Corona-Krise

Wie Deutschland mit Engpässen bei Schutzmasken kämpft

Helfen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus?

Das Coronavirus verbreitet sich weltweit. Viele Bürger kaufen Atemschutzmasken – aber was bringen Schutzmasken gegen Viren?

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Kliniken, aber auch Gefängnisse klagen über Mangel an Schutzmaterial im Kampf gegen den Virus. Die Regierung kauft Millionen Masken.

Berlin.  Es sind Bilder, die Deutschland nur aus dem Ausland erreichen: Menschen in Cafés, an Bushaltestellen, auf der Straße. Und viele von ihnen tragen Atemschutzmasken. Vor allem in den asiatischen Staaten sind Schutzmasken weit verbreitet.

Dort erleben Menschen seit vielen Jahren immer wieder Ausbrüche von Epidemien. Es hat sich, so Experten, in Asien eine Kultur der Schutzmasken etabliert. Anders als in Europa.

Seitdem die Fallzahlen an Infektionen mit dem Corona-Virus auch in Europa nach oben schnellen, machen Meldungen die Runde: Ärzte klagen über Mangel an Atemschutzmasken, Justizbeamte verfügen nicht in allen Bundesländern über Schutzbrillen oder Anzüge, in Kindertagesstätten, die Notbetreuung anbieten, sind laut Aussagen einzelner Erzieher kaum Atemmasken vor Ort.

Coronavirus: Hersteller sollen Regierung schon früh vor Mangel gewarnt haben

In dieser Woche schlug der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Walter Plassmann, Alarm. „Wir versuchen seit Wochen verzweifelt, irgendwo auf der Welt Schutzausrüstung zu kaufen, das ist fast nicht möglich“, zitiert ihn der „Ärztenachrichtendienst“.

Und wenn Masken auf dem Markt angeboten werden – dann zu horrenden Preisen. Meldungen tauchen auf: Atemmasken aus Klinik gestohlen. Der „Spiegel“ berichtet über einen Hersteller für Schutzkleidung, der schon Mitte Februar das Gesundheitsministerium vor Engpässen gewarnt habe.

Seit Anfang März nun fährt das Krisenmanagement der Bundesregierung hoch. Auf Nachfrage unserer Redaktion heißt es im Gesundheitsministerium von Jens Spahn, dass nun „erste Lieferungen mit medizinischen Schutzausrüstungen“ aus den Depots an die Kassenärztliche Vereinigung verschickt werden – darunter mehrere zehn Millionen Masken. Und deren Landesverbände verteilen das Material an die Praxen.

Die Bundeswehr kauft weltweit Schutzbrillen und Atemschutzmasken ein

Das Spahn-Ministerium hat zudem die Bundeswehr um Hilfe gebeten. Dort heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion, dass das Amt für Beschaffung der Armee „Atemschutzmasken, Schutzanzüge, Schutzbrillen, Einmalhandschuhe“ in „hohen Stückzahlen“ einkaufe. Weltweit. Wie viel genau, sagt die Bundeswehr nicht.

Und auch wie viele Masken in den Depots derzeit lagern, kann frt Sprecher des Gesundheitsministeriums nicht sagen. Wie viel Schutzausrüstung genau an die Länder ausgeliefert wurde, ebenfalls nicht. In einem Vermerk der Hamburger Kassenärzte heißt es: Eine Lieferung habe die Hansestadt erreicht. „Die Lieferung war aber so klein, dass sie nur ausreicht, den Arztruf Hamburg aufrechterhalten zu können. Praxen können wir noch nicht ausstatten.

Am Wochenende erwarten die Ärzte im Norden weitere Lieferung mit Schutzausrüstung. Treffe sie in vereinbarter Menge ein, reiche dies auch für Arztpraxen - allerdings noch nicht für alle.

Doch allein auf den Bund wollen sich die Länder nicht verlassen. In Bayern sollen mittelständische Firmen mit eigener Atemschutzmasken-Produktion starten, in Hamburg beginnt Kosmetik-Konzern Beiersdorf mit der Herstellung. Und der Automobilkonzern Daimler will Schutzmasken spenden – da die eigene Produktion stillsteht.

Auch in Gefängnissen drohen Engpässe etwa an Desinfektionsmittel

Komme nicht bald Nachschub, gebe es in den Praxen der Ärzte erneut Engpässe, heißt es bei der Kassenärztlichen Vereinigung auf Nachfrage unserer Redaktion. Die Ärzte in Deutschland seien auf Grippewellen vorbereitet gewesen. „Aber nicht auf Pandemien“, so der Sprecher. Auch Ärzteverbände etwa in Berlin und Brandenburg beklagen Mangel an Schutzausrüstung.

Engpässe gibt es offenbar auch in den Gefängnissen. Desinfektionsmittel droht knapp zu werden, sagt René Müller, Vorsitzender beim Bund der Strafvollzugbediensteten. „Fakt ist, dass jedes Bundesland eigenverantwortlich handelt und bei einer Knappheit vermutlich überfordert ist, kurzfristig die notwendigen Besorgungen durchzuführen. Spätestens hier ist das Bundesjustizministerium gefordert die Versorgung zentral sicherzustellen“, sagte der Gewerkschaftschef.

Ziel der Lieferungen der Bundesregierung sind vor allem Kliniken und Arztpraxen. Dass jeder Bürger zum Tragen einer Maske verpflichtet werde, davon halten Experten wenig. Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité sagte im NDR, dass es keine Studien gebe, dass einfache Schutzmasken vor einer Infektion schützen. Allerdings: Ein Erkrankter kann andere mit Schutzmaske weniger schnell anstecken.

Die Bundesregierung empfiehlt die Maßgabe des Robert-Koch-Instituts, wonach Händewaschen und Abstand halten der beste Schutz seien. Wer jedoch eine Maske tragen wolle, könne dies gerne tun, sagt Virologe Drosten. „Völlig abwegig“ sei das nicht.

Tschechien hat nun einen Mundschutz-Zwang eingeführt. Wer vor die Tür geht, muss eine Maske tragen. Auch ein Schal, ein Tuch oder eine Sturmhaube seien in Ordnung. Denn auch in dem osteuropäischen Land herrschen Engpässe. Viele Tschechen, so heißt es, nähen sich diese Masken deshalb jetzt selbst.