Kommentar

UN-Klimakonferenz in Madrid: Ein Ende mit Schrecken

Klimagipfel-Präsidentin Carolina Schmidt. Mit 40 Stunden Verzögerung haben sich die Teilnehmer Klimakonferenz auf einen Mini-Kompromiss geeinigt.

Klimagipfel-Präsidentin Carolina Schmidt. Mit 40 Stunden Verzögerung haben sich die Teilnehmer Klimakonferenz auf einen Mini-Kompromiss geeinigt.

Foto: NACHO DOCE / Reuters

Die Klimakonferenz von Madrid ist zum Ende gekommen. Der Mini-Kompromiss gefährdet nicht nur den Planeten, sondern auch die Demokratie.

Berlin. Peinlicher hätte es kaum werden können. Zwei Wochen Verhandlungen, den Zeitrahmen überzogen um satte 40 Stunden – und alles, was am Ende der UN-Klimakonferenz herauskommt, ist ein Minimalkompromiss.

Nur mit größter Mühe konnten sich die Delegierten darauf einigen, für die Abschlusserklärung zu Papier zu bringen, was eigentlich selbstverständlich ist. Dass die Staaten sich im kommenden Jahr ehrgeizigere Klimaziele setzen müssen, ist nicht nur im Pariser Abkommen festgeschrieben. Es ist auch offensichtlich angesichts der Lücke zwischen dem, was bereits versprochen ist, und dem, was notwendig ist.

Mit den aktuellen Zusagen zur Emissionsminderung steuert die Welt auf über drei Grad Erwärmung zu. Das ist kein Geheimnis. Man kann davon ausgehen, dass auch die Regierungen in den USA, Australien, Brasilien und Saudi Arabien die entsprechenden Berichte kennen. Es ist ihnen nur offensichtlich egal.

Klimakonferenz: Botschaft des Mini-Kompromisses ist fatal

Die Botschaft, die von Madrid damit ausgeht, ist fatal. Den kleinen Inselstaaten und vielen anderen, verwundbaren Ländern in der ganzen Welt sagt dieses Ergebnis: Unsere nationalen Interessen gehen vor – euer Überleben ist zweitrangig.

Und den Millionen, die im vergangenen Jahr auf die Straße gegangen sind in der Hoffnung, der Wissenschaft bei den Regierenden Gehör zu verschaffen, sagt dieser Abschluss: Auf uns könnt ihr euch nicht verlassen.

Das ist brandgefährlich. Wenn multilaterale, auf Konsens angelegte Systeme so krachend scheitern, dann laufen sie Gefahr, das Vertrauen gerade der vielen jungen Klimaaktivisten in die Demokratie grundlegend zu erschüttern.

Klimaziele: EU zeigt, was möglich ist

Umso wichtiger war deshalb in dieser Woche ein anderes Signal, nicht aus Madrid, sondern aus Brüssel. Noch hat es die EU mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2050 nicht geschafft, den Rest der Welt mitzureißen. Aber dass sich 28 Staaten hier trotz aller Konflikte geeinigt haben, zeigt, dass es möglich ist, ein Ziel über nationale Interessen zu stellen. Die Konferenz in Madrid hat gezeigt, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.

Klimaziele – Mehr zum Thema:

Die EU-Staaten hatten beim Gipfel in Brüssel Einigung darüber erzielt, bis 2050 erster klimaneutraler Kontinent der Welt zu werden. Polen forderte deshalb Milliarden-Hilfe von der EU für Klimaschutz. Zu welchem Kompromiss die UN-Klimakonferenz sich am Ende doch noch durchgerungen hat, erfahren Sie hier. Derweil ist Klimaaktivistin Greta Thunberg zurück nach Schweden gereist. Auf ihrer Heimreise fand sie im überfüllten ICE keinen Sitzplatz.