Kommentar

Wirtschaft in der Corona-Krise: Pflicht zur Spaßbremse

Beispielloser Wirtschaftseinbruch wegen Corona-Pandemie

Die deutsche Wirtschaft ist wegen der Coronavirus-Pandemie im zweiten Quartal 2020 um mehr als zehn Prozent eingebrochen, das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1970.

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Deutschland wird die Corona-Krise wirtschaftlich gut überstehen – trotz historischem Einbruch der Konjunktur, glaubt Finn Mayer-Kuckuk.

Berlin. Die Wirtschaftsleistung ist im Corona-Quartal noch stärker abgestürzt als befürchtet. Angesichts der aktuellen steigenden Infektionszahlen machen Geschäftsleute sich daher große Sorgen: Es ist nicht gelungen, die Infektionsherde ganz zu ersticken; die Katastrophe wird sich also hinziehen, bis im kommenden Jahr die ersten Impfstoffe auf den Markt kommen. Wer in den vergangenen Monaten gerade so eben durchgehalten hat, muss nun befürchten, an der schieren Dauer der Krise zu scheitern.

Noch größere Sorge als die Lage in Deutschland macht dabei die internationale Entwicklung. In den USA führt das schlechte Krisenmanagement zu einem Schrecken ohne Ende mit hohen Sterbezahlen. Hier wird auch die Wirtschaft noch länger und stärker leiden. Das ist der Preis für verfrühte Lockerungen. Er wird für viele Monate zu zahlen sein. Das belastet besonders die Exportindustrie noch lange und nachhaltig.

Corona: Kompromiss zwischen Infektionseindämmung und Wirtschaftserholung

Doch die zweite Welle wird trotz alledem nicht noch einmal wie ein Tsunami auf die Wirtschaft niedergehen. Sie wird zwar einen erneuten Konjunkturdurchhänger bringen. Doch im März traf das Virus die großen Volkswirtschaften weitgehend unvorbereitet. Die radikalen Schließungen waren Mittel der Verzweiflung, um seine Ausbreitung vorerst zu stoppen. Zumindest Europa und Asien sind nun deutlich besser vorbereitet.

Inzwischen ist viel genauer bekannt, unter welchen Umständen das Virus sich verbreitet. Ein neuer Katalog von Maßnahmen würde viel gezielter ansetzen und das Wirtschaftsleben dadurch weniger unterbrechen. Während der ersten Welle mangelte es zudem an allem: an Tests, an Masken, an Plexiglastrennwänden, an eingespielten Abläufen, an Erfahrung mit dem Erreger. Inzwischen ist Deutschland so gut auf Covid-19 eingestellt, wie ein Land es nur sein kann.

Die deutsche Regierung muss nun alles tun, um im weiteren Verlauf einen guten Kompromiss zwischen Infektionseindämmung und Wirtschaftserholung zu schaffen. Dazu gehört es auch, unbequeme Wahrheiten zu verkünden und notfalls als Spaßbremse aufzutreten. Wo es geht, sollten Menschenansammlungen vermieden werden – vor allem Partys, auf denen sich das Virus weit verteilen kann.

Klare Ansagen und Einsicht der Bevölkerung sind wichtig

Es gehören weiterhin Masken vor den Mund. Wo immer möglich, sollten die Mitarbeiter im Homeoffice bleiben. Kleinere Opfer bei der persönlichen Bequemlichkeit müssen selbstverständlich bleiben, um da, wo

es zählt, möglichst viel offen halten zu können. Der Bundesgesundheitsminister hat begonnen, wieder klarere Ansagen zu machen . Was jetzt folgen muss, ist mehr Einsicht in der Bevölkerung. Derzeit grassieren Sorglosigkeit und Egoismus so schlimm wie die Infektion selbst.

. Und bei schönem Wetter erscheint das Virus weit weg zu sein. Doch das ist es nicht. Corona bleibt gefährlich, sich selbst und andere zu schützen oberstes Gebot.

Die Krise kann auch neue Chancen schaffen

Es gibt jedoch auch Lichtblicke. Bis jetzt verläuft die globale Wirtschaftsentwicklung trotz des unerwartet tiefen Absturzes der deutschen Wirtschaft im Großen und Ganzen entlang der Prognosen von Ökonomen. Auch neue Probleme in der kalten Jahreszeit sind in der Vorhersage schon enthalten. Für die Eurozone erwarten Fachleute der EU 2020 zwar einen Rückgang um 8,7 Prozent.

Für 2021 rechnen sie dann wieder mit einem Wachstum von mehr als sechs Prozent. Das hilft natürlich denen nur wenig, die jetzt vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Doch Deutschland ist in guter wirtschaftlicher Verfassung in die Krise hineingegangen. Es wird sie, wie jede Krise, hinter sich lassen. Dann entstehen neue Chancen – für alle.