Rentenversicherung

Rente: In Westdeutschland 2021 womöglich keine Erhöhung

In Rente gehen vor 63 Jahren – so wird es möglich

Wer lange und hart gearbeitet hat, freut sich auf den Ruhestand – endlich ausschlafen, reisen oder sich ausgiebig um die Enkel kümmern. Zwei Modelle machen den Austritt noch vor 63 Jahren möglich.

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Die Deutsche Rentenversicherung rechnet nach jahrelangen Rentenerhöhungen mit geringen bis gar keinen Anstiegen in Westen und Osten.

Berlin. Die Deutsche Rentenversicherung rechnet nach jahrelangen Rentenerhöhungen im nächsten Jahr im Westen mit einer Nullrunde – erstmals seit 2010. Auch im Osten sieht es nicht besser aus: Dort erwartet sie einen Anstieg um lediglich 0,7 Prozent. Das sagte der Vorstandsvorsitzende Alexander Gunkel bei einer Bundesvertreterversammlung der Rentenversicherung Bund am Donnerstag.

Nach derzeitigem Stand sei davon auszugehen, dass die Renten im Westen im kommenden Jahr nicht steigen werden, so Gunkel. Die Beitragszahlenden müssen nach der Einschätzung für 2021 auch mit höheren Beiträgen rechnen. Nach der Vorausberechnung bleibe der Beitragssatz zwar 2021 konstant bei 18,6 Prozent, sagte Gunkel, das Niveau werde vermutlich aber nicht haltbar sein.

Einen Ausfall der Rentenerhöhung hatte es zuletzt 2010 gegeben – im Jahr nach der Finanzkrise. Seither gab es jährlich zum Teil deutliche Erhöhungen der Rente. Auch ab Juli dieses Jahres steigen die Renten für etwa 21 Millionen Rentner und Rentnerinnen um 4,2 Prozent im Osten und 3,45 Prozent im Westen. Lesen Sie hier: So viel mehr Rente kriegen Rentner ab dem 1. Juli

Was ist aber der Grund für die deutlich niedrigere Erhöhung im nächsten Jahr?

Rente: Definitive Anpassung kommt erst im Frühjahr

Die Grundlage für die jährliche Anpassung ist unter anderem die Lohnentwicklung im Vorjahr. Mit Blick auf die andauernde Corona-Krise sagte Gunkel, die Annahmen bauten auf sinkenden Durchschnittslöhnen und einer niedrigeren Zahl an Beitragszahlenden auf. Immerhin: Rentenkürzungen, so Gunkel, seien durch eine gesetzliche Schutzklausel allerdings ausgeschlossen. Umfrage: 80 Prozent der Deutschen haben Angst vor Altersarmut

Den erwarteten leichten Anstieg im Osten im Vergleich zur möglichen Nullrunde im Westen erklärt die Rentenversicherung mit der sogenannten Angleichungstreppe: Bis 2024 wird der Rentenwert im Osten schrittweise an den im Westen angepasst. Irgendwann sollen beide gleichauf sein.

Wie die Rentenanpassung 2021 letztlich ausfallen wird, entscheidet sich allerdings erst im nächsten Jahr. Die jährliche Anpassung wird von der Bundesregierung per Verordnung üblicherweise im Frühjahr festgelegt, der Bundesrat muss zustimmen. Finanzamt: Welche Folgen die Rentenerhöhung im Juli für die Steuererklärung hat

Rente: Auch Beitragssatz wird voraussichtlich erhöht

Die Corona-Krise werden aber wahrscheinlich nicht nur die Rentner und Rentnerinnen zu spüren bekommen. Nach Einschätzung der Rentenversicherung gibt es auch Änderungen für die Beitragszahlenden.

Der Beitragssatz solle demnach 2021 konstant bei 18,6 Prozent liegen, sagte Gunkel. Das Niveau wird demnach aber nicht, wie noch vor der Corona-Krise angenommen, bis 2024 zu halten sein. Der Beitragssatz könnte Gunkel zufolge bereits vor 2024 steigen und bis 2025 wahrscheinlich 20 Prozent erreichen.

Rente: Hubertus Heil will Reform noch dieses Jahr angehen

Bei 20 Prozent ist per Gesetz aber eine sogenannte Haltelinie eingezogen. Weiter darf der Satz bis 2025 nicht ansteigen. Für die Zeit danach hatte eine Kommission aus Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertretern, Wissenschaftlern und Fachpolitikern Reformvorschläge vorgelegt. Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, hatte danach angekündigt, noch in diesem Jahr die langfristige Rentenreform angehen zu wollen.

„Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise lassen sich derzeit nur sehr schwer abschätzen“, sagte Gunkel. Die starke Zunahme der Kurzarbeit und auch die gestiegene Arbeitslosigkeit infolge der Pandemie wirken sich seinen Angaben zufolge bei der Rentenversicherung begrenzt aus, da auch bei Kurzarbeit mindestens Beiträge in Höhe von 80 Prozent des bisherigen Entgelts gezahlt würden und die Bundesagentur für Arbeit Rentenversicherungsbeiträge für Empfänger und Empfängerinnen von Arbeitslosengeld I zahle. Für 2020 rechnet Gunkel mit einem Defizit von etwa 4,3 Milliarden Euro in der Rentenkasse. (dpa/reb)