US-Politik

Trump besucht überraschend US-Truppen in Afghanistan

US-Präsident Donald Trump hielt vor den Soldaten in Afghanistan eine Ansprache. Auch sein afghanischer Kollege Aschraf Ghani  war dabei.

US-Präsident Donald Trump hielt vor den Soldaten in Afghanistan eine Ansprache. Auch sein afghanischer Kollege Aschraf Ghani war dabei.

Foto: TOM BRENNER / Reuters

US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag zum ersten Mal Truppen in Afghanistan besucht. Er feierte Thanksgiving mit den Soldaten.

Kabul. Es ist sein erster Truppenbesuch in Afghanistan: Donald Trump hat am US-Feiertag Thanksgiving überraschend für einige Stunden amerikanische Truppen auf der Bagram Air Base nördlich der Hauptstadt Kabul besucht.

Es gebe keinen anderen Ort, wo er den Feiertag lieber verbringen würde, sagte Trump am Donnerstag bei einer Ansprache, die der Sender Fox News zeigte. Offiziell war angekündigt gewesen, dass Trump Thanksgiving in Florida verbringt, wo er in einer Telefonkonferenz mit Angehörigen des Militärs sprechen wollte.

Den mitreisenden Journalisten zufolge dankte Trump den Truppen für ihre Einsatz und servierte ihnen Truthahn – das traditionelle Essen an Thanksgiving.

Trump in Afghanistan: Hoffnung auf Frieden?

Trump traf auch mit dem afghanischen Präsidenten Aschraf Ghani zusammen. Dabei sei es auch um Gespräche über Frieden mit den radikal-islamischen Taliban gegangen. US-Medien berichteten, diese seien wieder aufgenommen worden.

Trump hatte erst im September kurz vor einer in Aussicht gestellten Einigung mit den Taliban mehr als ein Jahr laufende Gespräche mit den Islamisten für „tot“ erklärt. Am Donnerstag schürte der US-Präsident Hoffnungen auf einen Friedensschluss: „Die Taliban wollen einen Deal machen“, sagte Trump. Die Miliz habe sich bei laufenden Gesprächen nach anfänglicher Weigerung zur Zusage einer Feuerpause bereiterklärt. „Ich glaube, dass sie jetzt einen Waffenstillstand wollen“, sagte Trump. „So wird es vielleicht funktionieren.“

Anschlag in Kabul beendete Gespräche mit Taliban

Ziel der Gespräche mit den Aufständischen war ein Abkommen, das den Weg für einen Abzug der US-Truppen und für Frieden in Afghanistan bereiten soll. Unmittelbarer Auslöser für den Abbruch der Gespräche war ein Anschlag in Kabul, bei dem ein US-Soldat starb. Diesen verurteilte Trump am Donnerstag erneut.

Vor elf Monaten hatte US-Präsident Donald Trump im Irak seinen ersten Truppenbesuch bei Kampftruppen im Ausland abgehalten. Er reiste zusammen mit seiner Ehefrau Melania an Weihnachten zu den dort stationierten Soldaten. Vergangene Woche dann war US-Vizepräsident Mike Pence zu einem unangekündigten Besuch in den Irak gereist.

Solche Besuche sollen natürlich einerseits die Moral der Truppe stärken – liefern aber andererseits auch gute Fotomotive für den Präsidenten im Wahlkampf. Zu Hause steht Trump wegen des drohenden Impeachment-Verfahrens unter Druck. Dazu hat gerade der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erklärt, sich als Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu bewerben. Wie der Präsident diesen Herausforderungen begegnen will, sollte vielleicht die Fotomontage zeigen, mit der Trump sich am Mittwoch auf Twitter präsentierte – als gestählter Boxer, bereit zum Kampf. (dpa/rtr/moi)