Förderung

Bafög: Was sich für Studenten, Schüler und Azubis ändert

Damit es mit dem Studium auch klappt, wenn man es sich sonst nicht leisten könnte: Der Staat zahlt bei Bedarf eine Unterstützung.

Damit es mit dem Studium auch klappt, wenn man es sich sonst nicht leisten könnte: Der Staat zahlt bei Bedarf eine Unterstützung.

Foto: dpa Picture-Alliance / Waltraud Grubitzsch / picture alliance/dpa

Studierende, Azubis und Schüler erhalten mehr Geld. Es ändern sich die Freibeträge, Pauschalen und Sätze. Die Änderungen im Überblick.

Berlin. Das Ziel des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, kurz Bafög, ist klar: Jeder soll die Möglichkeit auf eine Ausbildung, ein Studium und einen Schulabschluss haben, der es sich sonst nicht leisten könnte. Und auch wenn die Zahlen rückläufig sind, bekam jeder fünfte Student 2017 eine aus dem Gesetz abgeleitete Förderung.

Pünktlich zu Beginn des Ausbildungsjahres ist nun das Bafög für Azubis, Studenten und Schüler zum 1. August gestiegen. Studenten bekommen am meisten mit bis zu 853 Euro monatlich (vorher 735 Euro), worauf auch Beiträge für die Pflege- und Krankenversicherung fällig werden.

Azubis und Schüler bekommen etwas weniger. Angepasst wurden vor allem Wohnungspauschale und Freibeträge der Eltern – also jene Verdienstgrenzen für die Eltern, ab denen es weniger oder gar kein Bafög mehr gibt. Ein Überblick.

Freibeträge

Der neue Freibetrag für Eltern scheint mit 1835 Euro pro Monat immer noch gering, doch sollte man sich davon nicht entmutigen lassen. Denn das Bafög-Amt rechnet zahlreiche Faktoren hinzu, die den Freibetrag wesentlich steigen lassen – etwa Sozialabgaben, Werbungskosten oder auch Riester-Beiträge.

Ein Beispiel: Sind die Eltern verheiratet, arbeiten als Angestellte und haben keine weiteren Kinder, kommt es ab einem Bruttoeinkommen von 30.000 Euro zu den ersten Einbußen beim Bafög. Eine Teilförderung gibt es aber auch noch, wenn die Eltern 45.000 Euro im Jahr verdienen. Bei einem gemeinsamen Gehalt von 60.000 Euro im Jahr ist die staatliche Förderung hingegen eher unwahrscheinlich.

Das Einkommen der Eltern wird überhaupt nur mit in die Berechnung einbezogen, weil sie auch während Studium und Ausbildung unterhaltspflichtig sind – auch wenn der Student oder Azubi nicht mehr zu Hause wohnt und volljährig ist.

Die Anpassung der Freibeträge ist eine gute Nachricht für alle, die schon mal Bafög beantragt haben und abgelehnt wurden. Vielleicht haben sie jetzt mehr Erfolg – selbst wenn sie nur einen Teilbetrag zugesprochen bekommen. Wer auch nur einen Euro Bafög bekommt, hat weitere Vorteile: Er muss etwa keinen Rundfunkbeitrag zahlen. Es lohnt sich also, den alten Bafög-Antrag ruhig noch mal „aufzuwärmen“.

Der Antrag

Wer eher chaotisch in sein Studium oder seine Ausbildung startet, sollte die Bafög-Formulare nicht zu lange auf dem Schreibtisch liegen lassen. Denn Bafög gibt es nicht rückwirkend. Erst in dem Monat, in dem der Antrag abgeschickt ist, fließt auch die Förderung. Wer spät dran ist, sollte den Bafög-Antrag nach bestem Wissen ausfüllen und die fehlenden Unterlagen später nachreichen.

Gerade wer seine Ausbildung oder sein Studium in einer fremden Stadt beginnt, sollte sich besser früh ums Bafög kümmern. Denn alle Unterlagen zusammenzusuchen, ist nicht mal eben gemacht. Mit fehlenden Unterlagen kann es ein paar Monate dauern, bis das erste Geld auf dem Konto landet. Für viele Erstsemester eine Zusatzbelastung, wenn auch Umzug und Immatrikulation finanziell gestemmt werden müssen.

Ein entscheidender Punkt beim Antrag: Auch die Einkünfte der Eltern und gegebenenfalls des Ehepartners müssen offengelegt werden. Dafür ist der Steuerbescheid des vorletzten Kalenderjahres nötig. Verdienen die Eltern im aktuellen Jahr wohl weniger Geld, kann sich das negativ auswirken. Geht ein Elternteil in Rente oder arbeitet nur noch in Teilzeit, sollte das geringere Einkommen im Antrag vermerkt sein.

Wohnungspauschale

Vor allem wer nicht mehr bei den Eltern wohnt, erhält eine höhere Wohnungspauschale. Sie macht den Großteil der Bafög-Erhöhung aus und steigt von 250 auf 325 Euro. Dabei ist es egal, wie viel die Wohnung oder das WG-Zimmer im Einzelfall kostet: Das Bafög-Amt rechnet grundsätzlich mit Pauschalbeträgen.

Studienkredite

Auch wer wegen des Einkommens der Eltern kein Bafög bekommt, möchte kaum Vater oder Mutter mit einer Unterhaltsklage drohen. Vielleicht ist ja ein privates Darlehen aus dem Verwandtenkreis eine Alternative, um über eine Durststrecke während des Studiums hinwegzuhelfen. Studienkredite hingegen sollten immer der letzte Ausweg sein, da sich über die Jahre auf das Geliehene auch Zinsen ansammeln. Das gilt im geringeren Umfang auch für den staatlich geförderten KfW-Studienkredit.

Stipendien

Stipendien und studentische Nebenjobs ergänzen sich hingegen sehr gut mit der Bafög-Förderung. Mit bis zu 300 Euro darf ein Student zusätzlich durch ein Stipendium gefördert sein, ohne dass er dadurch weniger Bafög bekommt. Ist das Stipendium zweckgebunden, zum Beispiel als Büchergeld, darf es sogar mehr sein.

Minijob

Mit einem Minijob auf 450-Euro-Basis dürfen Studierende jederzeit ihr Bafög aufstocken. Dabei gilt eigentlich eine Grenze von 5400 Euro im Jahr. In den Semesterferien dürfen Studenten also auch ruhig mal etwas mehr als 450 Euro verdienen, wenn sie die Stunden während der Vorlesungszeit wieder runterschrauben. Wer Kinder hat oder Studiengebühren für eine private Hochschule zahlen muss, darf auch mehr verdienen.

Erspartes

Zu viel ansparen darf ein Student mit Bafög allerdings nicht: Maximal 7500 Euro dürfen auf seinem Konto liegen, sonst muss er zuerst sein Erspartes aufbrauchen. Für viele Bafög-Studenten ein Luxusproblem, während sie mit der knappen Förderung jeden Monat aufs Neue sparsam kalkulieren müssen.

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Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.