Konflikt

Nordkorea sprengt Verbindungsbüro an Grenze zu Südkorea

Nordkorea sprengt Verbindungsbüro

Die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea nehmen zu: Nun hat der Norden ein Büro gesprengt, das eigentlich als Symbol der Versöhnung beider Länder galt.

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Seit Jahren fühlt sich Nordkorea von Flugblattaktionen südkoreanischer Aktivisten provoziert. Nach Drohungen eskalierte die Lage nun.

Seoul. Wieder einmal eskaliert der Konflikt an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea. Nach südkoreanischen Angaben hat Nordkorea das innerkoreanische Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong gesprengt. Wie eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul mitteilte, geschah die Sprengung am frühen Dienstagnachmittag (Ortszeit).

Das Verbindungsbüro diente als wichtiger Kommunikationskanal zwischen den beiden offiziell verfeindeten Staaten. Der Konflikt der Ländern gewinnt in der letzten Zeit immer mehr an Brisanz. Nordkorea fühlte sich zuletzt durch eine neue Propagandaflugblatt-Aktion südkoreanischer Aktivisten Ende Mai provoziert.

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In Zusammenarbeit mit Nordkoreanischen Überläufern werden seit Jahren mithilfe von Ballons Flugblätter über die Grenze nach Nordkorea geschickt. Besagte Flugblätter richten sich gegen die Führung in Pjöngjang unter Machthaber Kim Jong Un und seine Ambitionen dem Land Atomwaffen zu verschaffen. Die nordkoreanische Führung wirft dem südkoreanischen Pendant vor, nichts gegen diese Kampagne zu unternehmen.

Propagandaministerin bezeichnet Aktivisten als Abschaum

Nach der Aktion im Mai hatte die Nordkoreas Propagandaministerin Kim Yo Jong, die auch die jüngere Schwester von Kim Jong Un ist, die Überläufer als menschlichen Abschaum bezeichnet.

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Als Reaktion auf die Ballonaktion hatte Yoh Sang-Key, Sprecher des südkoreanischen Ministeriums für Vereinigung, angekündigt Anklage gegen zwei Gruppen zu erheben, die Ballons mit Flugblätter über die Grenze geschickt hatten. Die Aktion habe „Spannungen zwischen dem Norden und dem Süden erzeugt und das Leben und die Sicherheit der südkoreanischen Bürger in der Grenzregion gefährdet“, sagte Yoh Sang-Key

Nordkorea kündigte an die Kommunikationsleitungen zum Süden zu kappen und setzte dies auch vor wenigen Tagen in die Realität um. Zuvor hatte die kommunistische Führung in Pjöngjang mit dem Rückzug aus einem bilateralen Militärabkommen von 2018 über vertrauensbildende Maßnahmen und auch mit der Schließung des Verbindungsbüros gedroht.

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Militär prüft Einsatz von Soldaten

Auch könnten laut Nordkoreas Militär bereits „entmilitarisierte“ Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten besetzt werden. „Unsere Armee beobachtet die Lage genau, in der sich die innerkoreanischen Beziehungen zusehends verschlechtern“, erklärte die Armeeführung des international isolierten Landes.

Es würden Pläne der Regierung und der Arbeiterpartei geprüft, wonach die Armee wieder in Zonen vorstoßen könne, die unter dem Abkommen zwischen den beiden Ländern entmilitarisiert worden seien, wurde der Generalstab von den Staatsmedien zitiert.

(dpa/jas)