehemaligen Krisenherde wie Italien oder Spanien die Pandemie mittlerweile im Griff haben bilden sich auf anderen Kontinenten neue Hotspots mit schnell steigenden Infektionszahlen
  • Inzwischen ist Lateinamerika das Epizentrum der Pandemie – besonders betroffen sind Brasilien, Peru, und Chile
  • Die Grenzen in der Europäischen Union werden wieder geöffnet, doch die die Schäden im Reiseverkehr sind groß. Wieviel Jobs sind in Gefahr?
  • Die Bundesregierung hat ein milliardenschweres Konjunkturprogramm aufgelegt
  • Wie kann man sich vor der Ansteckung schützen?
  • Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Virus

Die Coronavirus-Pandemie hat die meisten Länder der Welt fest im Griff. Nach China, Europa und Nordamerika sind nun besonders Länder in Lateinamerika von der Erkrankungswelle betroffen. Zuletzt meldeten Brasilien, Peru und Chile neue Höchststände bei den Todes- und Infektionszahlen.

So liegt Brasilien bei den Infektionszahlen weltweit inzwischen auf dem dritten Rang hinter den USA und Russland, Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Nach Brasilien ist Peru das Land mit der zweithöchsten Zahl an Corona-Infektionen in Lateinamerika. Auch in Chile stiegen die Zahlen sprunghaft an.

Nicht besser sieht es in Indien aus. Mehrfach stiegen die Infektionszahlen im zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt pro Tag um 10.000 neue Fälle an. Weil aber der Lockdown für millionenfache Arbeitslosigkeit sorgte, werden die Beschränkungen weiter gelockert.

In Deutschland nimmt die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen seit einigen Wochen ab. Mediziner warnen jedoch davor, das Virus zu unterschätzen: Insbesondere bei Patienten mit Vorerkrankungen kann die Infektion mit SARS-CoV-2 tödlich verlaufen.

Lesen sie dazu: Neue RKI-Fallzahlen und die aktuelle Reproduktionszahl

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

Was ist das Coronavirus und wie gefährlich ist es?

SARS-CoV-2 ist die offizielle Bezeichnung für das neue Virus, das eine schwere Lungenerkrankung ( genannt Covid-19 ) auslösen kann. Der zunächst 2019-nCoV genannte Erreger wurde erstmals in China beobachtet und gehört zu den Coronaviren. Diese Viren zählen zu einer Gruppe von Erregern, die Atemwegserkrankungen auslösen – von Erkältungen bis hin zu SARS, das in etwa einem Zehntel der Fälle tödlich verlief.

Zu den Symptomen des neuartigen Coronavirus gehören laut WHO Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Inzwischen wurden auch Symptome wie Störung des Geruchs- oder Geschmackssinnes, Halsschmerzen, Durchfall, allgemeine Schwäche, Schmerzen und laufende Nase beobachtet. Die Inkubationszeit beträgt laut RKI im Mittel fünf bis sechs Tage bei einer Spanne von ein bis 14 Tage.

Eine Studien lässt vermuten, dass die Anzahl bestimmter virentötender Zellen im Körper entscheidet, ob der Krankheitsverlauf milde oder schwer ausfällt. Die Studie über die sogenannten Killer-T-Zellen wurde an 40 Personen im chinesischen Wuhan durchgeführt. Die Ergebnisse seien aber auch an Patienten in Deutschland bestätigt worden, sagte Ulf Dittmer, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Essen und Vizepräsident der Gesellschaft für Virologie.

SARS-CoV-2 ist eng verwandt mit dem SARS-Erreger, der 2002 ebenfalls in China zum ersten Mal auftrat. Damals erkrankten weltweit rund 8000 Menschen an dem Coronavirus, etwa jeder zehnte Patient starb. Die WHO sprach auch damals schon von einer Pandemie.

Wer ist besonders gefährdet, sich mit dem Coronavirus anzustecken?

Experten haben die Daten von mehr als 44.000 chinesischen Coronavirus-Patienten untersucht – von ihnen waren mehr als tausend Menschen gestorben. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Risikogruppen besonders gefährdet sind, sich mit dem Coronavirus zu infizieren. Das gilt insbesondere für Männer ab 50.

