Sozialverhalten

Deutsche Bahn: Platz weg, Remmidemmi im Zug – was tun?

Ruhebereich in einem ICE: Wenn ein Junggesellenabschied Remmidemmi macht und von Ruhe so gar keine Rede sein kann, hilft der Zugbegleiter.

Ruhebereich in einem ICE: Wenn ein Junggesellenabschied Remmidemmi macht und von Ruhe so gar keine Rede sein kann, hilft der Zugbegleiter.

Foto: NORBERT SCHMIDT / imago/Norbert Schmidt

Eine Bahnfahrt kann einer Tortur gleichen, wenn sich die Mitfahrer daneben benehmen. Wir geben Tipps, wie das Miteinander gelingt.

Berlin. Der Döner mit Knoblauchsoße, Bässe aus den Kopfhörern des Sitznachbarn, ein Endlos-Gespräch am Handy von dem jungen Mann schräg gegenüber: Wohl jedem fallen viele Situationen und Szenarien ein, wie eine Bahnfahrt so richtig nerven kann.

Aber wie geht man am besten mit einem Bier trinkenden Junggesellenabschied im Ruhebereich um, der das restliche Abteil zur „Polonäse nach Blankenese“ überreden will? Auch wenn es bei der Bahn ein Formular für fast alles gibt: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den richtigen Umgang mit schwierigen Mitmenschen hat sie nicht im Angebot.

Trotzdem: Einige Tipps helfen Streit zu vermeiden. Und sich aus peinlichen Lagen wieder herauszumanövrieren. Wir haben noch einmal bei der Deutschen Bahn nachgefragt und beantworten die wichtigsten Fragen zu einigen typischen „Notlagen“.

Deutsche Bahn: Bier und Party im Großraumabteil – Was ist zu tun?

Man will seine Ruhe, und dann rollt ein saufender Junggesellenabschied durchs Abteil. Das ist erst mal Zivilcourage gefragt, heißt: Die Party-Jungs oder -Mädels ansprechen und um Ruhe bitten. Meistens, so eine Bahnsprecherin, sei es so, dass sich Reisende untereinander verständigen. Im Notfall sollten Reisende aber auf den Zugbegleiter zugehen.

„Die Zugbegleiter wenden sich dann an die Fahrgäste und bitten um Ruhe oder machen auf die Möglichkeit aufmerksam, auf andere Bereiche auszuweichen“, sagte eine Sprecherin unserer Redaktion. Reisende sollten sich im Zug so verhalten, erklärt die Bahn-Sprecherin weiter, dass sie andere nicht stören.

Das gilt natürlich vor allem im Ruheabteil. „Im Ruheabteil sollte eigentlich ein freundlicher Hinweis genügen“, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn.

„Wenn es sich allerdings wirklich um stark alkoholisierte Personen handelt und diese möglicherweise aggressiv werden, sollte man wohl besser vorsichtig sein“, so Naumann. In Extremsituationen sollte man den Zugbegleiter – oder sogar die Polizei rufen.

Der Nachbar telefoniert pausenlos mit seinem Handy – Wie reagiere ich?

Manch einer fühlt sich so frei, den Mitreisenden sein halbes Familien- oder Berufsleben bis ins letzte Detail auszubreiten. „Reisende sollten sich im Zug so verhalten, dass sie andere nicht stören. Die Erfahrung zeigt, dass dies in der Regel auch der Fall ist bzw. die Reisenden etwaige Konflikte selbst lösen“, sagt die Sprecherin der Bahn.

Wenn dies nicht gelinge könnten sich Kunden immer an die Zugbegleiter wenden, die dann vermitteln würden, so die Bahn-Sprecherin. Ähnliches gelte für Mitfahrer, die die Schuhe ausziehen oder deftiges Essen verputzen.

Wo stelle ich am besten mein Gepäck ab?

Wenn das Gepäck unachtsam halb im Gang steht, kann der Gang durchs Abteil einem Hürdenlauf gleichen. Auch Verärgerung ruft bei Mitreisenden Gepäck hervor, dass in vollen Züge auf dem Nebenplatz verstaut wurde. Taschen und Koffer gehören entweder in die dafür vorgesehenen Gepäckregale in den Abteilen beziehungsweise unter oder über den Sitz.

„Gänge, Türen und Sicherheitseinrichtungen, wie zum Beispiel Feuerlöscher, müssen zu Ihrer eigenen Sicherheit frei bleiben“, heißt es auf der Website der Bahn. Neben dem Handgepäck darf jeder Passagier ein größeres Gepäckstück mit sich führen.

Dürfen mich Mitfahrer von einem BahnComfort-Platz verscheuchen?

Sagen wir mal so: Wenn Sie kein BahnComfort-Kunde sind, der andere aber schon, dann ja. „Grundsätzlich können die BahnComfort-Plätze von allen Reisenden genutzt werden – sie müssen allerdings freigegeben werden, wenn Kunden mit BahnComfort-Status diese nutzen möchten“, sagt eine Bahn-Sprecherin.

„Wenn ein Zug gut gebucht ist, sind in der Regel auch viele BahnComfort-Kunden an Bord. Daher ist es immer ratsam, sich über die Auslastung des Zuges zu informieren“, so die Sprecherin weiter. (les)

Mehr zum Thema Bahn: Günstiger fahren? Das ist keine Raketenwissenschaft. Hier haben wir Tipps gesammelt, wie man bei der Deutschen Bahn bei den Tickets sparen kann. Für Reisende, die oft mit dem Nachwuchs unterwegs sind: Deutsche Bahn – Sieben Tipps für das Zugreisen mit Kind. Auch interessant für Reisende: Bahn: Diese Rechte haben Sie bei Verspätung & Co. Außerdem steigt derzeit die Zugauslastung: So kämpft die Deutsche Bahn gegen Überfüllung