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Eier im Test: Schlechteste Note für Bio-Produkt von Aldi

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Vor Ostern haben Eier Konjunktur. Doch wie gut ist ihre Qualität? Und wie viele pro Woche sind gesund? Wir klären wichtige Fragen.

Berlin. Die deutschen Verbraucher lieben Eier. Im Schnitt isst jeder von ihnen etwa 220 Stück pro Jahr. Etwa 75 Prozent davon kommen aus heimischer Produktion, gelegt von über 50 Millionen Hennen. Seit 2004 muss auf dem unverarbeiteten, nicht gefärbten Ei stehen, wo es herkommt und wie die Hennen gehalten werden. Doch was verbirgt sich hinter den Bezeichnungen? Wie leben die Tiere, wie gut ist die Qualität der Eier und schadet ein übermäßiger Genuss der Gesundheit? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Haltungsformen gibt es?

Die Haltungsformen für Legehennen haben sich nach übereinstimmenden Angaben von Albert Schweitzer Stiftung und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Seit Januar 2010 ist es in Deutschland verboten, Legehennen in konventionellen Käfigen zu halten, erlaubt sind nur noch Käfige nach EU-Norm sowie Kleingruppenkäfige, die noch bis Ende 2025 oder – in Ausnahmen – bis 2028 zulässig sind. Darüber hinaus gibt es Boden-, Freiland- und Biohaltung.

Was macht die Haltungsformen aus?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes leben etwa 63 Prozent der Legehennen in Bodenhaltung, acht Prozent in Käfig-, 18 in Freiland- und etwa zehn Prozent in Biohaltung. Gemeinsam ist den Legehennen aller Haltungssysteme, dass sie dort dazu dienen, in hohen Mengen Eier zu legen. Deren Jahresleistung ist laut BMEL im Schnitt von 242 im Jahr 1980 auf 298 im Jahr 2017 gestiegen.

In den Kleingruppenkäfigen hat jedes Tier per Gesetz 800 Quadratzentimenter Platz. Das entspricht einem DIN A4 Blatt plus fünf Visitenkarten. Pro Käfig leben bis zu 60 Hennen. Die Käfige sind in mindestens drei Etagen übereinander angeordnet und haben Sitzstangen, Nester und Scharrbereiche. Nest- und Scharrbereich umfassen nochmals je 90 Quadratzentimeter pro Tier. „Das Platzangebot ist zu gering und die Strukturen werden den Bedürfnissen und Verhaltensweisen der Tiere nicht gerecht“, kritisiert der Deutsche Tierschutzbund.

In der Bodenhaltung werden die Legehennen in Hallen in Gruppen von bis zu 6000 Tieren bei einem Mindestplatzangebot von neun Tieren pro Quadratmeter gehalten. Ein Drittel der Gesamtfläche ist mit Streu versehen, der Rest besteht aus Gittern, Holz oder Kunststoff. Es gibt Sitzstangen Nester, Tränken.

Mitunter haben die Tiere bei der Bodenhaltung auch Volieren, in denen die Tiere trinken und fressen können. Die Bodenhaltung zeichnet sich durch „eine sehr künstliche Umgebung aus“, erklärt die Albert Schweitzer Stiftung.

Bei der Freilandhaltung gelten für die Hennen dieselben Bedingungen wie bei der Bodenhaltung. Tagsüber aber haben sie Auslauf im Freien, der zeitlich beschränkt sein kann. Der Auslauf umfasst vier Quadratmeter pro Tier, sollte überwiegend mit Büschen oder hohem Gras bewachsen sein und Möglichkeiten zum Unterschlupf bieten.

Die biologische Erzeugung unterscheidet sich von der Freilandhaltung nur in einigen Punkten: Die Tiere haben dort mehr Platz (sechs statt neun Tiere pro Quadratmeter) und leben in geringeren Gruppengrößen (3000 statt 6000 Tiere). Der Zugang zur Freiluft darf nicht beschränkt werden. Darüber hinaus gibt es diverse Auflagen zum Futter.

Wie sind Qualität und Preise?

Rechtzeitig vor dem Osterfest habe die Verbraucherschützer von Öko-Test 20 Produkte aus allen Haltungsformen getestet. „An den Eiern selbst gibt es nur wenig auszusetzen. In drei Bio-Eiern summieren sich kleine Mängel wie ein zu geringes Gewicht für die angegebene Gewichtsklasse oder Blutflecken im Ei“, heißt es in ihrem Bericht.

In puncto Schadstoffe und Keime gab es nur ein auffälliges Produkt – gesucht wurde nach Salmonellen, dem Pflanzenschutzmittel Fipronil und Dioxinen: Die „GutBio 6 frische Bio-Eier“ von Aldi Nord schöpften den Angaben zufolge den gesetzlich zulässigen Grenzwert für Dioxine zu 50 Prozent aus. Für Öko-Test zu viel.

Einige Dioxine stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen, andere haben sich in Tierversuchen als schädlich für die Zeugungsfähigkeit erwiesen. Die Preise für Bio-Eier schwankten zwischen 27 und 55 Cent pro Ei, die aus konventioneller Haltung zwischen 12 und 50 Cent.

Als empfehlenswert, weil qualitativ gut, anspruchsvoll bei Haltung und ohne das sinnlose Töten von männlichen Küken bei der Legehennenzucht, nennt Öko-Test die „Alnatura 6 Bio Eier“, die „Alnatura Origin 4 Bio Eier“, die „Huhn und Hahn 6 frische Eier mit Hahnenaufzucht“ und – mit Abstrichen – „Haehnlein 6 deutsche Bio-Eier“.

Auch Supermärkte denken inzwischen um: Rewe will noch in diesem Jahr den bundesweiten Verkauf von Eiern starten, deren Produktion ohne das Töten von Küken auskommt.

Was sollten Verbraucher beim Verzehr beachten?

„Wer einen hohen Cholesterinwert hat oder Herz-Kreislaufprobleme“, sagt Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm, sollte sich an die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) halten und nur drei Eier pro Woche essen. Ein Ei enthält etwa 400 Milligramm Cholesterin.

Gesunde und fitte aber könnten bei insgesamt gesundem Lebensstil auch ein bis zwei Eier pro Tag essen „und an Ostern auch mal drei“, sagt Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährungsmedizin im Kinderspital der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität. Denn: „Das Hühnerei spielt für den Cholesterinstoffwechsel eine weitaus geringere Rolle als die meisten denken.“ Das sind die zehn wichtigsten Regeln für gesundes Essen

Nur ein Teil des mit dem Ei aufgenommenen Cholesterins verbleibe auch im Körper. Laut DGE liefern Eier neben dem mitunter bedenklichen Cholesterin auch wichtige Vitamine, Vitamin A etwa, das gut sei für Augen oder Haut.

Wann ist ein Ei frisch?

Eier sind laut Angaben von Stiftung Warentest mindestens 28 Tage haltbar. Das Legedatum lässt sich ermitteln, wenn man vom Mindesthaltbarkeitsdatum 28 Tage abzieht. „Spätestens 18 Tage nach dem Legedatum sollte ein Ei gekühlt werden.

Um zu erkennen, wie frisch ein Ei ist, können Verbraucher es in ein Gefäß mit kaltem Wasser legen. Frische Eier sinken zu Boden. Ein guter Test also, denn meist halten Lebensmittel viel länger als angegeben. Mit diesen 5 Tipps erkennt man, ob Lebensmittel noch genießbar sind(Kai Wiedermann, mit dpa)