Weltgesundheitsorganisation

Corona-Krise: Trump attackiert Weltgesundheitsorganisation

Trump "nicht glücklich" über China, WTO und WHO

US-Präsident Donald Trump hat im Streit mit China um den Umgang mit der Coronavirus-Pandemie den Ton verschärft. Auch die Welthandels- und der Weltgesundheitsorganisation nahm er aufs Korn.

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Trump beschimpft die WHO und droht mit Austritt. Entwicklungsminister Müller betont Verantwortung Pekings bei der Pandemiebekämpfung.

Berlin. Es war wieder eine Verbalkeule der besonderen Art. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sei eine „Marionette Chinas“, polterte US-Präsident Donald Trump. Er machte die in Genf sitzende Unter-Organisation der UN für die hohe Anzahl der Toten in der Corona-Krise mitverantwortlich.

An den WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus schrieb er: „Es ist klar, dass die wiederholten Fehltritte, die Sie und Ihre Organisation sich bei der Reaktion auf die Pandemie geleistet haben, die Welt extrem teuer zu stehen gekommen sind.“ Sollte sich die WHO in den nächsten 30 Tagen nicht zu „wesentlichen Verbesserungen“ verpflichten, werde er Amerikas Zahlungen an die Organisation einstellen und die Mitgliedschaft seines Landes überdenken, drohte Trump.

Kritiker: Trumps Attacke auf die WHO ein Ablenkungsmanöver

Kritiker werfen dem Präsidenten vor, im US-Wahljahr einen Feldzug gegen die WHO zu starten, um von eigenen Versäumnissen abzulenken. Bis Dienstag waren in den Vereinigten Staaten mehr als 1,5 Millionen Corona-Infektionen und mehr als 90.000 Todesfälle registriert – die weltweit schlimmste Bilanz. Trump hatte die Krise zu Beginn kleingeredet und viel zu spät Gegenmaßnahmen ergriffen.

Dennoch bezweifelt kaum einer im Westen, dass sich die Pandemie besser hätte eindämmen lassen, wenn China am Anfang den Informationsfluss nicht gebremst hätte. So entschlüsselte ein Labor in Shanghai am 30. Dezember 2019 zum ersten Mal das vollständige Erbgut eines bis dahin unbekannten Virus: Sars-CoV-2, der Auslöser einer Seuche, die sich nach und nach über die ganze Welt verbreitete.

Die Probe entstammt der Lunge eines Fischhändlers, der sich wahrscheinlich auf dem Huanan-Markt in der zentralchinesischen Stadt Wuhan angesteckt hatte.

Es mag sein, dass Ende Dezember offiziell noch keine bestätigten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen gemeldet worden sind. Aber dass sie längst geschahen, war den Befunden der Ärzte zu entnehmen. Dennoch dauerte es 21 Tage, bis Chinas Regierung dies öffentlich zugab.

China soll die WHO zum Schweigen gedrängt haben

Am 11. Januar übermittelte China der WHO die Gensequenz des neuartigen Coronavirus. Am 22. Januar informierte die WHO-Vertretung in China über Beweise für Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des neuartigen Erregers etwa zwischen Familienmitgliedern oder in Gesundheitseinrichtungen in Wuhan. Es seien aber „weitere Untersuchungen nötig, um das volle Ausmaß der Übertragung zu verstehen“.

Am 30. Januar erklärte die WHO das Virus zum „Notfall für die öffentliche Gesundheit von internationaler Tragweite“. Aber erst am 11. März wurde die Verbreitung von Sars-CoV-2 als Pandemie eingestuft. Bis dahin waren 90 Prozent der Infektionsfälle in nur vier Ländern aufgetreten. Doch gab es bereits Fälle in insgesamt 81 Ländern.

Nach Erkenntnissen des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND drängte Peking die WHO sogar dazu, eine weltweite Warnung hinauszuschieben. Am 21. Januar habe Chinas Staatschef Xi Jinping den WHO-Generaldirektor Ghebreyesus telefonisch gebeten, Informationen über eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung zurückzuhalten und eine Pandemiewarnung zu verschleppen.

Vor der Aufklärung kommt der Kampf gegen die Pandemie

Die WHO signalisierte zumindest Lernfähigkeit. Beim Abschluss ihrer Jahrestagung per Videokonferenz am Dienstag kündigte sie eine unabhängige Bewertung ihrer Rolle im Umgang mit der Pandemie an. Allerdings müsse sich die Organisation zuerst auf den Kampf gegen die weitere Ausbreitung konzen­trieren. Zudem wurde eine Resolution verabschiedet, in der ein „weltweiter, zeitnaher und gerechter Zugang und ebensolche Verteilung“ von Impfstoffen und Medikamenten gegen die Krankheit Covid-19 verlangt wird.

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach sich für eine größere Rolle Chinas bei der Pandemiebekämpfung aus. „Wichtig ist, die ärmsten Länder beim Kampf gegen das Virus jetzt zu unterstützen. Es ist gut, dass sich auch China daran beteiligt“, sagte Müller unserer Redaktion. „Längst geht es aber nicht mehr nur um eine Gesundheitskrise, sondern auch eine Hunger- und Wirtschaftskrise.“ Er hoffe, dass China auch hier seiner gewachsenen Verantwortung nachkomme.

Eine Aufwertung Chinas und der WHO wird Trumps Zorn verstärken. Der Präsident, der auch beim Impfstoff einen „America First“-Kurs verfolgt, dürfte nach seinem 30-Tage-Ultimatum an die WHO den Stecker ziehen – zumindest finanziell.

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