Frauengold-Kolumne

Sind wir für euch wirklich alles alte weiße Männer?

Lisa und Lena Mantler sind Youtube-Stars, sie stehen hier stellvertretend für die digital Natives. Ihre Generation prägte den Begriff: „Ok, Boomer“, gemeint sind die Eltern und alte weiße Männer.

Lisa und Lena Mantler sind Youtube-Stars, sie stehen hier stellvertretend für die digital Natives. Ihre Generation prägte den Begriff: „Ok, Boomer“, gemeint sind die Eltern und alte weiße Männer.

Foto: Petra Schönberger / imago/Future Image

Sind Sie schon einmal als alter weißer Mann bezeichnet worden? Unsere Kolumnistin schon. Hier rechnet sie mit der jungen Generation ab.

Berlin. In letzter Zeit ist ja viel die Rede von alten weißen Männern. Jenen Typen, die als Synonym gelten für Menschen, die sich jovial und gönnerisch erheben über alles, was ihnen Macht nehmen könnte: Frauen, Ausländer, linkes Multi-Kultur-Milieu, Schwule, Feministinnen. Alten weißen Männern kommt der gepflegte Herrenwitz leicht über die Lippen, sie mögen Strukturen, in der sich die Zahnarztgattin wiederfindet und Vorzimmerdamen Kaffee kochen.

Mir fallen eine Menge Männer ein, die in die oben genannte Kategorie passen, obwohl sie nicht unbedingt alt oder altmodisch sind. Sie gehen einfach nur den traditionellen Weg – weil der ihnen den Weg ebnet in ein erfülltes Familien- und Berufsleben. Das weibliche Pendant, der Typ Frau, der zum Beispiel beim Herrenwitz kräftig lacht, gibt es nicht. Mir fällt jedenfalls keines ein.

Auf einer Party neulich lästerte ich über TikTok, das chinesische Portal, auf dem Teenies sich beim Synchronisieren von Musikvideos filmen. Ich sagte, sowas könne bei Mädchen in die Magersucht führen, weil der Körper ständig optimiert werde. „OK, Boomer“, rief mir darauf eine junge Frau zu.

Hä? Was? Bin ich mit „Boomer“ gemeint?

Hä? Was? „OK, Boomer“, wiederholte sie. Boomer – die Abkürzung von Babyboomer-Generation. Ich hätte doch keine Ahnung in meinem Alter. Was wüsste ich schon von der gelungen digitalen Selbstoptimierung. Bestimmt sei ich auf dem Alt-Frauen-Netzwerk Facebook aktiv.

Wieder zu Hause recherchierte ich „OK, Boomer“ – und fand heraus, das es sich um eine kurze, praktische Replik handelt, als Waffe, wenn zum Beispiel alte weiße Männer dummes Zeug reden, weil sie zu blöd sind, mit der digitalen Revolution im Einzelnen und der modernen Welt im Allgemeinen klarzukommen. Der klassische Generationenkonflikt sozusagen, den es ja eigentlich gar nicht mehr gibt.

Noch einmal: Wie bitte? Ich bin doch keine alte weiße Frau!

Deswegen kann ich ja nicht gemeint sein. Ich meine, ich bin ja keine alte weiße Frau. Die gibt es ja – wie ich bereits erläuterte – gar nicht. Das klingt ja auch hässlich. Wer will schon alt und weiß(haarig) sein.

„OK, Boomer“, analysiert Rezo, der Youtuber, der die CDU vorgeführt hat – das sei nur ein Ausdruck für einen Kampf der Generationen. Seitdem twittert die kleine Phrase mir ständig entgegen.

Etwa von Sophie Passman, das ist die junge, kluge Feministin, die die alten weißen Männer auch in Deutschland bekannt machte. Sie postete ein Foto von einem Schild vor einem Platz, das Rollschuhe, Inlineskats, Skateboards und Fahrräder verbot – und kommentierte es mit: „OK, Boomer“.

Nun bin ich wirklich beleidigt. Verbotsschilder. Das ist was für Spießer. Für Siedlungen, wo nur Geranien erlaubt sind. Wo noch auf Rasenflächen zwischen dreistöckigen Mehrfamilienhäusern Wäscheleinen gespannt sind. Wo sich Männer im Unterhemd und Frauen im Kittel auf ein Kissen im Fensterrahmen stützen und spielende Kinder beschimpfen.

Überhaupt: Wo gibt es noch spielende Kinder? Diese junge Helikopter-Elterngeneration lässt den Nachwuchs doch nur noch kontrolliert am Sonntag auf den Luxusspielplatz, wo sie mit Latte macchiato die Nestschaukel anstupst. Fährt doch gar keiner mehr Rollschuhe, liebe Sophie Passmann!

Ich könnte mich jetzt tatsächlich richtig in Rage schreiben. Doch dann müsste ich mir selbst antworten: „OK, Boomer“.

Hier schreiben Birgitta Stauber und Caroline Rosales im Wechsel.