Asylbewerber

Flüchtlinge: Deutschland ist Hauptzielland für Asylbewerber

Rekord-Zahl an Flüchtlingen weltweit

Die Zahl der Flüchtlinge ist im vergangenen Jahr auf ein weltweites Rekordhoch gestiegen. Laut dem UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR waren 2019 fast 80 Millionen Menschen auf der Flucht. Das waren fast neun Millionen Menschen mehr als im Vorjahr.

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Deutschland bleibt für Asylbewerber das Hauptzielland in Europa. Doch der Anteil der Menschen, die nach Deutschland wollen, sinkt.

Brüssel. Deutschland bleibt für Asylbewerber das Hauptzielland in Europa. Das geht aus dem neuen Jahresbericht der EU-Asylagentur EASO hervor, der am Donnerstag in Brüssel vorgestellt wird. Danach kamen 2019 22 Prozent aller Asylbewerber in der EU nach Deutschland (insgesamt 165.615), gefolgt von Frankreich (17 Prozent, 128.940) und Spanien (16 Prozent, 117.795).

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge in Deutschland – also auch der in den Vorjahren eingereisten – gibt die EU-Behörde mit 1,1 Millionen an, etwa die Hälfte davon Syrer. Deutschland sei damit 2019 im globalen Vergleich nach der Türkei, Pakistan und Uganda das Land gewesen, das insgesamt am meisten Flüchtlinge aufgenommen habe. Doch hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein überraschender Trend: Deutschland steht inzwischen weniger im Zentrum des Flüchtlingszustroms in Europa als in den Vorjahren.

Asylbewerber: Der Anteil der Menschen, die nach Deutschland wollen, sinkt

Noch 2017 wollte jeder dritte EU-Asylbewerber Schutz in Deutschland. Aber jetzt sinkt der Anteil, weil auch die Antragszahlen in Deutschland zurückgehen, 2019 betrug das Minus 10 Prozent - in der EU insgesamt geht die Kurve dagegen erstmals seit vier Jahren wieder nach oben. 738.425 Asylanträge zählt die Behörde, 11 Prozent mehr als im Vorjahr.

Und in den ersten Monaten 2020 gab es sogar einen weiteren Anstieg um 16 Prozent. In Ländern wie Zypern, Frankreich, Griechenland, Malta und Spanien sei der Druck inzwischen größer als während der Flüchtlingskrise 2015, so der Report.

Drastischer Einbruch der Asylzahlen wegen Corona

Weniger in Deutschland, mehr in Europa: Grund dafür sind auch die zunehmenden Asylanträge von Menschen aus Lateinamerika. Sie kommen vor allem aus Venezuela (die Anträge verdoppelten sich voriges Jahr auf rund 45.000 und Kolumbien (eine Verdreifachung auf 32.000). Flüchtlinge aus diesen und weiterer Staaten Lateinamerikas dürfen ohne Visum in die EU einreisen. Inzwischen machen Migranten, die – meist im Flugzeug – legal ohne Visa nach Europa kommen und dann hier um Schutz nachsuchen, ein Viertel aller Asylbewerber in der EU aus; der Trend nimmt zu.

Hintergrund: Die EU-Grenzschutzagentur warnt vor Eskalation an der griechisch-türkischen Grenze

In den vergangenen Monaten sind die Asylzahlen wegen Corona drastisch eingebrochen: Die Asylbehörde spricht von einem Rückgang um 87 Prozent, im April wurden so wenig Anträge registriert wie zuletzt 2008. Doch die Experten lassen keinen Zweifel daran, dass schon bald mit einer deutlichen Zunahme der Schutzsuchenden zu rechnen ist.

Es gebe keinen Hinweis auf nachlassenden Druck, die EU-Staaten müssten sich auf steigende Asylbewerberzahlen einstellen, so der Report. Mittelfristig werde auch die Corona-Krise dazu beitragen – wegen der Auswirkungen der Pandemie auf arme Länder erwarten die Experten neue Flüchtlingsbewegungen.