Gewalt

Innenministerium: Mehr als 1600 Angriffe gegen Flüchtlinge

Im vergangenen Jahr gab es 1620 Übergriffe auf Flüchtlinge.

Im vergangenen Jahr gab es 1620 Übergriffe auf Flüchtlinge.

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Die Gewalt gegen Asylsuchende und Flüchtlinge sinkt in Deutschland. Trotzdem gab es im vergangenen Jahr noch über 1600 Übergriffe.

Berlin. Auch im vergangenen Jahr gab es zahlreiche Übergriffe gegen Migranten in Deutschland: Die Sicherheitsbehörden haben 2019 insgesamt 1620 Übergriffe auf Flüchtlinge in Deutschland verzeichnet, 229 Menschen wurden bei den Attacken verletzt. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die unserer Redaktion vorliegt.

Bei 260 Angriffen auf Asylbewerber nutzen die Täter laut Bundesinnenministerium Sprengsätze, legten Brände oder verwendeten andere Waffen, die zu teils gefährlichen Körperverletzungen führten. Unter den Opfern der Angriffe waren demnach auch Kinder.

Rechtsextreme verübten 118 von 128 Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte

In 128 Fällen im Jahr 2019 war das Ziel eines Angriffs die Flüchtlingsunterkunft selbst. 118 Übergriffe gingen dabei laut Bundesregierung auf das Konto von Rechtsextremisten.

Insgesamt lag die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylunterkünfte 2019 damit bei mehr als 1700 Vorfällen.

Bei den Angaben der Bundesregierung fehlen zudem noch Nachmeldungen durch die einzelnen Polizeidienststellen. Die Angaben über rechtsextreme oder rassistisch motivierte Angriffe könnten demnach noch steigen.

Im Vergleich zu 2018 sind die Zahlen gesunken

Im Vergleich zu den Vorjahren sinkt 2019 die Zahl der Angriffe auf Asylsuchende und Flüchtlinge in Deutschland. 2018 verzeichneten die Sicherheitsbehörden noch insgesamt 173 Angriffe auf Asylunterkünfte und 1775 Attacken auf Geflüchtete außerhalb der Einrichtungen selbst. Die meisten davon wurden von Rechtsextremisten begangen.

Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2016 waren auch die Angriffe auf Asylsuchende auf einem Höchststand. Mehr als 2500 Mal waren Geflüchtete Opfer einer Attacke, in fast 1000 Fällen kam es laut Sicherheitsbehörden 2016 zu Angriffen auf Asylunterkünfte.

Linken-Politikerin warnt vor „tödlicher Gefahr durch Rechtsextremismus“

Linken-Politikerin Ulla Jelpke warnte angesichts der jüngsten rechtsterroristischen Anschläge wie in Halle oder zuletzt in Hanau vor der „tödlichen Gefahr durch Rechtsextremismus und Rassismus“.

In Deutschland gebe es „offenbar ein gesellschaftliches Klima, in dem Flüchtlinge jederzeit damit rechnen müssen, verbal und auch tätlich angegriffen zu werden“, sagte Jelpke unserer Redaktion. „Ein Kabinettsausschuss gegen Rechtsextremismus ist gut, besser wäre es noch, man würde endlich eine dauerhafte Förderung der Beratungs- und Präventionsprojekte für die Opfer von Rassismus und gegen Rechtsextremismus gesetzgeberisch absichern.“

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Nach dem mutmaßlich rassistisch motivierten Anschlag in Hanau hatte auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) davon gesprochen, dass der Rechtsextremismus die größte Gefahr in Deutschland sei. Bundespräsident Wolfgang Schäuble (CDU) bezeichnete die Tat von Hanau als Terrorismus. Die Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz (CDU) bezeichnete den Rassismus als größte Gefahr. Ein Terror-Experte forderte, dass die Behörden im Internet wachsamer sein müssten.