Frauengold-Kolumne

Meine zehn Wahrheiten über Familie und Beruf

So wie die Mutter, so auch später vielleicht die Tochter. Arbeitende Mütter sind nicht nur gestresst, sie sind auch Vorbilder.

So wie die Mutter, so auch später vielleicht die Tochter. Arbeitende Mütter sind nicht nur gestresst, sie sind auch Vorbilder.

Foto: dpa Picture-Alliance / Josep Rovirosa / picture alliance / Westend61

Kind und Job – wie geht das? Fragt mich bloß nicht danach. Mit diesen Wahrheiten schließe ich das Kapitel zum Thema Vereinbarkeit ab.

1. Ein Kitaplatz ist niemals genug

Du hast einen Kitaplatz und schon läuft es mit Job und Kindern? Dann hast du dein(e) Kind(er) und deinen Arbeitgeber wohl unterschätzt – und die Kita überschätzt. Ich kenne kein Kind, das sich damit begnügt, die sechs Tage im Jahr krank zu sein, die du aus diesem Grund von deinem Arbeitsplatz fernbleiben kannst.

Wie familienfreundlich dein Chef, dein Betrieb wirklich ist, wirst du merken, wenn du zum dritten Mal innerhalb von sechs Monaten total ausfällst. Wieviel Urlaub hast du noch mal? 30 Tage?

2. Verlass dich nicht auf den Partner

Dein Partner will dir den Rücken frei halten? Das klingt an sich gut. Aber das alte Sprichwort: „Der Wille zählt fürs Werk“ zieht nicht, wenn du trotzdem zwischen Kita und Kinderarzt hin und her hechelst, weil nun mal du die Stunden reduziert hast.

Die Realität ist schließlich: Dein Partner reduziert nicht. Und nimmt auch nicht mehr als zwei Vätermonate. Er hat Angst vor Nachteilen im Job, und du kannst das verstehen, weil du dich wie immer zurücknimmst. (Im Grunde deines Herzens hast du es ja auch gar nicht anders gewollt).

3. Die neuen Omas wollen lieber reisen statt Enkel zu hüten

Verlass dich nicht darauf, dass dir deine Mutter hilft, wenn du auf Dienstreise gehst. Junge Omas neigen dazu, noch mal richtig durchzustarten und den Alltag mit Sprachkursen durchzutakten, die sie bei regelmäßigen Weltreisen unter Beweis stellen. Sie haben Theater-Abos, einen großen Freundeskreis und feiern gern.

Der modernen Oma reicht es, Weihnachten auf dem Familienfoto zu sein. Mehr Erfolg hast du dann womöglich beim jungen Opa, weil er bei seinen Enkeln gut machen will, was er bei seinen Kindern versäumt hat.

4. Die Mutter-Baby-Natur ist rücksichtslos

Wenn du als junge Baby-Mom nach ein paar Monaten motiviert in den Job zurückkehrst, glaubst du sicher, du kannst alles. Schließlich hältst du dich für patent, unerschrocken und pragmatisch. Doch unterschätze nicht die Natur. Die lässt nämlich stillenden Müttern in unmöglichsten Momenten die Milch einschießen, da brauchst du nur ans Kind zu denken.

Das Gemeine: Du kannst nicht aufhören, ans Kind zu denken. Die Frage, ob du die Stillerei nicht einfach sein lassen kannst, stellst du dir nicht, weil es gerade modern ist , mindestens zwölf Monate mit Muttermilch zu füttern.

5. Karriere machen die Jüngeren

Sind deine Kinder groß und du willst durchstarten? Na ja. Du bist dann Ende 40 oder so, womöglich gar über 50, und dann lauern die 35-jährigen kinderlosen Karrieristinnen, die dich in die Doppelnamen-Schublade packen. Gefördert werden sie von den Männern, die immer schon auf der gläsernen Decke mit wilden Steppschritten genau an der Stelle tanzten, wo du mit deinem Kopf von unten gegen gestoßen bist.

6. Auch ältere Kinder nehmen dir jeden Freiraum

Hast du geglaubt, es wird besser, wenn die Kinder selbstständig werden? Vergiss es. Blödsinn. Freiraum hattest du eher, solange sie täglich zuverlässig um 20 Uhr ins Bett gingen. Teenager füllen jeden Raum in der Wohnung mit ihrer Anwesenheit.

Wenn du Zeit hast, etwa samstags morgens, schlafen sie. Kommst du früher nach Hause, sind sie genervt. Bist du müde, wollen sie über ihr Elend reden (Latein, Pickel, Stress mit der Freundin), zum Beispiel um Mitternacht bis zum frühen Morgen. Und wenn es ganz schlimm kommt, heulen sie dann theatralisch auf mit den Worten: „Du hast ja nie Zeit“.

7. Dein Multitasking-Haushalt ist im Job nicht gefragt

Klar, du kannst gleichzeitig bei Amazon bestellen und den Kindergeburtstag organisieren, während Thermomix und Waschmaschine laufen. Du schaffst das sogar, wenn deine Kinder in der Nähe sind. Tatsächlich kommt es im Job darauf an, Meetings durchzustehen und deine Position durchzusetzen. Neudeutsch: Du musst dich fokussieren, nicht zerteilen.

8. Früher war manches besser

In erster Linie war Kinderbetreuung Privatangelegenheit. Weil es keine Krippen gab und die Kita noch

Kindergarten hieß, ging es gar nicht ohne Tagesmütter/Nanny/Au Pair. Es gab auch keine Lohnersatzleistung wie das Elterngeld. Der Vorteil: Wir Working-Mums aus der Vor-Elterngeld-Zeit waren auch nicht von starren Öffnungszeiten abhängig. Oder streikenden Erzieherinnen.

Zugespitzt gesagt: Womöglich hatten wir durch den Zwang der privaten Organisation eher den Rücken frei. Das hat natürlich gekostet. Klingt neoliberal, war aber so. Die Wahrheit ist aber auch: Noch teurer wäre es gewesen, ganz den Job aufzugeben.

9. Die Suche nach der Work-Life-Balance ist Zeitverschwendung

Wenn du nun findest, das ist doch alles Mist mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mit deiner Work-Life-Balance sowieso, dann stell dir zwei Fragen: Was wäre, wenn ich die Kinder nicht hätte? Und was wäre, wenn ich den Job nicht hätte? Es wäre beides blöd? Na, eben.

10. Hör‘ auf zu jammern

Das Fazit ist schließlich: Es gibt keine Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Letztlich bleibt dir gar nichts anderes übrig, als dein Mütter-Job-Dasein anzunehmen, wie es ist. Oder, ganz kurz: Leb’ es einfach. Wird schon.

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