Das Geschlecht scheint insbesondere für das Sterberisiko eine Rolle zu spielen. Es wurden zwar etwa gleich viel Männer und Frauen mit dem Virus infiziert, aber bei den Männern lag die Sterblichkeitsrate bei 2,8 Prozent; bei den Frauen nur bei 1,7 Prozent. Je älter ein Infizierter, desto höher sein Risiko an der Erkrankung zu sterben: Menschen ab 80 Jahren sind laut den chinesischen Experten dem Sterberisiko unmittelbar ausgesetzt.

Neben Alter und Geschlecht zeigen die Ergebnisse, dass auch Vorerkrankungen einen Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung und auf das Sterberisiko haben. Französische Forscher wollen beispielsweise herausgefunden haben, dass Diabetespatienten ein bis 14-fach erhöhtes Sterberisiko haben können.

Eine Untersuchung von 9000 Krebspatienten in den USA, Kanada und Spanien ergab, dass 13 Prozent von ihnen innerhalb der ersten 30 Tage nach einer Infektion mit dem Coronavirus verstarben.

Übergewichtige Menschen stehen laut verschiedenen Medizinern ebenfalls unter Verdacht, bei einer Infektion mit dem Coronavirus besonders gefährdet zu sein.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

Das neue Coronavirus wird von Mensch zu Mensch übertragen. Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion – also das Einatmen von Erregern, die ein Erkrankter beispielsweise beim Husten verteilt. Es gibt starke Hinweise, dass SARS-CoV-2 sogar beim Sprechen und Atmen übertragen werden kann.

Wie man sich vor dem Coronavirus schützt, erklärt das RKI: Zu den empfohlenen Maßnahmen gehört das regelmäßige Händewaschen und auch Desinfizieren sowie die Einhaltung des Mindestabstand von 1,50 Metern. Die Menschen sollen Umarmungen und Händeschütteln vermeiden und Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugsknöpfe nach Möglichkeit nicht anfassen.

Atemmasken gegen das Coronavirus sind laut Epidemiologen vor allem dann sinnvoll, wenn man andere vor Ansteckung schützen will. Dafür ist es wichtig, dass die Masken sowohl über dem Mund als auch der Nase liegen, gewechselt werden, wenn sie feucht sind, und die Träger nicht unbewusst die Maske berühren und so Viren weitertragen.

Wer im Handel keine kaufen will, kann selbst aktiv werden: Nähanleitung für einfache Atemschutzmasken. Beweise, dass eine Maske den Träger vor Ansteckung schützt, gibt es dagegen nicht. Die WHO warnt sogar vor einem „falschen Sicherheitsgefühl“, das die Masken erzeugen könnten. Eine Alternative zur Maske, die immer beliebter wird, ist das Schutzvisier.

Der nachweisbare Schutzeffekt für andere Menschen hat dazu geführt, dass sämtliche Bundesländer eine Maskenpflicht im Nahverkehr und Handel eingeführt haben.

An wen soll man sich wenden bei Coronavirus-Verdacht?

Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich – egal, ob Symptome auftreten oder nicht – bei seinem Gesundheitsamt melden; das kann bei Verdacht auf SARS-CoV-2 eine Laboruntersuchung veranlassen. Was man über den Coronavirus-Test wissen muss.

Betroffene können sich an den Hausarzt wenden, sollten vor dem Gang in die Praxis aber unbedingt dort anrufen. Vermutet der Arzt eine Coronavirus-Infektion, wird die Person zunächst isoliert. Hier erklären wir, was häusliche Quarantäne bedeutet – und wie man sich darauf vorbereiten kann.

Außerdem hat das Gesundheitsministerium eine Coronavirus-Hotline eingerichtet. Die Telefonnummer lautet (030) 34 64 65 100. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) beantwortet im Internet Fragen rund um das neuartige Coronavirus.

Wie ist die Coronavirus-Situation in Deutschland aktuell?

