Legehennenzucht

Kükentöten – Diese Verfahren sollen das Sterben verhindern

Die männlichen Küken müssen nicht zwangsläufig getötet werden. Mehrere Initiativen ziehen sie mit auf.

Die männlichen Küken müssen nicht zwangsläufig getötet werden. Mehrere Initiativen ziehen sie mit auf.

Foto: REUTERS / Franck Prevel / Reuters

Millionen Tiere in der Legehennenzucht müssen sterben. Doch es geht anders: Mehrere Initiativen haben alternative Methoden entwickelt.

Berlin. Das Kükentöten in der Legehennenzucht sei ethisch nicht vertretbar. Das sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vor Ostern. Die CDU-Politikerin kündigte an, das Schreddern oder Vergasen männlicher Küken 2020 verbieten zu lassen – ganz gleich, welche Entscheidung das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Donnerstag bekannt geben wird.

Grund für das geplante Verbot ist laut der Ministerin die Marktreife eines Systems zur Geschlechtsbestimmung im Ei. Doch welche Möglichkeiten haben Verbraucher, wenn sie schon heute Eier kaufen wollen, für die keine Küken sterben mussten? Ein Überblick.

Warum werden die männlichen Küken eigentlich getötet?

Die Eierindustrie braucht Legehennen. Und diese werden in Brütereien „produziert“. Dabei wachsen männliche und weibliche Küken heran. Die männlichen legen nicht nur keine Eier, sie setzen auch wenig Fleisch an, was sie aus wirtschaftlicher Sicht unrentabel macht.

Die Tiere, auch Bruderküken genannt, werden meist kurz nach dem Schlüpfen getötet und als Tierfutter abgegeben. Im Jahr 2018 waren das nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums etwa 42 Millionen Tiere. Ein Grund für das Töten ist auch die Zucht: Die Industrie hat seit den 1950er-Jahren jene Rassen für sich entdeckt und weiterentwickelt, die ihren Bedürfnissen entgegenkommen.

Ob bei der Eier- oder auch bei der Fleischproduktion. Im Ergebnis haben die männlichen Küken aus der Legehennenproduktion besonders wenig Fleisch.

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Welche technischen Verfahren sollen das Töten künftig verhindern?

Es gibt zwei – das hormonelle und das spektroskopische Verfahren. Beim hormonellen wird nach etwa neun Bruttagen etwas Flüssigkeit aus dem Ei geholt, mit der sich das Geschlecht bestimmen lässt. Die männlichen Küken werden nicht weiter bebrütet, die Eier von der Industrie etwa zu Futtermittel verarbeitet.

Das Verfahren ist bereits im Handel angekommen. Mit dem Logo „Respeggt“ werden die Eier im Großraum Berlin in Filialen der Anbieter Rewe und Penny verkauft, bis Ende des Jahres sollen sie laut einer Mitteilung der Rewe-Gruppe bundesweit im Handel sein.

Beim spektroskopischen Verfahren wird nach etwa vier Bruttagen ein Infrarot-Lichtstrahl ins Ei-Innere geschickt. Anhand der Frequenz des zurückgeworfenen Lichts lässt sich eine Geschlechtsbestimmung vornehmen. Das Verfahren wird vom Deutschen Tierschutzbund bevorzugt, ist aber noch sehr ungenau.

Welche Alternativen zur Geschlechterbestimmung im Ei gibt es schon?

Auch hier gibt es zwei Ansätze: Zum einen werden die Brüder der Legehennen mit aufgezogen und vermarktet, zum anderen nutzen Brütereien solche Hühnerrassen, die weniger speziell sind. Die Hennen legen weniger Eier, die Hähnchen geben etwas weniger Fleisch, beide aber werden aufgezogen.

Letztere Alternative ist unter dem Namen Zweinutzungshuhn bekannt. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat im April bei einem Marktcheck überprüft, ob und wo die Eier aus alternativen Brütereien im Handel erhältlich sind.

In sechs von elf Geschäften, so das Ergebnis, waren Produkte „ohne Kükentöten“ erhältlich: „Die Eier dieser Alternativen kosten allesamt etwas mehr, damit die weniger wirtschaftliche Aufzucht der männlichen Küken quersubventioniert werden kann“, erklärten die Verbraucherschützer. Der Aufpreis habe bei drei bis 28 Cent pro Ei gelegen.

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Wie kann der Verbraucher diese Eier erkennen?

Laut Verbraucherzentrale Niedersachsen gibt es mittlerweile zahlreiche Initiativen zur Aufzucht der Bruderküken. Mindestens fünf waren beim Marktcheck identifiziert worden: die Bruderküken-Initiative von Alnatura (55 Cent/Ei); die Bruderhahn Initiative Deutschland (63 Cent/Ei), erhältlich bei Denn’s Biomarkt, Edeka und weiteren Anbietern (www.bruderhahn.de/haendlerliste); Haehnlein, verkauft etwa via Real (48 Cent), Rewe (47 Cent), Edeka und anderen Händlern (www.bio-haehnlein.de/haendlersuche).

Die Rewe-Gruppe hat zudem eigene Initiativen: Herzbube ist die Eigenmarke des Discounters Penny (20 Cent/Ei), Spitzbube das Projekt von Rewe (22 Cent/Ei Bodenhaltung; 40 Cent/Ei Bio-Haltung). Alle Initiativen sind auf den Eierverpackungen vermerkt, meist in Kombination mit den Begriffen Bruderhahn oder -küken.

Wie schätzt die Wissenschaft das Zweinutzungshuhn ein?

Das Konzept ist fast vier Jahre lang von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover begleitet worden. Beteiligt waren zudem die Universitäten Berlin, Göttingen, Hohenheim sowie das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie und das Friedrich-Loeffler-Institut für Tierschutz und Tierhaltung.

Im März zogen die Macher Bilanz: Die Hennen der Zweinutzungsrasse Lohmann Dual legten im Schnitt 250 Eier pro Jahr und damit 50 weniger als Speziallegehennen. Die Zweinutzungshähne mussten bis zur Schlachtreife 64 Tage gehalten werden und damit doppelt so lange wie Vergleichshähnchen spezieller Mastrassen. Vorteile gab es bei Stresslevel und Gesundheit der Tiere.

Aber: Es werde schwer sein, die wirtschaftlichen Nachteile zu kompensieren, erklärte Projektleiterin Silke Rautenschlein. Tierschützer und auch der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft halten es grundsätzlich für sinnvoll, Rassen zu bevorzugen, die sich als Legehuhn und Masthähnchen eignen. Bisher sei der Marktanteil aber fast nicht messbar. In der Region zumindest gibt es aber erste Projekte, etwa die Initiative „Ei Care“. (mit dpa)