Messerattacke

Messerattacke in London: Johnson nutzt Thema im Wahlkampf

Attentäter von London war Behörden bekannt

Der Mann hatte am Freitagnachmittag im Zentrum von London nach Polizeiangaben auf mehrere Menschen eingestochen, bevor er überwältigt und erschossen wurde.

Beschreibung anzeigen

In London sind bei einem Angriff zwei Menschen getötet worden. Donald Trump kondolierte. Indes wird der Anschlag zum Wahlkampfthema.

London. Nach der Messerattacke in London mit zwei Toten hat sich nun auch US-Präsident Donald Trump zu Wort gemeldet. Wie ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, habe Trump dem britischen Premierminister Boris Johnson seine Anteilnahme ausgedrückt. Drei weitere Menschen, ein Mann und zwei Frauen, wurden bei dem Angriff verletzt. In Lebensgefahr schwebte am Sonntag aber niemand mehr.

Trump und Johnson hätten am Samstag miteinander gesprochen, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses. Trump reist am Montag in die britische Hauptstadt, wo er wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Staats- und Regierungschefs am Nato-Gipfel am Dienstag und Mittwoch teilnimmt.

Messerangriff in London wird zum Wahlkampfthema

Indes ist die Messerattacke auf der London Bridge mit zwei Toten in Großbritannien zum Wahlkampfthema geworden. Premierminister Boris Johnson warf am Sonntag der früheren Labour-Regierung vor, sie sei Schuld an der vorzeitigen Haftentlassung des Attentäters. Labour-Chef Jeremy Corbyn kritisierte dagegen den Sparkurs der Konservativen.

Für große Diskussionen sorgte die Frage, wie ein bereits verurteilter Terrorist einen Anschlag durchführen konnte. Regierungschef Johnson schob die Verantwortung auf Labour ab: Die Freilassung Khans sei aufgrund von Gesetzesänderungen möglich gewesen, „die von der Labour-Partei vollzogen wurden“, sagte Johnson bei der BBC-Talkshow Andrew Marr am Sonntag. Johnson kündigte eine härtere Gangart gegen Schwer- und Sexualverbrecher sowie Terroristen an.

Terrorangriff in London – das Wichtigste in Kürze:

  • Auf der London Bridge hat ein Mann zwei Passanten getötet
  • Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen
  • Er ist ein vorzeitig aus der Haft entlassener Terrorist
  • Zeugen hatten den Angreifer niedergerungen
  • London hat die Polizeipräsenz nach dem Anschlag erhöht
  • Das beherzte Eingreifen von Zivilisten verhinderte wohl Schlimmeres
  • Premier Johnson thematisiert Anschlag im Wahlkampf

Die Chefin der britischen Liberaldemokraten Jo Swinson warf Johnson vor, aus dem tragischen Ereignis politischen Profit schlagen zu wollen. Das sei „ganz schön geschmacklos“, sagte Swinson. Oppositionsführer Corbyn machte indirekt die Sparpolitik der Regierung für den Anschlag verantwortlich. „Man kann nicht zum Billigtarif für die Sicherheit der Leute garantieren“, so der Labour-Chef. Die Briten wählen am 12. Dezember ein neues Parlament.

IS reklamiert Anschlag für sich

Der 28 Jahre alte Usman Khan hatte am Freitag zwei Menschen erstochen, bevor er auf der London Bridge von Zivilisten überwältigt und von der Polizei erschossen wurde. Er trug einen Sprengstoffgürtel, der sich später als Attrappe herausstellte. Der wegen Anschlagsplänen verurteilte Terrorist war vor einem Jahr auf Bewährung routinemäßig vorzeitig entlassen worden. Außer Usman Khan seien etwa 74 weitere wegen terroristischer Aktivitäten verurteilte Gefangene vorzeitig entlassen worden. Diese Fälle würden nun überprüft, teilte Premier Johnson mit.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Messerattacke für sich reklamiert. Khan hatte der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge Verbindungen zu islamistischen Terrorgruppen.

Queen Elisabeth II. dankt Zivilisten fürs Eingreifen

Viel Lob gab es für die Zivilisten, die Khan mit improvisierten Waffen oder sogar bloßen Händen angingen. Ein polnischer Koch, der dem Attentäter Berichten zufolge mit einem Narwal-Stoßzahn auf den Leib rückte, soll nach dem Willen des polnischen Justizministers Zbigniew Ziobro eine Medaille für Zivilcourage und Opferbereitschaft erhalten. „Gegen den Terrorismus ist jede Waffe erlaubt“, kommentierte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki auf Facebook. „Polen ist stolz auf Sie.“

Polizei erschießt Mann auf London Bridge

Ein anderer Mann sprühte dem Terroristen mit einem Feuerlöscher ins Gesicht, ein Dritter ging unbewaffnet auf ihn los, wie auf Videos im Internet zu sehen war.

Begonnen hatte die Terrorattacke der Polizei zufolge kurz vor 14 Uhr in der Fishmonger’s Hall, der alten Gilde-Halle der Londoner Fischhändler. Der Attentäter nahm dort an einer Konferenz über Resozialisierung der Universität Cambridge mit dem Titel „Learning Together“ (Gemeinsam lernen) teil. Beide Todesopfer waren über die Universität an dem Programm beteiligt. Der Angriff endete nur wenige Minuten später auf der nahen London Bridge.

Dass es nicht zu weiteren Todesopfern kam, ist wohl vor allem dem beherzten Eingreifen der anderen Konferenzteilnehmer und Passanten zu verdanken. Gemeinsam soll es ihnen gelungen sein, dem Attentäter zwei Messer zu entwenden, die er mit Klebeband an seinen Händen befestigt hatte.

Königin Elizabeth II. dankte Polizei und Rettungskräften und den „mutigen Personen“, die „ihre eigenen Leben aufs Spiel gesetzt haben, um anderen selbstlos zu helfen und sie zu schützen“.

Attentäter von London wollte 2010 Börse angreifen

Usman Khan hatte der Tageszeitung „The Times“ zufolge einen Anschlag auf die Londoner Börse geplant, bevor er 2012 zu einer unbefristeten Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Er hatte zu einer Gruppe von neun Extremisten gehört, die deswegen 2012 verurteilt worden seien, hieß es in dem Bericht weiter. Khan sei mit damals 19 Jahren der jüngste in der Gruppe gewesen.

Der Richter habe gesagt, Khan und zwei weitere seien „ernstzunehmendere Dschihadisten“ als die anderen. Später wurde das Urteil auf 16 Jahre Haft abgeändert mit automatischer Entlassung nach der Hälfte der Haftzeit. Laut „Times“-Bericht trug er eine elektronische Fußfessel.

Vorfall erinnert an Terrorangriff mit acht Toten im Sommer 2017

Der Anschlag erinnert an einen Angriff im Sommer 2017: Terroristen töteten auf der London Bridge drei Menschen, die sie mit einem Transporter an- und überfuhren. Anschließend erstachen sie am Borough Market fünf weitere Menschen. Polizisten erschossen damals die drei Täter. Im März desselben Jahres fuhr ein Angreifer mit einem Auto auf der Westminster Bridge in mehrere Fußgänger, vier Passanten starben. Der Mann erstach zudem einen Polizisten, ehe er von Beamten erschossen wurde.

Kurz nach dem Terrorangriff in London attackierte auch in Den Haag ein Mann Menschen mit einem Messer, es gab drei Verletzte.

(moi/les/dpa)