Corona-Pandemie

Männer oder Frauen? Wer besser durch Krisen führt

Merkel: "Kein Land kann die Krise allein lösen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die internationale Gemeinschaft zum gemeinsamen Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie aufgerufen. "Wir müssen gemeinsam handeln", sagte Merkel in einer Grußbotschaft zum Auftakt der Jahrestagung der Weltgesundheitsversammlung.

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Neuseeland, Norwegen, Finnland und Deutschland: Viele Länder mit guter Corona-Bilanz werden von Frauen regiert. Woran das liegen könnte

Berlin. Im Kampf gegen das neuartige Coronavirus schlagen sich einige Länder besser als andere: In Neuseeland beispielsweise, das fünf Millionen Einwohner hat, wurden bislang lediglich 1153 Infektionen und 21 Todesfälle verzeichnet. Bereits Ende April gab Premierministerin Jacinda Ardern bekannt, den „unkontrollierten Ausbruch“ der Lungenkrankheit Covid-19 gestoppt zu haben.

Auch Norwegen hat das Coronavirus vergleichsweise schnell in den Griff bekommen. Laut Ministerpräsidentin Erna Solberg soll das Land sogar noch vor dem Sommer zur völligen Normalität zurückkehren. Seit Ausbruch der Pandemie wurden dort lediglich 233 Todesfälle gezählt.

Führung in der Corona-Krise: Frauen zeigen Mitgefühl

Daneben kommen auch Island (zehn Todesfälle), Norwegen (233), Finnland (301), Dänemark (561) und nicht zuletzt Deutschland (8193) auffallend gut durch die Krise. Sie alle haben – neben einem sehr guten Gesundheitssystem – auch das gemeinsam: Sie werden von Frauen regiert.

Ein Muster, das auch von internationalen Medien bemerkt wird. “Was Menschen jetzt brauchen, sind Anführer mit Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und der Fähigkeit, Solidarität zu bekunden – Fertigkeiten, zu denen weibliche Regierungschefs eher zu neigen scheinen als männliche“, heißt es beispielsweise in einem Artikel des amerikanischen Fernsehsenders „CNN“.

Taiwan verzichtet auf Ausgangsbeschränkungen

Tatsächlich könne man das gekonnte Krisenmanagement betreffender Länder durchaus auf einen eher weiblichen Führungsstil zurückführen, ist Politologe und Psychologe Moritz Kirchner vom Institut für Kommunikation und Gesellschaft überzeugt. „Frauen führen im Durchschnitt kooperativer und risikovermeidender“, sagte er unserer Redaktion. So hätten sich weibliche Regierende während der Corona-Krise eher für frühe Eindämmungsmaßnahmen entschieden, statt Experimente zu wagen.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen beispielsweise beschloss bereits im Januar zahlreiche Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Und dass, ohne auf Ausgangssperren zurückgreifen zu müssen. Dazu zählten auch die Errichtung einer gesonderten Kommandozentrale und eine Steigerung der Produktion persönlicher Schutzausrüstung. Mit Erfolg: Taiwan hat bislang lediglich sieben Todesopfer zu beklagen.

Weibliche Regierende müssen dialogischer sein

Auch Politikwissenschaftlerin Claudia Wiesner von der Hochschule Fulda hält den Erfolg weiblicher Regierender in der Corona-Krise nicht für einen Zufall. „Frauen müssen bestimmten Erwartungen entsprechen, um ins Amt gewählt zu werden. Würden sie ähnlich machohaft auftreten, wie Donald Trump, würden sie niemand wählen“, sagte sie unserer Redaktion.

Um an die Spitze eines Landes zu gelangen, müssten weibliche Regierende dialogischer sein, im Team führen und nicht zuletzt verschiedene Meinungen und Akteure einbinden. Kompetenzen, die sich in Krisenzeiten bewähren.

Trump überschätzt sich, Merkel vertraut auf Experten

Dass die Demut der weiblichen Regierenden entscheidend für deren erfolgreiches Corona-Management ist, glaubt auch Kirchner. „Sie wissen, was sie nicht wissen.“ Ihre fehlende Eitelkeit mache es ihnen einfacher, Widerspruch und Dissens auszuhalten.

Während der amerikanische Präsident Donald Trump mit Therapie-Tipps Kontroversen auslöst, vertraut die deutsche Kanzlerin auf die Expertise von Virologen und Epidemiologen und bindet im Kampf gegen Corona auch ihren einstigen Kritiker, Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), mit ein.

Narzissten gegen Nicht-Narzissten

Des Weiteren würden weibliche Regierende mit empathischer Kommunikation überzeugen. Als Beispiel nennt Kirchner neben Jacinda Ardern auch Kanzlerin Merkel: „Sie weiß um die Anstrengungen, die Ausgangssperren und Kontaktverbot für die Bevölkerungen bedeuten und spielt das nicht herunter. Gleichzeitig macht sie den Ernst der Lage sehr deutlich.“

Letztlich geht es bei der Einschätzung erfolgreichen Krisenmanagements aber weniger um den Vergleich zwischen Frauen und Männern als vielmehr „um den von Narzissten und Nicht-Narzissten“, so der Politologe. Schließlich bestünde die Riege männlicher Autokraten, deren Politik während der Krise versagt habe, aus ebendiesen.

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