Solarstrom

Wie Mieter Photovoltaik-Anlagen für sich nutzen können

Ein Hausdach mit Solarzellen.

Ein Hausdach mit Solarzellen.

Foto: McPHOTO/M. Gann / imago/blickwinkel

Auf dem Dach oder Balkon: Solarstrom-Erzeugung kann auch für Mieter sinnvoll sein. Wann genau lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage?

Berlin.. Photovoltaik-Anlagen laufen in Deutschland aktuell auf Hochtouren. An manchen Tagen dieses Sommers haben sie mehr Strom erzeugt als Braunkohlekraftwerke. Das ist nicht nur gut fürs Klima, sondern lohnt sich auch für Privatpersonen, die ihren Solarstrom selbst erzeugen. Denn kein Strom ist derzeit so günstig wie der selbstproduzierte Ökostrom.

Rund 10 Cent kostet die Kilowattstunde aus der eigenen Solaranlage, hat der Verbraucher-Ratgeber Finanztip ausgerechnet. Dabei sind Kreditkosten, Anschaffung, Wartung und Rückbau schon inbegriffen. Zum Vergleich: Die Energie vom Stromanbieter ist mehr als doppelt so teuer – und das, obwohl die Preise an der Strombörse nach unten gepurzelt sind, auch dank des vielen Sonnenstroms.

Bei Solarenergie denken viele an das Modul auf dem Dach, an hohe Kosten und viel Aufwand. Aber das stimmt längst nicht mehr. Das Charmante an Solarenergie ist, dass jeder sie nutzen kann. Auch ohne Eigenheim. Denn mit einer Mini-Solaranlage auf dem Balkon können auch Mieter Sonnenenergie ernten und ihre Stromkosten senken.

Günstiger Strom vom Balkon für Mieter

Nötig ist dafür ein Balkon-Modul, auch Plug-in-Anlage genannt. Dabei handelt es sich um eine kleine Solaranlage, die sich meist ohne fremde Hilfe auf dem Balkon aufstellen und an die Steckdose anschließen lässt. Die Geräte heißen zum Beispiel Simon, Indielux oder Solar-Pac. Eine berührungssichere Steckdose (Typ Wieland) sollte installiert werden.

Sie sorgt dafür, dass der Solarstrom sicher zu den Geräten in der Wohnung fließt, die gerade Bedarf haben. Da Überschüsse zurück ins öffentliche Netz wandern, braucht der Stromzähler eine Rücklaufsperre. Sonst würde sich ein analoger Stromzähler rückwärts drehen, was verboten ist.

Bevor es losgehen kann, empfiehlt sich aber ein Blick in den Mietvertrag. Dort sollten Interessierte nachsehen, ob das Anbringen von Modulen am Balkon möglicherweise untersagt ist oder das Einverständnis des Vermieters voraussetzt. Wird das Modul nicht fest montiert und beeinträchtigt die Optik der Fassade nicht, brauchen Mieter in der Regel keine Erlaubnis vom Vermieter.

300 bis 400 Euro kosten kleine Solaranlagen für die Steckdose. Nach etwa fünf bis zehn Jahren ist das Geld wieder eingespielt. Viele Hersteller von Balkon-Anlagen geben eine Garantie über 25 Jahre.

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Photovoltaik auf dem Dach

Auch wer in einem Einfamilienhaus ohne Balkon zur Miete wohnt, kann von den Vorteilen der Sonnenergie profitieren. Dazu fragen Mieter am besten beim Vermieter nach, ob er das Hausdach verpachten würde, um dort eine Photovoltaik-Anlage aufzustellen. Einen Teil des Stroms kann an eine zweite Partei im Haus geliefert werden.

Einen Mustervertrag, um ein fremdes Dach zur Installation einer Photovoltaikanlage zu nutzen, stellt der Bundesverband Solarwirtschaft bereit.

Vielleicht will der Eigentümer aber auch gleich selbst eine Anlage installieren und an die Hausbewohner vermieten? Den Sonnenstrom können Mieter dann direkt selbst nutzen. Überschüsse speisen sie ins Stromnetz ein und erhalten dafür eine feste Vergütung. Nach rund zehn Jahren sollte sich die Anlage refinanziert haben. 20 Jahre lang kann der Anlagebetreiber die gesetzliche Einspeisevergütung beziehen.

Hausbesitzer haben es noch leichter

Hausbesitzer haben ein eigenes Dach und müssen sich mit niemanden über den Verbrauch des erzeugten Stroms einigen. Eine Photovoltaik-Anlage lässt sich ohne großen Aufwand auf dem Haus anbringen, dazu muss lediglich der Netzbetreiber eine Anschlusszusage erteilen.

Ein Installationsbetrieb montiert das System innerhalb eines Tages und setzt es in Betrieb. Trotzdem sollte die Anschaffung sorgfältig geplant werden. Denn die Anlagen kosten zwischen 5.000 und 8.000 Euro. Damit sich das lohnt, sollte die Anlage mindestens 20 Jahre lang Strom erzeugen.

Am günstigsten ist Solarstrom, wenn er direkt verbraucht wird. Dann fallen keine Steuern an, keine Netzentgelte und weitere Kosten wie für Strom, der geliefert wird. Daher sollte die Anlage zum eigenen Stromverbrauch passen. Erzeugt sie mehr Strom, sind Batteriespeicher eine Möglichkeit, um den eigenen Energieverbrauch aus Solarstrom mindestens doppelt so gut zu decken.

Solche Haus-Akkus kosten mehrere Tausend Euro und sollten lange im Betrieb bleiben. Es ist oft sinnvoll, Solaranlage und Batterie gemeinsam anzuschaffen. Dann gibt es die Umsatzsteuer auf den Kaufpreis des Speichers zurück. Außerdem zahlen viele Förderprogramme für Batteriespeicher nur, wenn der Akku zusammen mit der Solaranlage in Betrieb geht.

Solarstrom im Gartenhaus oder auf dem Zeltplatz

Solarstrom ist nicht nur fürs Zuhause geeignet – sondern auch für den Urlaub. Denn für eine Solaranlage braucht es keinen Anschluss ans öffentliche Stromnetz. Die Module können auch ein sogenanntes Inselsystem speisen. Für Gartenhäuser oder Hausboote gibt es Komplettsysteme mit Akku, die fest zu montieren sind.

Fürs Camping bieten sich Solarkoffer an: Diese enthalten ein ausklappbares Modul und eine Batterie. So lassen sich Smartphone und E-Bike laden, der Rasierer anschließen oder das Licht anmachen.

• Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen. Mit dem Finanzip-Newsletter können Sie sich jede Woche neue Finanztipps schicken lassen.