Corona-Pandemie

Corona in den USA – Eigene Experten widersprechen Trump

Trump nennt Corona-Lage in den USA "großartig"

In den USA sind bereits mehr als 120.000 Tote registriert worden - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Das Krisenmanagement von US-Präsident Donald Trump steht dabei immer wieder in der Kritik. Zuletzt bezeichnete er die Situation als "großartig". Präsidentenberater Anthony Fauci schätzt die aktuelle Lage jedoch ganz anders ein.

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Trump will als Reaktion auf die stark steigenden Infektionszahlen weniger Testen. Dafür erntet er Kritik von den eigenen Experten.

Washington. 

  • In vielen Bundesstaaten der USA steigen die Infektionszahlen wieder stark an
  • Präsident Donald Trump verlegt einen Wahlkampfauftritt in ein Gebiet mit weniger Corona-Beschränkungen
  • Führende Experten widersprechen dem Präsidenten wegen Corona-Tests
  • Umfragewerte für Trump sinken weiter

Aus den täglichen Wie-findet-Amerika-mich?-Umfrage-Daten, die seine Berater ihm am Mittwoch auf den Tisch legten, dürften diese drei Donald Trump besonders beunruhigt haben: Nur 37 Prozent der Amerikaner sind mit dem Krisen-Management des Präsidenten zufrieden. So wenige wie nie seit Beginn der Coronavirus-Pandemie, die in den USA bisher für 121.000 Tote und 2,3 Millionen Infizierte steht.

Trumps Entscheidung, seinen “Krönungsparteitag” für die Nominierung zur Wiederwahl von Charlotte in North Carolina nach Jacksonville in Florida zu verlegen trifft auf Widerstand. In Charlotte hat der zuständige Gouverneur hohe Sicherheitsauflagen gemacht. In Jacksonville gehen die Behörden laxer mit Abstandsregeln um.

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Corona-Hotspot dank Wahlkampfveranstaltung von Trump?

70 Prozent der Wähler im Norden Floridas fürchten nun, dass die “Convention” Ende August nicht nur Zigtausende Polit-Touristen bringt – sondern auch das Virus. Und: Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden hat laut New York Times seinen Vorsprung auf 50 Prozent der Wählerstimmen ausgebaut. Trump rangiert bei 36 Prozent.

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Der amtierende Präsident der USA verkündete früh den Sieg über das Coronavirus und redete über die Genesung der am Boden liegenden Wirtschaft sowie die rasche Wieder-Eröffnung des Landes. Wie groß sein Dilemma jetzt ist, zeigte sich bei einer Anhörung seiner Top-Experten im Kongress.

Trump erntet Widersprüche seiner führenden Experten

Anthony Fauci, der führende Immunologe, Robert Redfield, der Chef der Seuchenschutzbehörde CDC und Admiral Brett Giroir, Trumps “Corona-Zar”, zeichneten ein alarmierenden Bild: In der Hälfte der 50 Bundesstaaten zeigt die Infektionskurve wieder steil nach oben. Zuwächse von 25 Prozent sind die Regel. Einige Regionen, Texas, Arizona und Florida zum Beispiel, melden Steigerungsraten von 50 Prozent, 70 Prozent und mehr.

Allein in Texas sind am Dienstag rund 5500 Erkrankungen gemeldet worden. Seit zehn Tagen steigt dort die Zahl der Einlieferungen in Krankenhäuser stetig an. Was Gouverneur Greg Abbott zu einer bemerkenswerten Kehrtwende veranlasste, die an die Lockdown-Warnungen aus April erinnerte: “Der sicherste Ort für euch sind die eigenen vier Wände”, sagte der Republikaner in klarer Abgrenzung zu Trump, der die Amerikaner seit Wochen bedrängt, sich in Wirtschaft und Alltag möglichst frei zu bewegen.

Trump scherzt nicht über weniger Tests

Ginge es nach dem Präsidenten, könnte die Stimmungslage im Land ad hoc verbessert werden, wenn man einfach die Schlagzahl bei den Corona-Tests (ein „zweischneidiges Schwert“) verringert. Darum habe er die Experten um Fauci & Co. gebeten, sagte Trump am Wochenende. Was das Weiße Haus zunächst als “Scherz”-Versuch Trumps abtat, bekam neues Gewicht, als Trump später Dienstag erklärte: “Ich mache keine Witze.”

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Der Tonlage passten sich Fauci, Redfield und Giroir an. Sie erklärten den Parlamentariern durch die Blume, wie falsch Trump liegt. Danach könne von einer Drosselung bei den Tests überhaupt kein Rede sein. Im Gegenteil. “Selbst 500.000 am Tag sind nicht genug”, sagte Admiral Giroir. Zudem sei der wahre Grund für den rasanten Anstieg – Amerika meldet zurzeit pro Tag rund 30.000 Infektionen – in der vielfachen Lockerung von Corona-Beschränkungen im öffentlichen Leben zu suchen.

Trumps Vize findet Befürchtungen übertrieben

Anthony Fauci, der Trump regelmäßig widerspricht, warb inständig darum größere Menschenansammlungen zu meiden – oder ausschließlich mit Atemschutzmasken aufzusuchen. “In den nächsten Wochen entscheidet sich, ob wir den Besorgnis erregenden Anstieg unter Kontrolle kriegen.”

Im Kontrast dazu stehen Äußerungen von Vizepräsident Mike Pence. Er nannte die Befürchtungen über eine zweite Corona-Welle im “Wall Street Journal” übertrieben. In das gleiche Horn stieß der oberste Wirtschaftsberater Larry Kudlow, ehemaliger TV-Moderator, der bereits Ende Februar verkündete, Amerika habe Corona “fast luftdicht” unter Kontrolle. Fauci dazu: „Lasst uns erst die erste Welle überstehen.“

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