Verbraucherschutz

Corona-Krise: Verbraucherschützer warnt vor Betrügern

Hier können Sie im Sommer Urlaub machen

Reisen ins Ausland bleiben schwierig, aber die Bundesländer öffnen sich wieder langsam für Touristen. Viele beliebte Urlaubsorte sind bald wieder zugänglich.

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Die Krise wird ausgenutzt: Deutschlands Chef-Verbraucherschützer wirft Banken und Reiseveranstaltern Verstöße gegen Kundenrechte vor.

Berlin. Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller wirft Banken und Reiseveranstaltern schwere Verstöße gegen Verbraucherrechte in der Corona-Krise vor. Der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ruft im Interview aus Anlass des Europatages an diesem Samstag die Bundesregierung dazu auf, sich während ihrem am 1. Juli beginnenden EU-Ratspräsidentschaft für eine starke Verbraucherschutz-Agenda einzusetzen.

Die erste Welle der Corona-Pandemie flacht sich ab. Wie hat sich die Krise bisher auf die Verbraucher ausgewirkt?

Klaus Müller: Die Krise hat Betrüger und windige Geschäftemacher auf den Plan gerufen, die mit Wucherpreisen oder irreführenden Gesundheitsversprechen die Leute abzocken wollen. Einige Banken halten sich nicht an das Kreditmoratorium der Bundesregierung, verlangen weiterhin Zinsen von ihren Kunden. Bei Immobilienkrediten kann das für Verbraucher, die durch Corona ohnehin schon Existenznöte haben, zum großen Problem werden.

Und dann versucht insbesondere die Reisebranche, die Kosten und Risiken der Krise voll auf die Verbraucher abzuwälzen, indem sie Vorkasseleistungen ihrer Kunden bei ausgefallenen Reisen in Zwangskredite umwandeln möchte.

Wird dabei die Politik – in Berlin wie in Brüssel – ihrer Verantwortung gerecht?

Müller: Es ist wichtig, dass Verbraucherrechte auch in Krisenzeiten nicht geschliffen und geopfert werden. Der Bundesregierung müssten wir bislang in dieser Frage ein eher gemischtes Zeugnis ausstellen. Die EU-Kommission dagegen hat im Rahmen ihrer Kompetenzen einen guten Job gemacht.

Verbraucherrechte machen das Leben der Menschen bezahlbarer, sicherer und nachhaltiger. Das ist insbesondere in Krisenzeiten sehr wichtig. Viele Menschen sind verunsichert, haben ihren Job verloren, können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Deshalb beobachten wir mit Sorge, dass manche Wirtschaftsvertreter nun in einen dreisten Wünsch-Dir-Was-Modus gewechselt sind, auf Kosten von Verbrauchern und der Allgemeinheit.

Welche Konsequenzen fordern Sie?

Müller: Brüssel hat den von der Bundesregierung geplanten Zwangsgutscheinen bei ausgefallenen Reisen zum Glück einen Riegel vorgeschoben. Das zeigt, dass die EU-Kommission auch gegen nationale Interessen bestehen und das Allgemeinwohl schützen kann. Die Bundesregierung sollte sich daran ein Beispiel nehmen und sich während ihrer EU-Ratspräsidentschaft für eine starke Verbraucherschutz-Agenda einsetzen. Das wäre ein wirksames Mittel gegen Nationalismus und würde dem europäische Projekt wieder neuen Schwung verleihen.

Als Lehre aus der Krise fordern wir den Aufbau einer europäischen Medikamente- und Schutzgüterindustrie sowie massive Investitionen in digitale Infrastruktur und Innovationen. Zudem muss der angekündigte „Green Deal“ mit Leben gefüllt werden. Gegen Covid-19 gibt es hoffentlich bald Medikamente. Gegen die drohende Klimakatastrophe gibt es leider keinen Impfschutz.