Zahlungsmittel

Schwarz, Gold, Platin – Was bringen Premium-Kreditkarten?

Kreditkarten verschiedener Hersteller in verschiedenen Premium-Varianten.

Kreditkarten verschiedener Hersteller in verschiedenen Premium-Varianten.

Foto: istock / iStock

Hotels, Mietwagen – ohne „Plastikgeld“ geht es oft nicht. Doch viele Anbieter locken mit Zusatzleistungen. Lohnen sich die Edelkarten?

Berlin.  Brauche ich eine Platin-Kreditkarte, auch wenn ich kein Golfer bin? Golfspieler und Vielflieger sind bei den großen Kreditkartenanbietern richtig: American Express und Diners Club, aber auch die am weitesten verbreiteten Karten von Mastercard und Visa setzen in ihren Edel-Varianten auf diese Klientel – und bieten ihnen „Golf Fee Cards“ und weltweiten Zugang zu Flughafen-Lounges.

Aber die Platin-Kreditkarten werden ohnehin eher als Prestigeobjekt denn als Zahlungsmittel vermarktet. Bei einem Preis von 600 Euro Jahresgebühr für die American Express Platinum Card oder von etwa 250 Euro für eine Mastercard Platinum ist klar: Diese Karten muss man sich leisten können.

Zusatzleistungen erkauft man mit höherem Jahrespreis

Für den Normalkunden stellt sich eher die Frage, ob er mit der Standardvariante gut genug bedient ist oder ob die goldene Kreditkarte so viele echte Vorteile bietet, dass sie den Mehrpreis wert ist. Denn die Zusatzleistungen erkauft man sich mit einem höheren Jahrespreis.

Die Rechnung sieht am Beispiel einer typischen Sparkassen-Mastercard so aus: Die Standard-Variante gibt es für 30 Euro im Jahr, die Gold-Variante für 70 Euro und die Platin-Variante für 250 Euro. Zu den diversen Zusatzleistungen der Platin-Karte gehören etwa kostenfreie Bargeldauszahlung im Ausland, Reiseversicherungen und Reise-Notfallservices, Zutritt zu Flughafen-Lounges, ein „Concierge-Service“ und Rabatte bei zahlreichen Golfplätzen.

Aber sind die Extras das Geld auch wert, das sie kosten? Wenn man genau hinschaut, zeigt sich: Die kostenfreie Bargeldauszahlung im Ausland – ein tatsächlich handfestes Plus – bietet auch schon die Gold-Karte. Und viele der „Vorteile“ beim Platin-Status sind in Wirklichkeit Rabatte beim Einkauf bei bestimmten Partnern des Kreditkartenanbieters.

Preisvorteile helfen nicht immer beim Sparen

So wird man, Beispiel Mietwagenbuchung, zu den Angeboten eines bestimmten Anbieters gelenkt, der Kooperationspartner des Kreditkartenanbieters ist. Nicht ausgeschlossen also, dass der vergünstigte Preis dort höher liegt als der Normalpreis bei der Konkurrenz. Das „Sparen“ durch Vorzugsangebote bei ganz bestimmten Läden und Online-Shops kann daher auch nur ein scheinbarer Vorteil sein.

Einen konkreten Mehrwert liefern dagegen die Versicherungspakete, die alle Kreditkartenanbieter mitliefern. Man wird vor dem Urlaubsantritt krank? Oder erkrankt im Urlaub und braucht medizinische Versorgung? Oder man hat im Ausland einen Autounfall?

Für diese Fälle sollte man Vorsorge getroffen haben – und grundsätzlich bieten dies die enthaltenen Versicherungen; interessant sind sie daher insbesondere für Kartenkunden, die häufig ins Ausland reisen, ob nun für private Urlaubsreisen oder geschäftlich. Generell gilt: Je teurer die Karte, desto umfangreicher der Schutz und desto höher die maximalen Deckungs- und Entschädigungssummen.

Bei Versicherungen hilft der Blick ins Kleingedruckte

Zu den typischen Zusatzleistungen beim Gold-Status gehören eine Reiserücktrittsversicherung, eine Auslandsreisekrankenversicherung und ein Auslands-Kfz-Schutzbrief. Wer diese Risiken jedoch schon anderweitig abgesichert hat, der braucht keine zweite derartige Versicherung im Rahmen der Kreditkarte – Doppelversicherungen bringen keine doppelten Leistungen.

In aller Regel gibt es Leistungen aus diesen Policen nur dann, wenn der Versicherungsfall sonst nicht abgedeckt wäre. Aber selbst wenn die Versicherung der Kreditkarte greift: Am Ende kann es dazu kommen, dass man auf einem Teil der entstandenen Kosten sitzen bleibt.

Um solchen Ärger zu vermeiden, sollte man sich vor Abschluss genau die Leistungseinschränkungen anschauen. Manche Reiseversicherungen treten etwa nur dann ein, wenn die Reise mit der Kreditkarte bezahlt wurde oder wenn sie bei einem bestimmten Reiseanbieter gebucht wurde. Manchmal gilt die Versicherung wiederum nur für den Karteninhaber selbst, sofern dieser nicht den Versicherungsschutz für weitere Familienmitglieder hinzugebucht hat.

Verbraucherschützer raten von Versicherungen über Kreditkarte ab

Im Schadensfall ist zudem eine Selbstbeteiligung üblich. Bei einigen Kartenmodellen gelten zudem Kappungsgrenzen für den einzelnen Schaden oder für den Fall, dass mehrere Schäden in einem Kalenderjahr eintreten. Josefine Lietzau vom unabhängigen Verbraucherportal Finanztip rät deshalb: „Verbraucher sollten die Versicherung und die Kreditkarte getrennt abschließen. Schließlich bringt eine Versicherung nichts, wenn sie günstig ist, aber nicht greift. Zudem ist es für Verbraucher oft günstiger, eine gute kostenlose Kreditkarte abzuschließen und unabhängig davon gute Reiseversicherungen.“

Auch die Verbraucherzentralen empfehlen, Kreditkarte und Versicherungen nicht zu koppeln. Auf jeden Fall sollte man die Versicherungsbedingungen genau vergleichen. Am Markt sind Auslandsreisekrankenversicherungen, bei der die ganze Familie und nicht nur der Karteninhaber abgedeckt ist, zwischen 20 und 30 Euro Jahresbetrag zu haben.

DKB und ING bieten kostenfreie Visa-Karte an

Wenn mit der Kreditkarte ein vergleichbar gutes Angebot verbunden ist – warum nicht? In der Praxis aber, so Lietzau, „ist die Absicherung durch die Versicherungen meist nicht gut genug.“

Entscheidend bei der Wahl einer Kreditkarte ist letztendlich, welche Anforderungen man an die Karte hat. Wer sie lediglich dazu benutzt, um im Ausland einzukaufen oder sich mit Bargeld zu versorgen, der kann sogar ganz um die Jahresgebühr herumkommen: Die DKB und die ING beispielsweise legen zum Girokonto eine Visa-Standardkarte drauf – gebührenfrei.

Bei Barclaycard und Santander entfällt außerdem die Gebühr beim Bezahlen in Fremdwährungen; bei diesen Kartenmodellen jedoch gibt es einen Haken: Automatisch abgebucht wird nur eine Rate, aber nicht die gesamte Summe der Zahlungen, sodass man selbst aktiv werden und den restlichen Betrag überweisen muss, um hohe Kreditzinsen zu vermeiden.

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