Lungenkrankheit

Coronavirus: Symptome, Übertragung, Unterschiede zur Grippe

Coronavirus: Weltweit kommt es zu einem Anstieg der Infektionen.

Coronavirus: Weltweit kommt es zu einem Anstieg der Infektionen.

Foto: THOMAS SAMSON / AFP

Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Doch wie gefährlich ist die neue Lungenkrankheit? Und was sind die Symptome?

Berlin. 

  • Das Coronavirus scheint sich weiter auszubreiten: Nach China wird das Virus nun vermehrt auch in anderen Ländern nachgewiesen
  • Besonders dramatisch ist die Lage in Italien: Dort sind Hunderte mit dem Coronavirus infiziert, es gibt bereits Tote in dem südeuropäischen Land
  • Doch wie gefährlich ist das Virus eigentlich? Ist eine Grippe am Ende nicht doch viel gefährlicher als die neuartige Lungenkrankheit? Und vor allem: Wie läuft eine Übertragung ab?

Ende Dezember wird das Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in China über das Auftreten einer mysteriösen Lungenkrankheit mit unbekannter Ursache in der zentralchinesischen Stadt Wuhan informiert. Wenig später ist klar: Sie wird verursacht durch das Coronavirus.

Der Erreger ist längst auch in Deutschland angekommen. Weltweit wird vor einem weiteren Anstieg der Infektionen mit der Lungenkrankheit gewarnt. Doch was sind die Symptome? Wir klären auf:

Coronavirus-Symptome: Was weiß man über den Erreger?

Bei dem Erreger handelt es sich um ein Virus aus der Gruppe der Coronaviren (CoV). „Wir kennen diese Virusgruppe seit vielen Jahren und jeder zehnte Deutsche hat schon einmal mit ihr Kontakt gehabt“, sagt Professorin Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Sie können harmlose Erkältungen auslösen, aber eben auch schwere Erkrankungen wie Sars oder Mers.

Corona- Symptome und Übertragungswege

Die neue Variante des Virus trägt den Namen 2019-nCoV. Das „n“ steht dabei für neu. Man geht bislang davon aus, dass das Virus von einem Tier – welches ist unklar – auf den Menschen übergegangen ist und nun in der Lage ist, sich von Mensch zu Mensch auszubreiten. Als Quelle gilt ein inzwischen geschlossener Fischmarkt in der chinesischen Metropole Wuhan, auf dem auch Wildtiere angeboten wurden.

Die sogenannte Mortalität, also Sterblichkeit, liegt nach derzeitiger Erkenntnis bei 2,8 Prozent. Allerdings ist das nach Alter unterschiedlich. „Zum Vergleich: Bei Mers liegt die Mortalität bei 30 bis 40 Prozent“, sagt Addo, die die Infektiologie am UKE leitet. So schützt sich Deutschland vor dem Coronavirus.

Covid 19: Welche Symptome treten bei Infektion mit dem Coronavirus auf?

Die Inkubationszeit – der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen – beträgt 2 bis 14 Tage. Die Lungenerkrankung äußert sich durch

  • Fieber,
  • trockenen Husten,
  • Abgeschlagenheit und
  • Atemnot.

Weil das Virus die unteren Atemwege infiziert, haben Betroffene keinen Schnupfen. Letztlich ähneln die Symptome denen einer Sars-Infektion. Kein Wunder, denn das neue Virus dockt am gleichen Rezeptor an. Der Test auf das Virus basiert meist auf der Analyse von Sputum (Auswurf) und dauert etwa zwei Stunden.

Grippe vs. Coronavirus – Was sind die Unterschiede?

Dieser populäre Einwand greift laut dem Virologen Christian Drosten von der Berliner Charité zu kurz. „Die Vorstellung, dass man das Coronavirus so mit der saisonalen Grippe vergleichen kann, ist falsch. Im Moment sieht es nach dem chinesischen Zahlen so aus, dass bei Corona eine Fallsterblichkeit von 2 Prozent herrscht. Das ist eine enorm hohe Zahl“, sagte Drosten dem WDR.

Grippepandemien – nicht die saisonale Grippe – hätten eine Fallsterblichkeit von 0,1 Prozent bis hin zur allerschwersten Pandemie im Jahr 1918 von 2,5 Prozent. „Das sind die Zahlen, über die wir uns hier Sorgen machen.“ Lesen Sie hier: Coronavirus auf Teneriffa festgestellt – Tausend Urlauber in Quarantäne.

Allerdings sei es fast sicher, dass die Zahlen aus China derzeit dramatisch überschätzt werden. Viele Experten gingen davon aus, dass es noch viel mehr Corona-Fälle in China gebe, die allerdings milde verlaufen und nicht registriert würden. „Das heißt, die Fallsterblichkeit ist wahrscheinlich viel geringer“, so Drosten.

Wie überträgt sich das Coronavirus?

Die anfängliche Vermutung, das Virus könne nur von Menschen übertragen werden, die bereits Symptome zeigen, ist inzwischen widerlegt. Das zeigt auch der aktuelle Coronavirus-Fall in Bayern. „Der Erreger kann auch in der Inkubationszeit übertragen werden“, sagt Addo.

Die Übertragung erfolgt nach bisherigen Erkenntnissen über Tröpfchen- und Schmierinfektion:

  • Niesen
  • Husten
  • Händeschütteln

Corona-Virus in China- Das müssen Sie über die Lungenkrankheit wissen

Wie ansteckend das neue Virus ist, lässt sich nur schwer beurteilen. Chinesische Behörden gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 2,5 Menschen ansteckt – das wäre ähnlich wie bei Sars.

