Kommentar

Gabriels Jobwechsel: Die Deutsche Bank ist nicht die Mafia

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat der Deutschen Bank werden. Die Aufregung darüber ist groß.

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel soll Aufsichtsrat der Deutschen Bank werden. Die Aufregung darüber ist groß.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel begibt sich beruflich auf sensibles Terrain. Doch die Aufregung über die Berufswahl ist völlig überzogen.

Berlin. Groß ist die Empörung, dass Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel ins Kontrollgremium der Deutschen Bank einziehen soll. Bei genauerem Hinsehen ist die Debatte reichlich absurd. Die Deutsche Bank ist nicht die Mafia.

Das Frankfurter Geldinstitut ist Deutschlands wichtigste Geschäftsbank und gilt weltweit als „systemrelevant“. Millionen Privatkunden – sicher auch mancher Sozialdemokrat – haben der Deutschen Bank ihr Geld anvertraut. Warum soll Sigmar Gabriel nicht mithelfen, diese wichtige Bank aus dem Tal der Tränen zu holen?

Sigmar Gabriel: Das spricht für den Posten bei der Deutschen Bank

Weil er Sozialdemokrat ist? Weil er Politiker war? Weil er die Deutsche Bank schon scharf kritisiert hat? Jedes angebliche Gegen-Argument ist absurd und eher ein guter Grund, warum Gabriel den Job machen sollte. Als Sozialdemokrat weiß er um die wichtige Balance zwischen Profitdenken und Verantwortung um Arbeitsplätze. Da riskiert er seinen Ruf.

Als ehemaliger Außenminister kann er weltweit Türen öffnen und der Bank Bedeutung verleihen. Gemessen an den Großbanken unserer Nachbarn steht die Deutsche Bank nämlich ganz schön wackelig da. Und ja, es ist auch in Ordnung, wenn Sigmar Gabriel dafür eine Vergütung erhält. Ex-Politiker, die dem Steuerzahler auf der Tasche liegen, gibt es schon genug. Für das Salär Gabriels würden die meisten Top-Manager morgens nicht mal aufstehen.

Wird Gabriel seinen Job gut machen?

Eine andere Frage ist, ob Gabriel seinen Job gut machen wird. Ob er von dem Geschäft genug versteht. Ob er es schafft, die Deutsche Bank so zu kontrollieren, dass es künftig weniger Razzien durch die Staatsanwaltschaft gibt. Dass sie endlich die Transformation hinbekommt und nach hektischen Strategiewechseln auf Erfolgskurs geht.

Und auch bei Gabriels Umgang mit dem Deutsche-Bank-Gesellschafter Katar darf man genauer hinsehen. Wenn Gabriel patzt, ist Kritik sicher angebracht. Im Vorfeld ist es aber die typisch deutsche Missgunst, die noch nie hilfreich war.

Gabriel nennt seine Nominierung für den Posten eine „große Ehre“. Es wird sich zeigen, ob er seine eigene Kritik an der Deutschen Bank, die er früher des Öfteren auch öffentlich äußerte , in etwas Positives umwandeln kann.