Kommentar

Merkels Rede zur Corona-Lage: Klare Ansage der Kanzlerin

Merkel: Corona-Lockerungen der Länder "zu forsch"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in ihrer Regierungserklärung im Bundestag in Berlin die Maßnahmen einiger Bundesländer zur Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen kritisiert.

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Angela Merkel macht in der Corona-Krise klare Ansagen. Am Donnerstag kritisierte die Kanzlerin so manche Lockerung der Bundesländer.

Berlin.  Angela Merkel hat in ihrer letzten Amtszeit die Lust am öffentlichen Rede entdeckt. Die Lust an historischen Auftritten, an dem Erklären ihrer Politik mit starken Worten. Ihre Regierungserklärung zur Corona-Krise war ein denkwürdiger Auftritt.

„Diese Pandemie ist eine demokratische Zumutung“, sagte die Kanzlerin im Bundestag mit Blick auf die Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Deutschland. Und wurde dann sehr deutlich: Sie halte die Lockerungs-Beschlüsse der Bundesländer für „in Teilen sehr forsch, um nicht zu sagen zu forsch“.

Corona-Krise: Merkel spricht von „dünnstem Eis“

Da spricht die Wissenschaftlerin. Die sachliche, kühle Analytikerin, die für sich eine klare Rechnung aufmacht: Sie will das Erreichte nicht verspielen, den relativ milden Verlauf der Pandemie in Deutschland nicht gefährden. Sie malt das Bild von „dünnstem“ Eis und macht damit deutlich, dass auch sie eine zweite Welle für denkbar hält. Viele Mediziner warnen genau davor. Vor Leichtsinn und zu viel menschlichem Kontakt .

Merkel hat aus der Flüchtlingskrise 2015 gelernt

Merkel wurde in der Flüchtlingskrise von 2015 zu Recht vorgeworfen, ihre Beschlüsse nicht transparent gemacht zu haben. Nicht erklärt zu haben, das Volk nicht einbezogen zu haben, den Bundestag nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Sie hat gelernt – auch wenn es ein langer Weg war. In der Corona-Krise sucht sie wöchentlich, manchmal mehrfach den Kontakt zur Öffentlichkeit. Sie legt klar dar, was sie antreibt. Und sie verteidigt ihre Entscheidungen, scheut aber auch nicht mehr davor zurück, Kritik auch an den eigenen Parteifreunden zu üben.

NRW-Ministerpräsident Laschet und die Kanzlerin werden zu Gegenspielern

Besonders NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich für einen schnellen Öffnungskurs verschrieben – auch er hat gute Gründe. Die Abwägung zwischen beiden wird die Aufgabe der nächsten Wochen sein. Merkel hat mit ihrer Regierungserklärung aber auch eines ganz deutlich gemacht: Sie wird handeln.

Sollte es zu einer zweiten Welle an Infektionen kommen, die das Gesundheitssystem nicht mehr stemmen kann, wird sie einen erneuten Shutdown anordnen. Die Gesundheit gehe vor – da fühle sie sich verpflichtet. Sie hat vollkommen Recht.

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