In Deutschland ist die Ausbreitung des Coronavirus seit einigen Wochen rückläufig. Bis 13. Juni registrierte das RKI mehr als 185.000 Infektionen, rund 8750 Menschen starben bislang in Zusammenhang mit Covid-19, rund 171.517 Menschen haben die Infektion überstanden. Damit zählt Deutschland zu den Ländern mit relativ niedrigen Todeszahlen in der Coronavirus-Pandemie.

Wie hat Deutschland auf das Coronavirus reagiert?

Die Bundesregierung, das Innenministerium und das Gesundheitsministerium haben zu Beginn des Ausbruchs in Deutschland einen Krisenstab eingerichtet. Es folgten Gegenmaßnahmen wie die Schließung von Schulen, Kitas und Geschäften sowie die Verhängung einer Kontaktsperre. Seit 20. April wird der Lockdown schrittweise aufgehoben: Diese Corona-Regeln gelten in Ihrem Bundesland.

Das Sagen über die Lockerungen haben mittlerweile klar die einzelnen Länderchefs übernommen. Lesen Sie dazu den Kommentar: Merkel übernimmt in der Corona-Krise die Beobachterrolle – vorerst

Sowohl die Schulen als auch die Kitas wurden zu Beginn der Pandemie geschlossen. Inzwischen werden die Bildungseinrichtungen schrittweise geöffnet. Nach dem Sommerferien soll in vielen Bundesländern wieder ganz normaler Unterricht stattfinden.

Um die wirtschaftlichen Schäden der Coronapandemie zu bekämpfen hat die Bundesregierung ein Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. Stolze 130 Milliarden Euro ist es schwer. Unter anderem beinhaltet es einen einmaligen Kinderbonus und die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer.

Wie steht es in Deutschland um die Testkapazität für das Coronavirus?

In Italien hatte sich das Virus zunächst unbemerkt verbreitet. Das hielten Experten auch in Deutschland für möglich. Deshalb hatte das RKI damit begonnen, Stichproben von Personen mit Atemwegserkrankungen auch auf das Coronavirus zu testen. Experten zufolge gilt Deutschland als eines der Länder mit der größten Testkapazität.

So sind die Testkriterien mittlerweile gelockert worden: Galten anfangs der Aufenthalt in einem Risikogebiet oder Kontakt zu einem bestätigten Fall als Voraussetzung, so werden nun auch Menschen mit leichten Symptomen einer Atemwegserkrankung getestet. Nach RKI-Angaben wurden in Laboren und Krankenhäusern bis zum 10. Juni mehr als 1,8 Millionen Coronavirus-Tests durchgeführt, davon fielen rund 85.084 positiv aus.

Die Testkapazität liegt laut Aussagen von Gesundheitsminister Jens Spahn von Mitte Mai bei mehr als 850.000 Tests pro Woche. Diese würden aber nur etwa zur Hälfte genutzt. Der Gesundheitsminister würde gerne zur Prävention Tests auch für Menschen ermöglichen, die keine Symptome zeigen.

Laut dem neuen Infektionsschutzgesetz, dass Anfang Mai von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde, sollen die Krankenkassen dafür aufkommen. Diese wiederum wollen, „dass die Testung im Rahmen der Pandemiebekämpfung als staatliche Aufgabe auch vom Staat finanziert wird“ sagte der Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen Florian Lanz.

Welche Auswirkungen gibt es auf den Flug- und Bahnverkehr?

Das Virus und die folgenden Reisebeschränkungen haben den globalen Flugverkehr mit Ausnahme der Fracht nahezu zum Erliegen gebracht. Nachdem am 15. Juni die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für EU-Mitgliedstaaten aufgehoben wird, haben auch die Fluggesellschaften angekündigt wieder vermehrt zu starten.

In der Zwischenzeit aber sind die wirtschaftlichen Schäden enorm. Allein bei der Lufthansa mit rund 138.000 Beschäftigten sind mehr als 20.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Mit der Bundesregierung wurde eine neun Milliarden Euro schweres Rettungspaket ausgehandelt.

Die EU hat Leitlinien zu Flugreisen während der Corona-Pandemie vorgelegt. Passagiere und Bordpersonal sollen medizinische Schutzmasken tragen, Abstandsregeln sollen „im Rahmen des Möglichen“ eingehalten werden. Der Flugindustrie könne so geholfen werden, die Folgen der Pandemie in den Griff zu bekommen, erklärte EU-Verkehrskommissarin Adina Valean.