„Solche Zahlen sind extrem unzuverlässig“, sagt Virologe Drosten. Demnach hängt die Übertragungsrate von sehr vielen Faktoren ab – etwa ob Menschen sozial aktiv sind oder eher zuhause bleiben. Genau darauf zielen nach Ansicht Drostens die Maßnahmen in China ab. „Ich denke, diese Maßnahmen bringen etwas.“

Wie kann man sich schützen?

Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus?

Das Robert Koch-Institut (RKI) verweist auf die Maßnahmen, die auch zum Beispiel in der aktuellen Grippesaison gelten: gute Händehygiene, Husten- und Niesetikette und sich fern von Erkrankten halten. „Es ist die Basishygiene, die man einhalten sollte“, sagt Addo. Dazu gehöre auch, sich zum Beispiel nicht ins Gesicht zu fassen. Lesen Sie hier: Helfen Mundschutz oder FFP-Masken gegen das Coronavirus?

Wie gefährdet sind Kinder?

Ob Kinder besonders anfällig für das neue Virus sind, ist nicht klar. „Bislang wurden keine Fälle von infizierten Kindern gemeldet“, sagt Marylyn Addo. Bisher gebe es keine Informationen, die nahelegten, dass Kinder besonders anfällig seien. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach empfiehlt auch Kindern die klassischen Maßnahmen wie eine gute Handhygiene.

Wie funktioniert der Virus-Schnelltest?

Ein Abstrich und nur wenige Stunden später ist klar: Ein Mensch ist mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV infiziert oder nicht. Die Testmethode, entwickelt von einem Team des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung an der Berliner Charité, basiert auf einer Standardprozedur, die seit Jahren in der Virusdiagnostik angewendet wird.

Dabei wird Material zum Beispiel vom Rachen des Patienten genommen und das darin befindliche Erbmaterial extrahiert, erklärt Dr. Thorsten Wolff vom RKI. „Jedes Virus hat sein eigenes Erbmaterial, das einzigartig ist“, sagt Wolff – der Fingerabdruck des Virus. Anschließend wird eine Methode angewandt, für die es in den 90er-Jahren den Nobelpreis gab: die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

So schützt man sich vor dem Coronavirus

Mithilfe dieser Methode können kleine Abschnitte des Erbmaterials (Nukleinsäurestücke) gezielt vermehrt werden. „Dann wird noch eine Sonde hinzugefügt, die ein fluoreszierendes Signal abgibt“, sagt Wolff. Auch bei dieser Sonde handelt es sich um ein kleines Nukleinsäurestückchen. 45 Vermehrungszyklen durchläuft das Erbmaterial mit der Sonde. Auch interessant: Ist Deutschland bereit für den großen Coronavirus-Ausbruch?

Schließlich lässt sich an der Stärke des Signals ablesen, wie viel Erbmaterial in der Probe enthalten war. Wie hoch also die Viruslast ist. Neu an dem aktuellen Test ist das Sonden-Set, sagt Wolff: „Es ist in der Lage, nur das neue Coronavirus zu erkennen und nicht auch bei ähnlichen Coronaviren ein Signal abzugeben.“ Außerdem kann noch während der Vermehrungszyklen die Viruslast ermittelt werden.

Wer wird auf das Coronavirus getestet?

Getestet werden soll bisher nur, wer Kontakt mit einem bestätigten Fall hatte oder in den 14 Tagen zuvor in Wuhan gewesen ist und nun Symptome habe, die auf eine Corona-Infektion hinwiesen, erklärt Addo. Diese Kriterien werden kontinuierlich evaluiert.

„Auch wenn viele Menschen jetzt in Sorge sind: Wir dürfen nicht vergessen, dass bisher die meisten Corona-Fälle in Europa bislang exportierte Fälle waren oder einen direkten Kontakt zu einem bestätigten Fall, also einen Bezug zu Wuhan haben.“ Lesen Sie hier: Coronavirus in Italien – Diese Reisen sind kostenlos stornierbar.

Coronavirus breitet sich aus: Wie sieht die Therapie aus?

Eine spezielle Therapie für die Lungenerkrankung gibt es nicht. „Die Therapie ist supportiv, das heißt unterstützend und begleitend. Bei schwerer Atemnot würden wir den Patienten beatmen. Um eine bakterielle Super-Infektion zu vermeiden, könnten unterstützend Antibiotika gegeben werden“, sagt Addo. Diese interaktive Karte zeigt die Ausbreitung des Coronavirus.

Gibt es eine Impfung gegen das Coronavirus?

Eine Impfung wäre das beste Mittel, die Epidemie einzudämmen. Laut Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin werden derzeit Impfstoff-Kandidaten gegen Mers am Menschen getestet. Sie seien – erfolgreiche Resultate vorausgesetzt – frühestens in einigen Monaten verfügbar. „Darauf ließe sich dann aufbauen“, sagt Schmidt-Chanasit.

Die Maßnahmen zur Eindämmung – China riegelt Millionenstädte ab, Staaten schließen Grenzen, Infizierte werden isoliert – zielten darauf ab, möglichst viele weitere Krankheitsfälle zu verhindern, sagt Bernd Salzberger, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Es gehe auch darum, Zeit zu gewinnen: „Je langsamer das geht, umso mehr wissen wir über Gegenmaßnahmen wie zum Beispiel antivirale Medikamente - die in China auch eingesetzt werden – und schaffen vielleicht auch die Entwicklung einer Impfung.“ (bekö)