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Auch der Garten wird smart – Bewässerungssysteme im Test

Ohne gute Bewässerung nützt im heißen Sommern auch der grünste Daumen nichts.

Ohne gute Bewässerung nützt im heißen Sommern auch der grünste Daumen nichts.

Foto: istock / iStock

Wer wässert den Garten in der Urlaubszeit? Das Internet der Dinge kann unter anderem Schläuche, Sensoren und auch Sprinkler steuern.

Berlin. Die Deutschen lieben ihren Garten. Aus den Zahlen des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten geht hervor, dass sie dafür im vergangenen Jahr rund 4,3 Milliarden Euro ausgegeben haben – Tendenz steigend. Wie schnell allerdings die grüne Pracht dahin sein kann, erlebten Millionen Menschen im vergangenen Rekord-Sommer. Wer Blumen, Sträucher, Büsche und Bäume nicht regelmäßig gewässert hatte – etwa wegen einer Urlaubsreise –, erlebte bei seiner Rückkehr ein braunes Elend.

Stets optimale Wasserversorgung, selbst wenn man außer Landes ist, versprechen zwei smarte Systeme, die die Bewässerung einerseits dynamisch an Wetter und Bodenfeuchtigkeit anpassen, zur Not aber auch von überall auf der Welt über das Smartphone bedient werden können.

Wie gut das im Alltag funktioniert und für wen das geeignet ist, haben wir mit zwei derzeit erhältlichen smarten Bewässerungssysteme von Miyo (Startset mit Ventil, Sensor und Basisstation ab 310 Euro) und Gardena (Startset mit Ventil, Sensor und Basisstation ab 460 Euro) über mehrere Wochen getestet.

Miyo

Das österreichische Start-up Viratech wurde speziell mit dem Ziel gegründet, den Garten smart zu machen, und stellt dabei Nachhaltigkeitsaspekte wie etwa den sparsamen Umgang mit Wasser in den Vordergrund. Sensor und Ventil sind jeweils mit einer Solarzelle versehen, zusätzliche Batterien werden nicht benötigt. Die Basisstation, der Miyo Cube, bekommt Strom über ein handelsübliches Netzteil.

Einrichtung: Bevor mit der Installation gestartet werden kann, müssen Sensor und Ventil eine halbe Stunde in die Sonne gelegt werden, damit die Solarzellen für die Einrichtung genügend Energie tanken können. Anschließend wird der Cube per Netzwerkkabel mit dem heimischen Router verbunden und die Miyo-App (Android/iOS) aufs Smartphone geladen. Hier werden alle weiteren Einrichtungsschritte erklärt.

Nun wird in dem Beet oder Rasenstück, das bewässert werden soll, der Sensor platziert. Das Wasser-Ventil lässt sich dank gängiger Schnellverschlüsse einfach zwischen Hahn und Schlauch setzen, der für die Bewässerung genutzt werden soll.

Sind alle Geräte an Ort und Stelle, richtet man in der App einen Bewässerungsbereich ein. Hier müssen nun Angaben zu Pflanzen- und Bewässerungsart (also Sprinkler, Tropfschlauch etc.) gemacht werden, ob der Bereich überdacht ist und natürlich welche Beschaffenheit der Boden hat. All das hat Einfluss auf die Bewässerung. Je nach gewählter Pflanzenart wird die empfohlene Bodenfeuchtigkeit eingestellt, sie kann jederzeit nachjustiert werden. Abschließend wird noch festgelegt, in welchen Zeitfenstern bei Bedarf bewässert werden darf.

Alltag: Im Test wurde Miyo zusammen mit einem Sprinkler für einen Bereich mit neu ausgesätem Rasen genutzt – und funktionierte tadellos. Obwohl Ventil und Sensor in recht schattigen Bereichen mit nur recht kurzer direkter Sonneneinstrahlung platziert waren, funktionierte die Energieversorgung tadellos.

Über die App kann jederzeit eingesehen werden, wie es um den Bereich steht. Vor allem die Statistik-Übersicht gefiel im Alltag. Hier werden alle gesammelten Daten (Bodenfeuchtigkeit, Lichteinstrahlung, Temperatur und erfolgte Bewässerung) über den Verlauf einer ganzen Woche dargestellt. Bei Bedarf kann per Tastendruck jederzeit – und von überall – die Bewässerung gestartet oder gestoppt werden.

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Gardena

Gartenriese Gardena hat im Gegensatz zu Miyo ein großes Sortiment an verschiedenen automatischen Bewässerungslösungen. Wirklich vollständig smart und ohne weiteres Zubehör nutzbar ist hier allerdings auch nur ein System bestehend aus Ventil („smart Water Control“), Sensor („smart Sensor“) und Basisstation („smart Gateway“). Das ist sehr vergleichbar mit dem Konkurrenzprodukt von Miyo. Bei Gardena werden Sensor und Ventil über klassische AA-Batterien mit Strom versorgt – die übrigens nicht beiliegen.

Einrichtung: Die Installation läuft ähnlich wie bei Miyo ab. Das smart Gateway kann jedoch auch per Wlan mit dem Router verbunden werden, was mehr Flexibilität beim Aufstellen bietet.

Für die Bewässerungsplanung werden ebenfalls verschiedene Parameter zu Pflanzen- und Bewässerungsart, Sonneneinstrahlung und Bodenart abgefragt. Anschließend erstellt die App automatisch einen Zeitplan für erlaubte Bewässerungszeiten, auf Wunsch wird dieser automatisch dem jeweiligen Sonnenaufgang angepasst.

Alltag: Wie bei Miyo auch sieht man in der App jederzeit, wie es gerade dem betreuten Bereich im Garten geht und kann diesen auf Wunsch manuell bewässern. Im Test wurde ein frisch angelegtes Gemüsebeet mit einer Gardena-Tropfbewässerungsleitung berieselt.

Die automatisch gewählte Bewässerungszeit am Morgen war in unserem Fall etwas knapp bemessen, das Wasser versickerte zu schnell im sehr sandigen Boden. Am Mittag zeigte der Sensor stets wieder trockenen Boden an. Wir konnten das automatische Zeitfenster zwar manuell anpassen, mussten dann allerdings auf die Sonnenaufgangsautomatik verzichten – schade.

Noch mehr Potenzial verschenkt Gardena derzeit aber dadurch, dass keinerlei Daten aufgezeichnet werden. Es sind nur stets die aktuellen Feuchtigkeits-, Licht- und Temperaturwerte sichtbar und ob im letzten Planzeitraum bewässert wurde oder nicht. Ein Verlaufsdiagramm wie bei Miyo gibt es derzeit leider nicht.

Fazit

Beide erfüllen ihren Zweck gut und passen sicher an typische Schlauchschnellverschlüsse. Im Alltag gefiel uns Miyo einen Tick besser: So spart man derzeit einerseits rund 150 Euro, muss sich dank Solar-Versorgung um Batterien keine Gedanken machen und bekommt stets einen informativen Überblick über Bewässerung, Licht und Temperaturdaten der zurückliegenden Woche.

Wer hingegen umfangreichere Bewässerung im Blick hat oder ein bestehendes System ansteuern möchte, sollte besser auf Gardena setzen, da sich etwa über das Gateway und die App via Steuerungsmodul „smart Irrigation Control“ (ab 200 Euro) auch Pumpen oder typische 24-Volt-Bewässerungsventile anderer Hersteller einbinden lassen. Zudem ist es gut möglich, dass Gardena den Funktionsumfang in der App noch nachbessert.