Auch die Deutsche Bahn leidet unter den Reisebeschränkungen. Auch wenn die meisten Züge des Unternehmens weiter wie gewohnt fuhren, blieben die meisten Fahrgäste weg. Zum Teil waren in den Zügen nur zehn bis 15 Prozent der üblichen Fahrgäste unterwegs.

Auch bei der Bahn sind deswegen tausende Stellen in Gefahr. Im Gegenzug für Hilfszahlungen vom Staat in Höhe von rund fünf Milliarden Euro, will die Bahn Personalkosten von 2,25 Milliarden Euro sparen.

Wo hat das Coronavirus seinen Ursprung?

Seinen Ursprung hat das Virus nach Angaben der chinesischen Behörden auf einem Fischmarkt in Wuhan, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Man geht davon aus, dass eines der Wildtiere Quelle des Virus ist, möglicherweise eine Fledermaus.

Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

Der Virologe Christian Drosten hat eine andere Tierart im Verdacht: Marderhunde. Die Zucht der Tiere sei eine riesige Industrie in China und schon das SARS-Virus von 2003 sei in Marderhunden nachgewiesen worden, sagte Drosten dem britischen „Guardian“. Diese Möglichkeit sei bislang nicht ausreichend beachtet worden: „Hätte ich ein paar Hunderttausend Euro und freien Zugang in China, dann würde ich die Quelle des Virus in Zuchtfarmen für Marderhunde suchen“, so Drosten.

Coronavirus: Wie ist China mit dem Virus umgegangen?

Die chinesischen Behörden hatten Städte in der zentralchinesischen Provinz Hubei abgeriegelt, insgesamt standen etwa 56 Millionen Menschen unter Quarantäne. Zu den isolierten Städten gehörten unter anderem Jingzhou (5,6 Millionen Einwohner), Xiaogan (5 Millionen Einwohner) und Wuhan (11 Millionen Einwohner), in dem das Virus ausgebrochen war.

Ab Mitte März sank die Zahl der Neuinfektionen stark, bis aus China schließlich verlautete, dass sich keine Menschen mehr neu angesteckt hätten. In Wuhan begann man, die Notfallkrankenhäuser zu schließen – die Ausgangssperre wurde nach mehr als 70 Tagen Anfang April aufgehoben.

Die Abschottung war eine beispiellose Maßnahme. „Das ist einmalig in der neueren Geschichte, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Auch der WHO ist nach Angaben eines Sprechers kein vergleichbarer Fall bekannt.

Neben den Maßnahmen in der betroffenen Provinz hatte China die Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land verschärft. Attraktionen wie etwa der Palast in Peking und das Disneyland in Shanghai waren für Touristen geschlossen. In Hongkong wurden öffentliche Veranstaltungen abgesagt, die Sonderverwaltungszone rief den Notstand aus.

Nach einer zwischenzeitlichen Lockerung der Maßnahmen verschärfte die chinesische Hauptstadt Peking am 22. April ihre Maßnahmen gegen eine Einschleppung des Coronavirus erneut. Menschen, die in die Stadt kamen, mussten sich nach einer zweiwöchigen Quarantäne zusätzlich eine Woche in „häusliche Beobachtung“ begeben.

In Wuhan wurden im Mai neue Fälle von Infektionen bekannt. Daraufhin wurden Massentests an den rund elf Millionen Einwohner durchgeführt.

Im gesamten öffentlichen Nahverkehr Chinas wurden Messstationen eingerichtet, in denen Passagiere auf Symptome getestet werden. Passagiere mit Verdacht auf eine Infektion sollen sofort in eine medizinische Einrichtung gebracht werden.

Unter strengen Vorsichtsmaßnahmen begann Ende Mai die Jahrestagung des chinesischen Volkskongresses. Sie war ursprünglich für März geplant und wurde wegen des Coronavirus verschoben –zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte Chinas.

(Theresa Martus, Julia Emmrich, Amelie Marie Weber, Fabian Kretschmer, Bettina Funk und Martin Küper mit dpa/AFP)