US-Präsidentschaftskandidatur

US-Vorwahlen: Für Joe Biden geht’s am Dienstag ums Ganze

Für Ex-Vizepräsident Joe Biden könnte es bei den Vorwahlen der Demokraten bereits eng werden.

Für Ex-Vizepräsident Joe Biden könnte es bei den Vorwahlen der Demokraten bereits eng werden.

Foto: JOE RAEDLE / AFP

US-Vorwahl der Demokraten: Vor der zweiten Abstimmung in New Hampshire könnte es für Ex-Vizepräsident Joe Biden schon knapp werden.

Washington/Manchester. Nach dem Auszählungs-Desaster von Iowa sehen Amerikas Demokraten dem Vorwahlgang in New Hampshire am Dienstag mit schweißfeuchten Händen entgegen.

Während sich der Amtsinhaber Donald Trump in Umfragen stabilisiert und nach überstandenem Impeachment-Verfahren obenauf ist, liefern sich die demokratischen Kandidaten und Kandidatinnen ein Hauen und Stechen, das als unproduktiv empfunden wird und Trump in die Hände spielen könnte.

Im Neuengland-Bundesstaat New Hampshire, der seinen Freiheitswillen mit dem in Granit gemeißelten Slogan „Lebe frei oder sterbe” manifestiert, liegt bereits “sudden death”-Atmosphäre in der Luft.

US-Vorwahlen: Joe Biden schwächelt und keilt in alle Richtungen aus

Sollte Joe Biden, und danach sah es in den Umfragen aus, wieder nur auf Platz vier landen, würde der frühere Vizepräsident, der über Monate erste Wahl schien, schon auf Krücken in den nächsten Wahlgang in Nevada humpeln.

Ob die Gehhilfen ihn dann noch unfallfrei nach South Carolina trügen, wo aus heutiger Sicht am 29.2. dank großer Sympathien in der afro-amerikanischen Wählerschaft ein Sieg für “Uncle Joe” fest eingeplant ist, erscheint fraglich.

Der 77-Jährige weiß, wie prekär die Lage ist. In der jüngsten TV-Debatte keilte er in alle Richtungen aus. Erst nach links. Dort saugt Senator Bernie Sanders am meisten Sauerstoff aus dem Rennen und werkelt beharrlich an seinem Favoriten-Status. Biden hat weite Teile des Partei-Establishments hinter sich, wenn er sinngemäß sagt: Ein selbst ernannter Sozialist wie „Börnie” ist für Trump wie ein Ball auf dem Elfmeterpunkt - ohne Torwart.

Bernie Sanders hat viele junge Anhänger

Die Bewertung lässt allerdings außen vor, dass niemand bei seinen Fans so viel Euphorie und Leidenschaft auslöst wie der 78-jährige. Vor allem junge Anhänger unter 25, an denen es Biden gebricht, sehen in Sanders` sozialdemokratisch angehauchter Gesundheits-, Sozial-, Steuer- und Klimaschutzpolitik nicht das kommunistische Schreckgespenst, das Trump daraus destilliert.

Sondern die Zukunft. Sie stört nicht, dass Sanders partout nicht sagen will, welche astronomisch hohe Summe sein Schlüsselprojekt – die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung - den Steuerzahler kosten würde. Und wie er dafür im Kongress politische Mehrheiten organisieren will.

Joe Biden schießt sich auch auf Pete Buttigieg ein

Unter den moderaten und bei liberalen republikanischen Wählern potenziell anschlussfähigen Kandidaten hat sich Biden nicht etwa auf die aufholende Senatorin Amy Klobuchar (Minnesota) eingeschossen. Sondern auf den Novizen, über den alle reden.

Pete Buttigieg, Ex-Bürgermeister von South Bend/Indiana, wo einst die legendären Studebaker-Autos zusammenmontiert wurden und dann sehr lange gar nichts mehr, hat als erster offen schwul lebender Kandidat in Iowa mit nur 38 Jahren einen Überraschungserfolg gelandet. Er errang die meisten (14) der zu vergebenden 41 Delegiertenstimmen. Um Kandidat zu werden, benötigt der Afghanistan-Veteran rund 2000.

Bekommt Pete Buttigieg noch mehr Rückenwind in New Hampshire?

Buttigieg könnte in New Hampshire weiteren Rückenwind bekommen. Biden tut alles, um einen Strömungsabriss zu erzeugen. Der junge Kollege, sagt er altväterlich-gönnerhaft, sei gewiss ein netter, enorm redegewandter Kerl.

Aber Bürgermeister einer Kleinstadt gewesen zu sein, qualifiziere beileibe nicht für den Posten des Führer der freien Welt. Außerdem habe Buttigieg, was stimmt, die schwarze Wählerschaft bisher völlig kalt gelassen.

Bidens Breitseite entspringt dem Eindruck, dass Buttigiegs Beiträge, die stets eloquent um Versöhner-Qualitäten und den angeblich überfälligen Generationenwechsel in Washington kreisen, noch keine glänzenden Augen in der Wählerschaft auslösen.

Ein Sieg von Sanders könnte Widerstände in Partei erzeugen

„Dieser Typ ist kein Barack Obama”, versucht Biden die Grenze zwischen Charisma und Hype zu ziehen. Was sich bei nur 12 % Zustimmung in Umfragen für ihn selbst etwas keck anhört. Buttigieg kommt mit 21 % direkt hinter Sanders, der mit 28 % in New Hampshire führt.

Hintergrund: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Vorwahlen

Sollte Sanders hier siegen, werden im Zentrum der Demokratischen Partei die Widerstände wachsen. Konkret wird dort bereits heute hinter vorgehaltener Hand darüber sinniert, wie man Sanders bis zum Nominierungsparteitag im Juli den Weg verstellen könnte.

Dahinter steht die Überzeugung, dass der 78-Jährige, der in Wahrheit parteilos ist und seit Jahrzehnten im Senat als Beiboot mit den Demokraten segelt, nur für eine radikale Minderheit im demokratischen Wählerspektrum spreche und Trumps Wiederwahl im Falle seiner Kandidatur besiegelt wäre.

Sabotageakte gegen Bernie Sanders haben in den Vergangenheit für Ärger gesorgt

Allerdings hat das „Democratic National Committee (DNC)” mit halbseidenen Sabotageakten gegen Sanders schlechte Erfahrungen gemacht. Die Parteinahme dort für Hillary Clinton 2016 flog auf. Es rollten Köpfe. Tom Perez, der neue Vorsitzende, versprach Fairness, Transparenz und Seriosität. Er hat jedoch durch das ihm angekreidete Desaster in Iowa seinen Vertrauensvorschuss fast aufgebraucht. Sanders Anhänger würden ihn daran im Falle eines Falles unfreundlich erinnern.

Am vergangenen Montag haben die US-Demokraten ihre Präsidentschaftskandidaten ins Rennen geschickt um den Herausforderer Donald Trumps für die Präsidentschaftswahlen im November 2020 zu finden. Der amtierende US-Präsident wurde kürzlich im Amtsenthebungsverfahren wegen der Ukraine-Affäre freigesprochen und krönte so seine Festspieltage.